Dividenden-ETFs: Ein ziemliches Wirrwarr
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2022-07-15

Dividenden-ETFs: Ein ziemliches Wirrwarr

Auch bei passiven Anlegern kommt die Dividendenstrategie scheinbar sehr gut an. Gut 70 ETFs auf diese Strategie sind an der Börse Frankfurt gelistet. Die zugrunde liegenden Indizes unterscheiden sich aber teils deutlich. Worauf Investoren achten sollten und welche ETFs Experten bevorzugen würden.

Auf den ersten Blick ist die Dividendenstrategie denkbar einfach erklärt: Man setzt einfach auf die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite. Doch so einfach ist es bekanntlich leider nicht. Eine hohe Dividendenrendite ist nicht immer gut, vor allem dann nicht, wenn die entsprechende Aktie gerade abgestürzt ist. Auch wenn es im Augenblick natürlich die allgemeine Marktlage ist, die Aktien mitunter im zweistelligen Prozentbereich verlieren und die Dividendenrendite steigen lässt. Sind die Probleme des Unternehmens aber hausgemacht und die Aktie fällt, dann lässt eine Kürzung der jährlichen Ausschüttungen oft nicht lange auf sich warten.




Qualität ist gefragt

Qualität ist gefragt, auch bei der Dividende. Abzulesen ist diese Qualität am Dividendenwachstum, an der Ausschüttungsquote, an der Kontinuität und schlussendlich dann an der Dividendenrendite. Passen all diese Faktoren, dann geht die Strategie auf. Und sie hat viele Anhänger. „Ich liebe Dividendentitel“, sagt beispielsweise Dirk Rathjen, Geschäftsführer des Instituts für Vermögensaufbau (IVA). Die höheren laufenden Erträge durch die Ausschüttungen hätten große Vorteile, vor allem wenn man von Erträgen leben wolle. „Traditionell galten Dividendenaktien immer als Aktien mit geringerem Downside, sie haben im Crash also weniger verloren“, sagt er. Das lag vor allem an der Branchenzugehörigkeit. Versorger, HealthCare, Consumer Staples gelten als zuverlässige Dividendenzahler. „Aber eben auch Financials und Öl – und diese Bereiche hat es 2008 beziehungsweise 2013 und 2020 ganz schön hart getroffen“, so Rathjen. „Jetzt sind Öl und damit auch die Öltitel sehr stark gestiegen, so dass die Vola der Dividendenaktien auch höher ist also sonst.“


Es braucht nicht zwangsläufig Dividenden-ETFs

Wer auf Einzelaktien setzt, muss all das berücksichtigen; Fondsmanager natürlich auch. Aber was ist mit ETFs, die sich bei Privatanlegern, aber auch Institutionellen wachsender Beliebtheit erfreuen. Macht es Sinn, auf Dividenden-ETFs zu setzen? Christian W. Röhl, Gründer von Dividendenadel, stellt die Gegenfrage, was denn Dividenden-ETFs überhaupt seien? „Auch einen MSCI World ETF gibt es in einer ausschüttenden Variante, so dass man regelmäßig kumulierte Dividenden aufs Konto erhält“, gibt er zu bedenken. „Wenn es also um laufende Einnahmen geht, braucht es nicht zwangsläufig ‚Dividenden-ETF‘.“ Natürlich gebe es ETFs, die versuchen, diese laufenden Ausschüttungen zu maximieren. „Der einseitige Fokus auf ‚fette‘ Prozente geht allerdings langfristig sehr häufig zu Lasten des Gesamtertrags“, so Röhl. Bestes Negativbeispiel dazu sei der Dax plus Maximum Dividend ETF, der langfristig schlechter abgeschneidet als alle Indices, aus denen er sich speist, nämlich Dax, MDax, TecDax.

Ein ähnliches Beispiel steuert Rathjen bei: Die Sektorengewichtung ist je nach Indexanbieter mitunter recht unterschiedlich. „MSCI schwört darauf, die Abweichung vom Mutterindex, etwa dem MSCI USA, nicht zu hoch werden zu lassen“, sagt er. „Dadurch ist der Dividendeneffekt etwas schwächer, aber dafür in einer Tech-Rally die Underperformance weniger hoch.“ In den FTSE-Indizes sei es anders. Was man wolle, hänge vom eigenen Geschmack ab. „Wenn ich hohe Dividendenrenditen suche, ist mir persönlich nicht so wichtig, eng am marktkapitalisierten Index zu kleben.“ Weshalb er den MSCI-Ansatz weniger mag.

Sind viele Dividenden-ETFs also eigentlich Murks? „Wenn man Ausschüttungsrenditen auf rationale Art und Weise maximieren will, braucht es zumindest ein Korrektiv, das die hohen Dividendenrenditen quasi einordnet“, sagt Röhl. Als gutes Beispiel dafür nennt er die High Dividend Low Volatility-ETFs von Invesco, die für USA, Europa und Emerging Markets verfügbar sind. Sie würden auch ein interessantes Gegengewicht beispielsweise für tech-lastige Portfolios darstellen.


Dividenden-Aristokraten bevorzugt

Grundsätzlich sollten ETFs also eines der genannten Qualitätsmerkmale der Dividendenaktien abbilden, besser zwei oder mehr. Röhl persönlich schaut gerne auf langfristiges, kontinuierliches Dividendenwachstum – womit wir dann bei den „Aristokraten“ sind. Dummerweise laufen da die Definitionen auseinander: „Das langfristig erfolgreiche Anlagekonzept aus den USA zielt auf 25 Anhebungen in Folge ab, ist in Deutschland aber leider nicht als UCITS ETF verfügbar“, sagt er. „Stattdessen gibt es von SPDR einen ETF, bei dem die Hürde auf 20 Jahre gesenkt wurde und bei dem am Ende doch wieder die Rendite als Auswahlkriterium verwendet wird – inhaltlich verschlimmbessert, nur unter Marketing-Gesichtspunkten nachvollziehbar.“ Aber in Europa und Asien würde es eben einfach zu wenige Werte mit einem 25-jährigen Track Record geben, weshalb die Hürde hier drastisch gesenkt worden sei.

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