Edelmetall Palladium auf neuem Rekordhoch

Der Markt für Metalle bietet derzeit wenig Grund zur Freude. Stoffe wie Aluminium, Kupfer oder Zink verzeichnen wieder einen Abwärtstrend. Selbst Gold und Platin können nicht halten, was die guten Werte um die Jahreswende versprochen hatten. Die positive Ausnahme ist Palladium. Das Edelmetall, welches chemisch viele Gemeinsamkeiten mit Platin aufweist, schreibt aktuell eine echte Erfolgsgeschichte. Am vergangenen Montag kostete eine Feinunze Palladium 1183,82 US-Dollar. Das ist ein neues Rekordhoch für den Rohstoff. Seit August hat der Preis für Palladium um fast 40 % zugelegt.

Während Palladium Platin bereits weit überholt hat, nähert sich sein Preis sogar immer mehr dem von Gold an. Die Preisdifferenz zwischen den beiden Edelmetallen ist vom dreistelligen in den zweistelligen Bereich abgerutscht. Der Höhenflug von Palladium sorgt für Optimismus: Experten prognostizieren weitere Preissteigerungen, Hedgefonds erwarten eine ausgiebige Rallye.

Die Gründe für das Rekordhoch sind vielfältig. Palladium wird vor allem in der Automobilindustrie eingesetzt. Diese macht 70 % bis 80 % des Absatzes aus. Der Rest fällt auf Branchen wie die Medizin. Palladium wird hauptsächlich in Katalysatoren von Benzinern verbaut. Die wiederum sind zurzeit wegen des Diesel-Skandals beliebter geworden. Eine besonders große Rolle spielt China. Dort ist das Thema Luftverschmutzung in der letzten Zeit auf die Agenda der Regierung gekommen, weswegen Kraftfahrzeuge mit deutlich wirkungsvolleren Katalysatoren ausgestattet werden sollen. Dafür muss mehr Palladium im Produktionsprozess verwendet werden als bisher. Das treibt die Nachfrage nach Palladium weiter nach oben.


Palladium: Große Nachfrage bei knappem Angebot

Zudem ist der Markt für Palladium sehr eng. Die Förderung kommt der Nachfrage schon seit acht Jahren nicht mehr hinterher. Das wird sich in den kommenden Jahren laut Experten auch nicht ändern, da die zu erwartenden Fördermengen nicht so sehr ansteigen werden, wie sie eigentlich müssten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Unternehmen weichen bereits auf physisch hinterlegte Fonds aus, um an Palladium für die Produktion zu kommen. Rund 75 % des gewonnenen Palladiums kommen aus gerade einmal zwei Ländern, Russland und Südafrika. Der größte Förderer von Palladium ist das russische Unternehmen Norilsk Nickel, welches auch in der Produktion von Nickel und Platin zu den weltweiten Marktführern zählt. Norilsk Nickel möchte die Palladiumförderung in den kommenden Jahren um 25 % steigern, was immer noch nicht reicht, um das Angebotsdefizit auszugleichen. Wirtschaftspolitische Spannungen zwischen den USA und Russland tun ihr Übriges.


Wie lang dauert der Höhenflug noch an?

Trotz dieser guten Ausgangslage für Palladium ist nicht gesichert, dass die Erfolgsgeschichte endlos weitergeht: Ausgerechnet die positive Nachricht, dass Palladium Platin überholt hat, könnte dafür sorgen. Da sich die beiden Edelmetalle so ähnlich sind, könnten die Autohersteller aus Kostengründen Palladium durch Platin ersetzen. Momentan wird Platin in den Katalysatoren von Dieselmodellen verbaut. Eine solche Umstellung kann jedoch nicht von heute auf morgen vollzogen werden, da hierfür die technischen Fertigungsprozesse entsprechend abgeändert werden müssten. Ein Vorgang, der wohl 18 bis 24 Monate in Anspruch nehmen würde. Zudem verweisen Experten darauf, dass die große Nachfrage nach Palladium teilweise von spekulativ agierenden Käufern getragen wird. Auch die Nachfrage aus China könnte in Zukunft sinken. Ursprünglich hatte die chinesische Regierung geplant, dem schwächelnden Automarkt mit Steuererleichterungen auf die Sprünge zu helfen. Dieser Plan wurde aber inzwischen verworfen.