Draghi bleibt der Nullzins-Politik in Europa verhaftet

Der EZB-Präsident Mario Draghi drückte es am 27. Juli 2018 in der Main-Metropole Frankfurt in etwa so aus, dass eine Änderung der geldpolitischen Botschaft nicht in Sichtweite ist. Die Entscheidung dazu fiel bereits auf der EZB-Sitzung im Juni 2018. Mit einer Zinswende hat es die Notenbank nicht eilig und bekräftigte die Aussage, dass die Zinsen noch „über den Sommer 2019“ auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben werden. Die meisten Ökonomen hat dies nicht sonderlich überrascht.

 

Der Ausblick für die Wirtschaft ist optimistisch

Draghi begründet den Zinsentscheid mit seiner Zuversicht hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone, die keine nennenswerte Inflationstendenz erkennen lässt. Wir können nach wie vor von einem soliden Wachstum ausgehen. Es kam zugegeben zu Jahresbeginn zu einer gewissen Verlangsamung aufgrund einer geringfügigen Abschwächung des Handelswachstums, was auch die Börsen mit einer leichten Unsicherheit quittierten. Als reale Gefahr prangerte Draghi den aufkommenden Protektionismus an. Die aktuelle Annäherung im Handelsstreit zwischen der EU und den USA nannte er „ein gutes Zeichen“.

Ebenfalls im Juni haben die EZB-Währungshüter in Aussicht gestellt, dass das bisherige Volumen von Anleihekäufen in Höhe von monatlich 30 Milliarden Euro ab September zunächst auf 15 Milliarden Euro abgesenkt werden soll, bevor das Programm zum Jahresende ganz eingestellt wird. Darüber hinaus erläuterte Draghi, dass die Beträge auslaufender Anleihen wie geplant wieder reinvestiert werden sollen. Draghis besondere Betonung auf die „Forward Guidance“, also auf die getätigte Zusage, dass die Leitzinsen mindestens bis Sommer 2019 unverändert niedrig verbleiben sollen, lässt dennoch einige Marktbeobachter aufhorchen. Konkrete Informationen über den Zeitpunkt der ersten Zinsanhebung lieferte Draghi aber nicht.

 

Einfluss auf die Bewertung des Euros

Der Eurokurs geriet nach der Sitzung ein wenig unter Druck und erreichte sein Tagestief bei 1,1673 US-Dollar. Unmittelbar zuvor notierte der Euro noch ungefähr einen halben Cent höher. Wir sehen, dass die US-Amerikaner ihre Zinswende beherzter anpacken, insbesondere am langen Ende des Anleihemarktes. Es nimmt daher nicht Wunder, dass stetig viele Euro über den großen Teich in die USA abfließen, was den Dollarkurs relativ stärkt, obwohl auch der US-Dollar zurzeit nicht wirklich begründet eine starke Währung sein kann.

Ein kritischer Blick auf den Langfrist-Chart des Euro-Dollar-Verhältnisses zeigt, dass die Finanz- und Immobilienkrise im Sommer 2008 ein Auslöser für einen jahrelangen Trend nach unten für den Euro war. Damals wurde ein Spitzenwert von fast 1,60 EUR/USD erreicht. Anfang 2018 lagen die Höchstwerte nur noch bei 1,25 EUR/USD, wobei die Breite des deutlichen Trendkanals ungefähr 25 Eurocent ausmacht. Die relative Stärkung des US-Dollars gegenüber dem Euro ist sicherlich zum Teil darin begründet, dass die USA die notwendige Zinswende konsequenter leben.

Selbstverständlich stehen die meisten europäischen Staaten bei Draghi täglich auf der Matte. Sie alle haben unisono ein großes Bedürfnis am Nullzins. Wir erinnern uns, dass es in Deutschland Zeiten gab, da war der größte Etat-Posten für die Tilgung von Zinsen deutscher Staatsanleihen vorgesehen, dieser Posten überstieg damals jenen der Verteidigungsausgaben.