Konzernumbau der Volkswagen AG - das Ende der Ära Müller?

Die krisengebeutelte Volkswagen AG steht vor einem erneuten Chefwechsel, denn Herbert Diess soll den aktuellen Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller beerben und die Leitung des größten Automobilkonzerns übernehmen.

Nachdem die Dieselkrise bei Volkswagen entflammt war, musste der damalige Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns, Martin Winterkorn, das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger war Matthias Müller, der nun ebenfalls seinen Posten räumen soll. Mit Herbert Diess, dem Markenchef der Pkw-Marke Volkswagen, wurde bereits ein potenzieller Nachfolger gefunden. Bisher hat der Konzern noch keine belastbaren Aussagen gemacht und spricht lediglich von einer Weiterentwicklung der Führungsstruktur.

Herbert Diess soll die Konzernführung übernehmen

Die krisengebeutelte Volkswagen AG steht vor einem erneuten Chefwechsel, denn Herbert Diess soll den aktuellen Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller beerben und die Leitung des größten Automobilkonzerns übernehmen. Müller war seit dem Bekanntwerden der Dieselkrise in der Funktion des Vorstandsvorsitzenden und leitete für dreieinhalb Jahre die Geschicke des Automobilherstellers.

Diess, der zuvor bei BMW arbeitete, kam 2015 und sollte das Reform- und Sparprogramm „Zukunftspakt“ bei der Kernmarke Volkswagen Pkw durchführen. Dabei bekam Diess den Gegenwind durch den Betriebsrat zu spüren und musste lernen, welchen Einfluss dieser beim Wolfsburger Fahrzeughersteller besitzt. Ein offizielles Statement hat der Konzern bisher nicht kommuniziert. Allerdings hat das Unternehmen die Spekulation um den Führungswechsel befeuert, als eine ad hoc Mitteilung für den Finanzmarkt verfasst wurde, in welcher eine potenzielle Neubesetzung in der Führungsriege mitgeteilt wurde. Wortwörtlich gehe es um „eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur“. Im Rahmen dieser Weiterentwicklungen werde es auch veränderte Verantwortlichkeiten sowie eine Veränderung beim Vorstandsvorsitzenden geben. Müller gab bereits bekannt, dass eine grundlegende Veränderungsbereitschaft bestehe und er aktiv mitwirken möchte. Über die finale Lösung wird der Aufsichtsrat am Freitag beraten, sodass erst im Anschluss mit einer Entscheidung zu rechnen ist.

Kein Indiz auf einen Führungswechsel

Die aktuelle Entwicklung kommt für viele überraschend, denn Müllers Vertrag läuft noch bis 2020. Seitdem Martin Winterkorn im Zuge des Dieselskandals den Posten als Vorstandsvorsitzender räumen musste, lenkt Müller die Geschicke des Konzerns, der 12 Marken umfasst. Die Aufgabe Müllers war vor allem die Aufklärung des Dieselskandals, der Volkswagen bereits mehr als 25 Milliarden Euro kostete.

Bereits der Amtsantritt Müllers ließ die Vermutung aufkommen, dass der Wechsel von Porsche zu Volkswagen nur schweren Herzens stattfand. Nachdem der Wechsel vollzogen war, begann Müller den Umbau des Konzerns. Vor allem die starken Hierarchien, die unter Piëchs Ära entstanden, sollten hierdurch abgebaut werden. Insbesondere die Etablierung einer neuen und offenen Kultur soll das langfristige Ziel dieses Unternehmensumbaus sein. Im ersten Schritt erhielten die einzelnen Regionen mehr Mitspracherecht bei der Modellpolitik. Auch die Marken wurden eigenständiger. Mit der Route 2025 hat Müller zudem den strategischen Fahrplan für die nächsten Jahre festgelegt und den Fokus des Konzerns auf die Elektromobilität gelenkt. Bis zum Ende des Programms sollen rund 25 % aller verkauften Konzernfahrzeuge als reines E-Fahrzeug oder Hybrid-Fahrzeug angeboten werden.

Kulturwandel findet kaum statt

Werden die Fortschritte des Kulturwandels bei Volkswagen objektiv analysiert, so kommt dieser nur schleppend voran. Auch die Untersuchungen rund um den Dieselskandal decken immer wieder neue Skandale auf. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass Volkswagen fragwürdige Tierversuche an Affen durchführte. Diese Negativschlagzeilen gingen auch an Müller nicht spurlos vorbei. Doch auch die Staatsanwaltschaft ist ein ständiger Begleiter und führte regelmäßig Razzien durch.

Müller selbst geriet auch regelmäßig in die Schlagzeilen der deutschen Medien. Insbesondere das Millionengehalt des Vorstandschefs wurde kritisch diskutiert, da es im vergangenen Jahr rund 40 Prozent höher als im Vorjahr lag. Die Zahlung soll sich auf rund 10 Millionen Euro belaufen. Insbesondere die wichtige Rolle Volkswagens für die deutsche Wirtschaft und das Risiko sowie die hohe Belastung sollten jedoch bei der Höhe des Gehalts berücksichtigt werden.

Neben den personellen Veränderungen soll die Aufsichtsratssitzung auch Klarheit über die internen Strukturen schaffen, denn der weltweit größte Automobilproduzent kämpft mit der aktuellen Komplexität. Marken und Regionen sollen mehr Verantwortung übernehmen, sodass die Entwicklung von E-Fahrzeugen zügig vorangehen kann. Bereits heute werden Milliarden in die Forschung der entsprechenden Technologien investiert.