Einzelhandel: Nur jeder zweite Euro wird bar bezahlt

In Schweden gibt es Pläne, das Bargeld bis 2023 abzuschaffen. Wäre dies auch in Deutschland denkbar? Kaum. Wie die Studie "Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2018" des EHI Retail Institute zeigt, zahlten die Deutschen letztes Jahr 77,2 Prozent ihrer Einkäufe im stationären Einzelhandel bar. Gegenüber 2016 bedeutet dies zwar eine Abnahme von 0,7 Prozent. Doch vor allem bei Beträgen unter 30 Euro sind Scheine und Münzen weiterhin das Zahlungsmittel der Wahl. Dementsprechend stammte 2017 trotz eines Rückgangs um 1,3 Prozent noch die Hälfte des Einzelhandelsumsatzes (genau 50 Prozent) aus Barzahlungen.


Girocard legt zu, Kreditkarten stagnieren

Mit einem Umsatzanteil von 26,3 Prozent (Vorjahr: 24,6 Prozent) lag die Girocard an zweiter Stelle hinter dem Bargeld. Im vergangenen Jahr kam die vormalige EC-Karte nach Angaben der Deutschen Kreditwirtschaft erstmals bei mehr als 3 Milliarden Transaktionen zum Einsatz. Kreditkarten fristen hingegen in Deutschland nach wie vor ein Mauerblümchendasein. Nur 6,5 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel wurden 2017 über MasterCard, Visa und Konsorten generiert, magere 0,4 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Die Autoren der EHI-Studie führen das geringe Wachstum vor allem auf die gestiegenen Händlergebühren zurück, die die Kartenakzeptanz beeinträchtigten. Zahlungen per Lastschrift gingen gemessen am Einzelhandelsumsatz um 0,8 Prozent auf 12,6 Prozent zurück, während Rechnungs- und Finanzkäufe bei 2,5 Prozent verharrten.


Unter 30 Euro bleibt Bargeld dominant

Letztes Jahr investierten viele Einzelhändler in neue Bezahlterminals für die "Girocard kontaktlos". Während im Vorjahr erst 7 Prozent der Händler für kontaktloses Zahlen ausgerüstet waren, waren es 2017 bereits 56,3 Prozent. Dieses Jahr plant indes nur ein Drittel der für die EHI-Studie befragten Unternehmen, in die Payment-Infrastruktur zu investieren. Die meisten Händler wollen die Entwicklung in den Bereichen mobile Bezahlsysteme und Instant Payment abwarten. Sie gehen zudem davon aus, dass das Bargeld bei Einkäufen unter 30 Euro in den nächsten fünf Jahren weiterhin dominieren wird.

Übrigens: Auch in Schweden scheint das letzte Wort zum Bargeld noch nicht gesprochen zu sein. So zeigte eine im Februar durchgeführte Umfrage des nationalen Geldautomaten-Betreibers, dass sieben von zehn Schweden am physischen Geld festhalten wollen. Und die schwedische Regierung hat eine Kommission eingesetzt, die klären soll, ob die Bargeldabschaffung zu schnell verläuft.