Ein Kontinent aus Plastik

Dieser Artikel wurde von Impax Asset Management verfasst, ein auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierter Vermögensverwalter.

Der britische Naturforscher und Tierfilmer David Attenborough zeigt im zweiten Teil seiner BBC-Dokumentarserie „Blue Planet 2“ nicht nur atemberaubende Aufnahmen von der Unterwasserwelt. Er macht zudem deutlich, mit welchen dramatischen ökologischen Problemen dieser Lebensraum inzwischen kämpft. Das sichtbarste davon ist zweifellos der Kunststoff, in dem Ozeane und Meerestiere zu ersticken drohen und der außerdem in unsere Nahrungskette gelangt.

Die Regierungen weltweit haben den Ernst der Lage verstanden …

Im Dezember 2017 haben alle 193 Länder der Vereinten Nationen eine Resolution zur Säuberung der Meere von Plastikmüll unterzeichnet. Auch wenn einige Beobachter enttäuscht sind, dass konkrete Ziele in der Resolution fehlen, besteht doch Hoffnung, dass sie Impulse für künftiges Handeln gibt.

Bislang hat China die Abfälle anderer Länder importiert, um sie zu entsorgen oder zu recyceln. Jedoch gelten dort seit Anfang dieses Jahres Vorschriften, die den Import von Abfällen einschränken und die Einfuhr von Plastikmüll gänzlich verbieten. Dies stellt Unternehmen, die ihre Plastikabfälle bisher nach China weitergereicht haben, vor große Herausforderungen, eröffnet jedoch gleichzeitig neue Geschäftschancen für lokale Recyclingunternehmen. Die geänderte Gesetzgebung trifft die USA besonders hart, denn von dort wurden zuletzt täglich fast 4.000 Container mit Wertstoffen nach China verschifft. Offenbar stapeln sich in den USA schon jetzt landesweit hohe Müllberge1.

Auch die britische Regierung sorgt sich um den hohen Plastikverbrauch, da das Land die EU-Vorgabe, bis 2020 mindestens 50 Prozent der Haushaltsabfälle dem Recycling zuzuführen, voraussichtlich verfehlen wird2.

… und erste Maßnahmen ergriffen

Bereits 2016 hat Kalifornien als erster US-Bundesstaat ein Verbot von Plastiktüten verhängt, während mehrere Gemeinden in anderen Bundesstaaten, darunter Austin (Texas), Cambridge (Massachusetts) und Seattle (Washington), eine Gebühr von fünf bis zehn Cent pro Plastiktüte erheben. Auch in New York City war ein Verbot von Plastiktüten im Gespräch, konnte letztlich aber nicht durchgesetzt werden. Allerdings sind im Bundesstaat New York große Einzelhändler gesetzlich verpflichtet, alle Arten von ausgegebenen Plastiktüten (auch Einwegtüten) wieder zurückzunehmen und dem Recycling zuzuführen.3

Derweil hat Großbritannien 2015 eine Zwangsabgabe von fünf Pence auf Einwegplastiktüten eingeführt, wodurch deren Verwendung um 80 % zurückgegangen ist4. Die Öffentlichkeit ist also offenbar bereit, ihre Gewohnheiten zu ändern. Zudem gab die britische Regierung das Ziel bekannt, bis 2042 keine vermeidbaren Kunststoffabfälle mehr zu produzieren. Großbritannien erwägt ferner eine Abgabe auf Einweg-Plastikbecher in Höhe von 25 Pence, die von weiteren Maßnahmen flankiert werden könnte. Derweil hat Frankreich ein Gesetz verabschiedet, das Plastikgeschirr ab 2020 gänzlich verbietet.

Auch das Thema „Mikroplastik“ rückt zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die typischerweise höchstens ein Millimeter großen Pellets werden in zahlreichen Kosmetik- und Reinigungsprodukten eingesetzt. Viele Länder und US-Bundesstaaten überlegen derzeit, den Einsatz solcher Kunststoffpartikel entweder streng zu regulieren oder gänzlich zu verbieten.

Chancen für Investoren

Beim Umgang mit Kunststoffen ist dringend ein Umdenken erforderlich, was neue Investmentgelegenheiten schaffen wird, zum Beispiel in folgenden Bereichen:

  • Recyclingdienste – Nach Schottland will nun auch England ein Flaschenpfandsystem einführen, das das Recyceln von Plastikgetränkeflaschen erleichtert. Davon profitieren Unternehmen, die Sammeldienste oder andere Lösungen (z. B. Rücknahmeautomaten) anbieten.
  • Recyclingprozesse – Eines der Unternehmen, in die wir investieren, ist in Frankreich Pionier bei der Wiederverwertung von Kunststoffflaschen. Es hat Anlagen entwickelt, die Polyethylenterephthalat (PET) in Lebensmittelverpackungen umwandeln. Wir sind überzeugt, dass weitere Innovationen folgen werden. Zum Beispiel hat transparenter Kunststoff mehr Wert als farbiger Kunststoff.
  • Innovationen im Verpackungswesen – Biologisch abbaubare oder faserbasierte erneuerbare Verpackungen, die Plastik ersetzen, sowie mehrfach verwendbare Lebensmittelverpackungen sind auf dem Vormarsch. Die entsprechenden Unternehmen sind bereits heute stark in den Portfolios von Impax vertreten.

Da der Übergang zu einer abfallärmeren Wirtschaft Fahrt aufnimmt, ist es kaum verwunderlich, dass Plastik – einer der sichtbarsten und langlebigsten Schadstoffe – zunehmend in die Schlagzeilen gerät. Impax investiert seit fast zwei Jahrzehnten in die Chancen, die sich aus diesem Übergang ergeben.

1 Mountains of US recycling pile up as China restricts imports - pri.org 
2 Statistics on waste managed by local authorities in England in 2016/17 - gov.uk 
Carryout Bag Fee - nyc.gov 
4 Single-use plastic carrier bags charge: data in England for 2016 to 2017 - gov.uk