Ein Stromnetz für die ganze Welt - made in China

In der Bundesregierung löste sie aber hektische Betriebsamkeit aus: Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) erklärte im "Handelsblatt", dass 50Hertz zu den kritischen Infrastrukturen zähle. Laut Gesetz sind diese von hoher Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens im Land. Mit der Übernahme durch den Stromnetzbetreiber SGCC hätte ein von Peking kontrollierter Konzern Einfluss auf Tausende Kilometer des Höchstspannungs-Stromnetzes (220kV und 380kV) bekommen, über das nach Unternehmensangaben in Hamburg, Berlin und Ostdeutschland mehr als 18 Millionen Menschen versorgt werden. Anstelle von SGCC übernahm aber Ende März der belgische Betreiber Elia als Mehrheitseigner weitere Anteile an 50Hertz. Das Wirtschaftsministerium wollte eine mögliche Einflussnahme auf Anfrage der Deutschen Nachrichten-Agentur nicht kommentieren.

 

Wohlstand und Weltfrieden

Für die State Grid Corporation of China (SGCC) dürfte dieser Rückschlag auf dem Weg zum Weltstromnetz eine Petitesse sein. In Peking denkt man in größeren Dimensionen und macht kein Geheimnis daraus: Im September 2015 hatte Chinas Präsident Xi Jinpeng vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen für ein weltumspannendes Energienetz geworben. Es gehe um ein internationales Gemeinschaftsprojekt in Gemeinschaftsbesitz, das der Verteilung von erneuerbaren Energien dienen werde und dabei helfe, Wohlstand zu generieren und den Weltfrieden zu sichern ("Welt" vom 11. Dezember 2015).

 

Drei-Stufen-Plan

SGCC-Chef Zhenya Liu konkretisierte, was China mit der Global Energy Interconnection Initiative plant. Die Strategie besteht aus drei Stufen: Zunächst soll die regionale Vernetzung der erneuerbaren Energien bis 2020 vorangetrieben werden. Bis 2030 soll dann eine große Basis erneuerbarer Energiequellen geschaffen sein. In den 20 Jahren bis 2050 erfolge eine interkontinentale Vernetzung.

 

Windparks am Nordpol, Solarparks am Äquator

Der verlustarme Transport von Strom über weite Distanzen galt bislang als Hürde für solche Pläne. Dabei hat China längst die Vorherrschaft über die notwendige Technik übernommen. Mit der Ultrahochspannungstechnik (UHV) werden 800000 Volt über Gleichstromkabel oder bis zu 1,1 Millionen Volt über Wechselstromsysteme geleitet. In einem Spiegel-Online-Beitrag hieß es am 7. Juni 2018: "Während deutsche Konzerne an solchen Lösungen arbeiten, sind UHV-Leitungen in China bereits seit Jahren im Einsatz – und das im großen Stil." Gigantische Windparks am Nordpol, verbunden mit Solarparks rund um den Äquator, so sieht SGCC-Chef Liu die weltweite Energiezukunft – unter Chinas Führung.

 

Was verbirgt sich hinter SGCC?

Das 2002 gegründete Staatsunternehmen State Grid zählt zu den 500 umsatzstärksten der Welt und liegt in der "Fortune-500"-Liste des US-Wirtschaftsmagazins 2016 und 2017 auf Platz zwei. Der Umsatz für 2016 wurde mit 315 Milliarden US-Dollar angegeben.