Ein Schlag ins Gesicht für Facebook - Datenaffäre zieht am Aktienkurs

Nachdem Facebook eingeräumt hatte, dass das Datenanalyseunternehmen Cambridge Analytica mithilfe einiger Forscher die firmeneigenen Auflagen verletzt hätten, stürzten die Aktienkurse des Unternehmens, zu dem auch Instagram und Whatsapp gehören, um 7 Prozent. Der Börsenwert von Facebook verringerte sich damit um 35 Milliarden Dollar. Zugleich sorgte die Datenaffäre bei Facebook dafür, dass auch die Aktien der anderen Tech-Firmen in den Sinkflug gerieten.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass die "systembedingten Probleme", bei denen stets nur mangelhafte Kontrolle über die Speicherung von Daten bestehe, auch dazu führen werden, dass andere Tech-Firmen weiter unter politischen und öffentlichen Druck geraten, der ihnen nachhaltig Probleme bereiten wird. In den USA verlangt man öffentlich von den Zuständigen von Googles Alphabet und Twitter, die ebenfalls enorme und steigende Mengen an Nutzerdaten sammeln, Rechenschaft abzulegen.
 

Psychotest-App soll Daten für Trumps Wahlkampf gesammelt haben

Sowohl "New York Times" als auch der Londoner "Observer" hatten berichtet, Cambridge Analytica habe auf die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern zugreifen können, um damit den US-Wahlkampf von Donald Trump unterstützen zu können. Cambridge Analytica hatte dies dementiert.Facebook teile mit, es lägen Informationen vor, ein russisch-amerikanischer Wissenschaftler der Universität Cambridge habe 2015 mit Hilfe von Psychologietest-Software erhobene Daten an Cambridge Analytica weitergegeben. Schon 2015 habe man die Löschung der Daten gefordert, was aber nach neuen Ergebnissen nicht vollständig geschehen sei.

Der Wissenschaftler hatte eine App programmiert, die Facebook-Nutzern eine Auswertung ihrer Daten auf Basis ihrer bei Facebook hinterlegten Daten anbot. Beim Download der App hatten 270.000 Nutzer dabei zugestimmt, dass ihre Daten weiterverwendet werden dürften. Dann sammelte die App aber auch Daten von Facebook-Freunden. Facebook hatte daraufhin angekündigt, Cambridge Analytica von Privatermittlern überprüfen zu wollen. Die Firma habe zugestimmt, diesen den Zugang zu allen Systemen und Servern zu ermöglichen. Den britischen Datenschutzbehörden gegenüber hatte sich das Cambridge Analytica aber "unkooperativ" gezeigt, was diese dazu veranlasste, einen gerichtlichen Durchsuchungsbeschluss erwirken zu wollen, damit den Behörden zu Ermittlungszwecken Zugang zum Server des Unternehmens möglich ist. Sie wollen prüfen, ob die Daten, die von Facebook abgegriffen wurden, illegal beschafft und verwendet wurden. Der Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix hatte noch im Februar mitgeteilt, seine Firma nutze Facebook nur zu eigenen Werbezwecken.
 

Folgen für Facebook?

Ob Facebook durch die Affäre dauerhaft Schaden nimmt, ist derzeit nicht abzusehen. Es wird nicht davon ausgegangen, dass Nutzer millionenfach Ihre Accounts löschen. Strafverfahren sind langwierig und enden zumeist in Strafzahlungen, die keine ernst zu nehmenden finanziellen Einbußen für Unternehmen dieser Größe bedeuten. Im Moment zeichnen sich aber für Facebook interne Veränderungen ab, die richtungsweisend dafür sein könnten, wie das Unternehmen in der Zukunft auf die insgesamt nicht neuen und wiederholten Vorwürfe bezüglich der Datensicherheit reagieren wird.

Der Sicherheitschef von Facebook, Alex Stamos, hatte schon im November 2016 genau untersuchen wollen, in wieweit es russischen Hackern möglich sei, gezielte Propaganda auf Facebook zu betreiben, um möglicherweise den US-Wahlkampf zu beeinflussen. Als Stamos sicher war, dafür entsprechende Beweise gefunden zu haben, stieß er auf internen Widerstand bei Facebook-Verantwortlichen, seine Ergebnisse auch in der gewonnenen Form öffentlich bekannt zu machen. Spätestens im August wird Stamos Facebook nun wie angekündigt verlassen.