Ein China, ein Alibaba

Chinesische Unternehmen können dieses Jahr auch positiv überraschen.
Inmitten des Handelskriegs zwischen USA und China hat Alibaba Zahlen für das zweite Quartal präsentiert, die eindrucksvoll belegen, dass der Internetriese derzeit eine Klasse für sich ist.

Getragen von 61 Prozent Wachstum im Kerngeschäft E-Commerce ist auch der Gesamtumsatz im zweiten Quartal um 61 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen. Damit scheinen die Grenzen der Schwerkraft für Alibaba derzeit nicht zu gelten. In der Gruppe der FAANG- und BAT-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google, Baidu, Alibaba, Tencent) setzt sich das Unternehmen an die Spitze beim Umsatzwachstum.
 

   
Beeindruckend: Der Gesamtumsatz im zweiten Quartal ist gegenüber dem Vorjahresquartal um 61 Prozent gestiegen.
(Quelle: Präsentation Q2 Zahlen Alibaba Group)

 
Das Unternehmen erwirtschaftet derzeit mehr als 80 Prozent der Umsätze und 100 Prozent der Gewinne im E-Commerce. Die wichtigsten Plattformen und Marken im E-Commerce sind:

Alibaba  – intenationaler B2B Marktplatz
Taubao – Marktplatz für Privatpersonen und kleineren Unternehmen rundum das Thema Konsum; vornehmlich über mobile Endgeräte.
Tmall – Marktplatz für große nationale und internationale Markenunternehmen, die chinesische Konsumenten ansprechen wollen.
Aliexpress – Marktplatz für Endkunden weltweit, die Waren von chinesischen Lieferanten bestellen.

 

Alibaba dominiert E-Commerce in China

Als Highlight in Q2 präsentierte das Unternehmen den Anstieg bei monatlich aktiven Nutzern (MAU) um 17 Millionen auf nun 634 Millionen MAU auf ihrer mobilen Plattform Taobao.
Wobei hier allmählich eine Sättigung eintritt. Der größte Anteil am Wachstum kommt von Konsumenten aus ländlichen Regionen mit wahrscheinlich kleineren verfügbaren Budgets.
Bemerkenswert auch, dass das Unternehmen den Marktanteil im B2C Markt in China mit der Plattform Tmall weiter ausbauen konnte und somit noch attraktiver wird für internationale und nationale Konsumgüterhersteller, die es auf das Geld chinesischer Konsumenten abgesehen haben. China hat den größten E-Commerce-Markt der Welt. 80 Prozent dieses Marktes werden nach einer Studie von Bain & Company dominiert von Alibaba und Tencent. Ausländischen Markenunternehmen bleibt keine andere Wahl, als über diese Plattformen zu gehen, wenn sie Chinas Konsumenten erreichen wollen.
 
Umsatzwachstum außerhalb des Kerngeschäfts überrascht
Auch das Geschäft in den drei anderen Segmenten zieht an. Die Umsätze für Q2 lagen hier sogar jeweils über den Markterwartungen:
• Im Cloud Computing (vergleichbar mit Amazon Web Services) stieg der Umsatz um 93 Prozent.
• Digitale Medien und Unterhaltung konnte den Umsatz um 46 Prozent steigern. Bei Youku (eine Art Youtube und Netflix in einem Paket) konnte das Unternehmen in Q2 die durchschnittliche Abonnentenzahl pro Tag gegenüber dem Vorjahr um 200 Prozent steigern. Der große Fußball-Fan Jack Ma hatte die Lizenzrechte für die WM-Übertragung erworben. Das hat sich offensichtlich ausgezahlt.
• Das Geschäftsfeld Innovative Initiativen und Restkonnte einen Umsatzwachstum von 64 Prozent verbuchen. Dazu gehört unter Anderem der Sprach-Assistent Tmall Genie (vergleichbar mit Amazon Alexa) von dem nur 12 Monate nach der Veröffentlichung bereits 5 Millionen Stück verkauft wurden.
 
Kosten für neue Umsätze steigen
So viel zu den guten Nachrichten. Ohne die Konsolidierung von Ele.me (Lieferdienst für Essen) und Cainiao (Logistik) wäre das Wachstum im E-Commerce „lediglich“ 49 Prozent gewesen. Kritisch sehen wir auch, dass die Margen der Umsätze in „New Retail“, deutlich niedriger ausfallen, da Logistikkosten und Lagerkosten (insbesondere bei den physischen Hema-Läden) höher ausfallen.

Denn Alibabaist längst nicht mehr nur eine reine Online-Plattform. Und auch die internationale Expansion durch Übernahmen gestaltet sich teuer. Warum Alibaba Ele.me und den digitalen Restaurantdienst Koubei in eine separate Holding packt und andere Investoren wie Softbank daran beteiligt, konnte das Unternehmen im Analystencall nicht überzeugend beantworten. Besser klappte das hinsichtlich des bilanziellen Gewinnrückgangs um 40 Prozent. Da das Unternehmen einige Mitarbeiter im größeren Rahmen mit Aktien kompensiert, musste es für die deutlich höhere Bewertung von Ant Financial buchhalterisch massive Ausgaben ausweisen. Ohne diesen Einmaleffekt, der nicht cash-relevant ist, wäre der Gewinn um 33 Prozent gestiegen.

Handelskrieg?
Und der Handelskrieg? Dieser scheint das Ergebnis von Alibaba nicht unmittelbar zu belasten. Joe Tsai, Mitbegründer von Alibaba und Executive Vice Chairman, wies im Analystencall darauf hin, dass Alibaba weniger von Exporten chinesischer Waren abhängig ist, sondern umgekehrt internationale Güter chinesischen Konsumenten anbietet. Und dort wo Alibaba exportiert, nämlich bei Ali Express, ist das Geschäft regional sehr breit diversifiziert. Die wichtigsten Kunden kommen aus Russland. Mehr als 50 Prozent des E-Commerce in Russland wird mit Waren aus China gemacht:

 

 
Aliexpress-Nutzer nach Ländern. Quelle: Sensor Tower.


90 Prozent des BSP-Wachstums in China resultiert aus dem Binnenkonsum und aus Investitionen. Solange der Handelskrieg sich auf diese zwei Determinanten nicht auswirkt, wird Alibaba sehr solide wachsen.

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