Doppelstiftungsmodell mit Nutzen für Unternehmen, Familie und Gesellschaft

Eine Doppelstiftung ist keine einzelne Stiftung, sondern eine Kombination aus steuerlich begünstigter gemeinnütziger Stiftung und privatnütziger Familienstiftung, die der Versorgung der Familie dient.

Stiftungen werden hierzulande oft als karitatives Spielzeug für Superreiche betrachtet. Dabei haben sich Stiftungen längst auch bei denjenigen durchgesetzt, die private und/oder unternehmerische Interesse verfolgen. Denn Stiftungen eröffnen neue Möglichkeiten des Vermögensschutzes für privates und unternehmerisches Vermögen, erleichtern unter bestimmten Bedingungen den Erhalt von Unternehmen auch ohne klassischen gesellschaftsrechtlichen Nachfolger und können durch ihre Erträge auch die Familie finanziell fördern. Und im Rahmen der Doppelstiftung können diese Wünsche und Vorstellungen mit einem gemeinnützig-karitativen Ansatz zusammengebracht werden.

Das bedeutet: „Eine Doppelstiftung ist keine einzelne Stiftung, sondern eine Konstruktion aus zwei Stiftungen – man spricht auch vom Doppelstiftungsmodell. Während eine der beiden Stiftungen gemeinnützige Zwecke verfolgt und daher steuerbegünstigt ist, dient die andere Stiftung der Versorgung einer bestimmten Familie und unterliegt der regulären Besteuerung. Beide Stiftungen verbindet, dass sie Rechte am selben Unternehmen besitzen“, heißt bei der auf Stiftungen spezialisierten Wirtschaftskanzlei Winheller.


Stiftung ist der „ewige Nachfolger“

Durch diese Verlagerung der Rechte auf die Stiftungen werden Verkauf und Zersplitterung von Betriebsvermögen verhindert. Dadurch kann ein Unternehmen, das mit einer Stiftung verbunden ist, nicht ohne weiteres verkauft werden kann, und auch Probleme bei der Unternehmensnachfolge werden verhindert – die Stiftung ist der „ewige Nachfolger“. Und die Familie kann über Geschäftsführung im Unternehmen, Stiftungsvorstand oder Beirat die Geschicke lenken. Aber sie muss keine gesellschaftsrechtliche Verantwortung übernehmen.

Darauf weist auch die Wirtschaftskanzlei Rose & Partner hin: Die besondere Stärke der Doppelstiftung liege in der Kombination steuerlicher Vorteile mit der Möglichkeit, das Unternehmen langfristig in Familienhand zu sichern und mit den zur Verfügung stehenden Erträgen dem Stifter am Herzen liegende gemeinnützige Zwecke verfolgen zu können. Das, so die einhellige Meinung vieler Experten, führe automatisch auch zu einem Reputationsgewinn für das Unternehmen und erhalte den Namen des Stifter-Unternehmers für die Nachwelt.


Stifterfamilie wird durch die Familienstiftung versorgt

Für die Errichtung der Doppelstiftung werden jeweils eine gemeinnützige und eine (privatnützige) Familienstiftung eingesetzt. Auf diese Weise kann die Stifterfamilie durch die Familienstiftung versorgt werden, während die gemeinnützige Stiftung ihre Erträge zur Verwirklichung gemeinnütziger Zwecke verwendet. „Die Kombination der beiden Stiftungen wird häufig hergestellt, indem die gemeinnützige Stiftung mehrheitlich an dem Familienunternehmen beteiligt wird, die Familienstiftung das unternehmerische Management führt und langfristig die Aufsichtsfunktion übernimmt“, sagt Stiftungsberater und Rechtsanwalt Thorsten Klinkner (UnternehmerKompositionen).

Dabei werde das Unternehmen teilweise auf eine Familienstiftung und teilweise auf eine gemeinnützige Stiftung übertragen, betont Klinkner. Die gemeinnützige Stiftung halte in dieser Konstellation den größeren Anteil am Unternehmen, die Familienstiftung kontrolliere nur so viele Anteile, wie unmittelbar benötigt werden, um die satzungsgemäßen Zwecke der Familienstiftung zu erfüllen. Das sei klassischerweise die finanzielle Versorgung der Familie. Die Gewinnverwendung kann durch den Gesellschaftsvertrag im Übrigen so ausgestaltet werden, dass 50 Prozent der Erträge jeweils in die Familienstiftung und die gemeinnützige Stiftung fließen. Dies ist rechtlich und steuerlich zulässig. Eine derartige Aufteilung der Gewinnverwendung hat den entscheidenden Vorteil, dass die eben Hälfte der Erträge flexibel für die Familie verwendet werden dürfen.


Erträge der gemeinnützigen Stiftung sind steuerfrei

Warum die Vermögensrechte in dieser Konstellation mehrheitlich bei der gemeinnützigen Stiftung liegen? Das ist leicht erklärt: Auf eine gemeinnützige Stiftung kann die Vermögenssubstanz ohne gestalterische Maßnahmen Schenkung steuerfrei übertragen werden. Ebenso sind die Erträge der gemeinnützigen Stiftung steuerfrei und können dann für die in der Satzung festgelegten gemeinnützigen Zwecke verwendet werden. Nur der Anteil, der auf die Familienstiftung entfällt, zieht schenkung- und ertragsteuerliche Konsequenzen nach sich. Die finanziell begünstigten Familienmitglieder müssen ihre Einnahmen aus der Familienstiftung natürlich ebenso versteuern.

Die Eigentümer von Unternehmen wie Playmobil, Aldi, Bertelsmann, Bosch, Würth und Zeiss nutzen Doppelstiftungen aufgrund der mehrfachen Vorteile für Unternehmen, Familie und Gesellschaft bereits seit vielen Jahren. Doch gerade auch für mittelständische Unternehmen kann diese Lösung laut Einschätzung von Experten Sinn ergeben, um das Betriebsvermögen zu schützen, die Beteiligung der Familie zu sichern und der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Wichtig sei aber, dass die Errichtung einer Doppelstiftung einem individuellen Konzept folge, um die jeweiligen Eigenheiten eines Unternehmens und einer Familie miteinander in Einklang zu bringen. Es brauche Zeit, Gestaltungswillen und Beratung für die optimale Konzeption der Doppelstiftung.