E-LKWs verändern die Branche

Elektroantriebe stellten lange Zeit für Lkw-Hersteller keine brauchbare Option dar. Sie vertrauen weiterhin auf den Verbrennungsmotor und verschließen sich gegenüber der neuen Technik. Oft sprachen die Verantwortlichen davon, dass die Lithium-Ionen-Batterien zu kostspielig und zu schwer sind. Außerdem sei die Reichweite zu gering. Die Wirtschaftlichkeit stehe für die Unternehmen im Vordergrund und die Nachfrage nach Elektro-LKWs zu gering, meinten die Manager für viele Jahre. Dieselmotoren stellten Sie als beste Option vor, die auf Langstrecken und in der Stadt viele Vorteile haben, da sie kostengünstig sind. Jetzt allerdings ändern sich die Umstände.

Es kommt zu einem gesellschaftlichen Umdenken und auch die Behörden zollen dieser Entwicklung Tribut. Erste Fahrverbote für Fahrzeuge mit Dieselantrieb treten in Kraft, da die Feinstoffwerte in bestimmten Gebieten zu hoch sind und eine Reduzierung gesetzlich vorgeschrieben ist. Beispielsweise ist es zur Sperrung eines Straßenzuges in Hamburg gekommen und in absehbarer Zeit wird es dieses Verbot auch in anderen Großstädten geben. Da viele Transporter nicht mehr in gesperrte Areale gelangen und die dortigen Läden nicht mehr beliefern oder Waren abholen können, sinkt die Attraktivität für LKW-Käufer.


Neue Wege mit neuen Chancen

Die Post hat auf diese Entwicklung reagiert und rief das Tochterunternehmen „Streetscooter“ ins Leben. Hier produziert der ehemalige staatliche Konzern eigene Fahrzeuge mit Batterieantrieb, die überall einsetzbar sind. Durch den Erfolg haben auch die großen Marktführer wie MAN oder Daimler bemerkt, dass eine große Nachfrage nach umweltfreundlichen Lösungen besteht. Viel Geld wurde in dieser Sparte investiert und nun stellen auch andere LKW-Hersteller in regelmäßigen Abständen Nutzfahrzeuge mit Elektromotoren vor. Bald ist die Serienproduktion angedacht. Doch bis zu diesem Zeitpunkt gibt es mit „Streetscooter“ nur einen deutschen Hersteller, der diesen Markt bedient.


Ein schneller Umbruch

Normalerweise dauert es, bis sich solche Trends durchsetzen. Jahre oder Jahrzehnte vergehen, bis sich ein profitables Geschäft entwickelt. Zusätzlich bedarf es viel Überzeugungsarbeit bei den Kunden. Doch diesmal sind die Vorzeichen umgekehrt. Der Bedarf geht von den Interessenten aus und die Firmen müssen sich nach deren Wünschen richten und für vollste Zufriedenheit sorgen. Ferner besteht ein gewisser Zeitdruck, da schon die ersten staatlichen Einschränkungen greifen und weitere Maßnahmen geplant sind. Die Betriebe benötigen nun viel Kapital für die Entwicklung, da der Zeitfaktor eine große Rolle spielt. Wer sich nicht auf die neue Technologie einlässt, wird abgehängt und verliert Marktanteile.


Die EU als treibende Kraft

Neue EU-Regularien sind dafür verantwortlich, weshalb die E-Mobilität an Attraktivität gewinnt. Die Vorschriften und Ziele gelten für Pkws und Lkws gleichermaßen. Eine Reduzierung der Emissionen von 30 % ist hier bis 2030 vorgesehen. Derzeit gibt es viele Studien zu alternativen Möglichkeiten, die durch die Hersteller durchgeführt werden. Neben Strom sind Diesel-Elektro-Hybridmotoren, Wasserstoff oder Gasantriebe weitere Optionen. Die Konzerne wissen, dass ein Wandel notwendig ist, da es sonst zu Vertragsverletzungsverfahren gegenüber den EU-Mitgliedsstaaten kommt. Die Regierungen weisen daher nachdrücklich darauf hin, dass ein Umdenken erforderlich ist.


Ein Viertel aller Lastwagen soll bis 2030 mit neuen Motoren ausgestattet sein

Die Erwartungen der Wirtschaft sind hoch. Die Fachleute gehen davon aus, dass bis zum Beginn des übernächsten Jahrzehnts schon 25 % aller Lkws auf deutschen Straßen über eine neue und umweltfreundlichere Antriebsform verfügen. Auf kurzen Strecken kommen dann, nach Ansicht der Experten, reine Elektrotransporter zum Einsatz. Auf Mittel- und Langstrecken sind Hybridmotoren voraussichtlich die beste Option, da die Forschung bei der Stromspeicherung noch großer Fortschritte bedarf. Hier ist wieder Tesla Spitzenreiter. Ihr „Semi“-Truck soll neue Maßstäbe setzen und auf diese Weise eine marktbeherrschende Rolle einnehmen.