Druckventil gegen Stress am Markt

Die weltweiten Aktienmärkte kamen im Oktober – praktisch ohne Ausnahme – massiv unter die Räder. Auslöser war eine toxische Kombination aus steigenden Zinsen, Handelskrieg und ersten Anzeichen einer sich abschwächenden Gewinndynamik der Unternehmen, insbesondere auch in den USA. Dementsprechend waren Technologiewerte und andere zyklische Titel besonders anfällig. Auffallend war allerdings eine schnelle Aktivierung von positiven Gegenkräften: Der steigende Zinstrend kehrte sich um und die Renditen langfristiger Staatsanleihen fielen wieder deutlich.

Das Investorensentiment drehte von euphorisch auf stark negativ. Dies trug zu einer Verbesserung der markttechnischen Verfassung der Börsen bei und die US-Dollarstärke flaute leicht ab, besonders gegen einige wichtige Schwellenländerwährungen. Auch dies wirkte als Druckventil gegen Stress. Insgesamt handelte es sich bei diesen Marktbewegungen nicht um eine klassische markttechnische Korrektur wie im Januar/Februar dieses Jahres, sondern um eine Anpassung an ein neues Gleichgewicht von reduzierten Wachstumsaussichten und erhöhtem Zinsniveau beziehungsweise einem restriktiveren monetären Umfeld. Erfahrungsgemäss sind solche Anpassungsphasen etwas längerfristiger als technische Korrekturen und weniger scharf einzugrenzen. Trendlose Volatilität ist ein massgebendes Merkmal in derartigen Situationen. Die Energie- und Basismetallpreise gaben weiter nach und bestätigten damit den Trend zu etwas abgeschwächtem konjunkturellem Wachstum. Die Kreditmärkte notierten in diesem Umfeld ebenfalls schwächer. Die sich heterogen entwickelnden Zinsen (höher in den USA, niedriger in der Eurozone und Schweiz) konnten den Trend zu höheren Credit Spreads nicht auffangen. Allerdings waren die Bewegungen selbst im High-Yield-Segment verhältnismässig klein, was eine insgesamt noch gesunde Marktverfassung belegt.


Ausblick

Unser Makromodell liefert für die Aktien- und Kreditmärkte in Europa tiefere Scorewerte aufgrund eines schwächeren Geldmengenmomentums und einer zyklischen Abschwächung des konjunkturellen Momentums. China verbleibt im negativen Bereich. Die Werte für die USA und auch Japan bleiben stabil, trotz den jüngsten Unruhen an den Finanzmärkten. Diese Stabilität wird auch von unseren Frühwarnindikatoren bestätigt, die auf Neutral gewechselt haben von noch deutlich negativ im Vormonat. Auffallend ist hier eine insgesamt hohe Stabilität des Kupferpreises, trotz leicht abbröckelnder Kurse zum Monatsende. Kupfer war in der Vergangenheit stets ein guter Indikator für die Konjunktur. Die aktuellen Turbulenzen an den Aktienmärkten sind im Gegensatz zum vergangenen Januar keine reine markttechnische Korrektur, sondern eine Anpassung (Rebalancing) der Märkte an ein neues Gleichgewicht zwischen etwas weniger Konjunkturwachstum und gleichzeitig höheren Zinsen. Derartige Anpassungen sind zeitlich etwas schwieriger einzugrenzen als technische Marktkorrekturen. Eine langfristige Baisse oder Rezession ist aber zumindest im Augenblick nicht wahrscheinlich. Dies wird auch durch die bisher erstaunlich stabilen Kreditmärkte (insbesondere High Yield) und nach wie vor steile Zinskurven bestätigt. Die fundamentale Basis bröckelt zwar, aber der Durchbruch ist noch nicht erfolgt. Allerdings liefern unsere Trendmodelle insgesamt ein negativeres Bild. Formal ist der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten in den USA gebrochen, währen sich Europa und China bereits in einem Abwärtstrend befinden. Der aktuell negative Trend liefert aber keine Informationen über die mittel- und langfristige Entwicklung, muss allerdings für die taktische Positionierung ernst genommen werden.