Elektrofahrzeuge starten durch

Die Fortschritte in der Batterietechnologie beleben nicht nur den Markt für Elektroautos und autonome Fahrzeuge, sie könnten auch eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der globalen Energieeffizienz spielen. Frank Goguen und Barry Mills von The Boston Company1,2 haben die jüngsten Entwicklungen in einem sich verändernden Markt analysiert.

Jahrzehntelang stellten begrenzte Batterietechnologien ein Hindernis für die Entwicklung effizienter Elektrofahrzeuge (EVs) dar, die über eine ausreichende Reichweite und Leistung verfügen sowie erschwinglich genug sind, um auf den Massenmärkten Fuß fassen zu können. Elektrofahrzeuge mit niedriger Geschwindigkeit und geringer Reichweite gibt es schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts, Hochleistungselektrofahrzeuge schienen jedoch bis vor kurzem eine Utopie zu sein.

Mittlerweile haben die technologischen Fortschritte die „Lebensdauer“ von Akkus und damit die Reichweite der von ihnen angetriebenen EVs erheblich verbessert und neue Möglichkeiten für ihren breiteren Einsatz in energieeffizienteren Stromübertragungsnetzen und anderen Anwendungen eröffnet. Diese Fortschritte haben auch zur Expansion der Zulieferer beigetragen, etwa in der wachsenden Lieferkette der Rohstoffe – z.B. Lithium und Kobalt – oder in Bereichen wie der Chemietechnik und der Elektrotechnik, die die Batterieherstellung unterstützen.

Prognosen des Marktforschungsinstituts Future Market Insights deuten darauf hin, dass der globale EV-Batteriemarkt in den Jahren 2017–2025 mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 8,5 % wachsen könnte. Der erwartete Umsatzwert des Marktes könnte ausgehend von rund 15.900 Mio. USD im Jahr 20173  bis Ende 2027 ebenfalls knapp 36.200 Mio. USD erreichen. Daraus ergeben sich zahlreiche Investmentchancen.

Zu den weltweit führenden Märkten für die Entwicklung und Verwendung von Batterien gehören Nordamerika, China, Korea und Japan. Da viele Staaten die Bekämpfung der Luftverschmutzung und die CO2-Reduzierung auf ihre Agenda gesetzt haben, dürften die Sektoren Elektrofahrzeuge und Batterien gut positioniert sein, um diesen Wandel für sich nutzen zu können. Die aktuellen Prognosen von Bloomberg New Energy Finance gehen davon aus, dass der Absatz von Elektrofahrzeugen von einem Rekordwert von weltweit 1,1 Millionen EVs im Jahr 2017 auf 11 Millionen im Jahr 2025 und auf 30 Millionen im Jahr 2030 ansteigen wird4.

Frank Goguen, Senior Research Analyst bei The Boston Company, sagt, dass der Wettlauf um Batteriepacks, die hinsichtlich der Kosten mit dem Verbrennungsmotor konkurrieren können, bereits begonnen hat. Lithium-Ionen-Batterien werden derzeit zu einem Durchschnittspreis von 209 USD pro Kilowattstunde verkauft. Einige Experten erwarten einen Wettbewerbsdurchbruch bis 2025, bis dahin sollten die Kosten deutlich sinken und mit den Kosten für herkömmliche Verbrennungsmotoren konkurrieren können5.

„Es wird viel darüber diskutiert, wie viel Batteriepacks in der Zukunft kosten werden, dabei wird oft von einem Ziel von 100 USD pro Kilowattstunde gesprochen. Bei diesem Preis wären sie wettbewerbsfähig gegenüber herkömmlichen Benzin- und Dieselmotoren. Angesichts der jüngsten technologischen Fortschritte könnte dies bis 2022/23 möglich sein“, glaubt Goguen.

„Die Batteriekosten sind in den letzten zehn Jahren bereits um etwa 15 % pro Jahr gesunken. Die Massenproduktion und Anpassungen beim Einsatz von Chemikalien und Technologien in der Batterieherstellung tragen ebenfalls dazu bei, die Energiedichte der Batterien und die Reichweite der Elektrofahrzeuge zu verbessern.“


Fallende Preise für Lithium-Ionen-Batterien*
 


Quelle: Bloomberg New Energy Finance, Umfrage unter mehr als 50 Unternehmen. 05. Dezember 2017. *Die Zahlen sind volumengewichtete Durchschnittswerte


Dennoch müssen laut Goguen die Hersteller und Entwickler noch zeitaufwändige Tests und strenge Sicherheitskontrollen durchlaufen, die den Spielraum für die zügige Einführung neuer Technologien und Bauarten auf dem Markt einschränken können.

„Mit Feststoffbatterien und anderen Technologien werden viele interessante Fortschritte erzielt, aber der wichtigste Punkt bei allen Neuentwicklungen in der Batterieherstellung ist, dass Unternehmen zwar neue, effizientere oder effektivere Technologien entdecken können, aber auch sicherstellen müssen, dass die dafür eingesetzte Chemie stabil und sicher ist.

Nur weil ein Unternehmen einen bedeutenden Durchbruch in der Batterietechnologie erzielt hat, bedeutet das nicht zwingend, dass die Technologie in den kommerziellen Betrieb gehen kann oder zwangsläufig von den Aufsichtsbehörden genehmigt wird“, fügt er hinzu.


Marktprobleme

Das Wachstum des Marktes für Elektrobatterien und die prognostizierte Nachfrage nach Elektrofahrzeugen haben einige ökologische Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit der in den Batterien verwendeten Stoffe, wie etwa Kobalt6, aufgeworfen, was mindestens einen großen Batteriehersteller 2018 dazu veranlasste, wegen bestehender Sanktionen die Beziehungen zu seinem Kobaltlieferanten auszusetzen7.

Die sichere Entsorgung einiger der in Batterien verwendeten gefährlichen Chemikalien bereitet ebenfalls Sorgen, die in Zukunft noch zunehmen könnten. Zum jetzigen Zeitpunkt scheinen die Nutzer mehr um die breiteren Aspekte der Fahrzeugemissionen und -sicherheit besorgt zu sein als um die Entsorgung oder Recyclingfähigkeit von Batterien, bemerkt Goguen, obwohl er glaubt, dass sich dies mit zunehmender Weiterentwicklung des EV-Marktes ändern könnte.

 

„Electric vehicle sales could overtake internal combustion engines within just over 20 years“

 

 
Quelle: Bloomberg New Energy Finance. 11. September 2017.


Zwar hat sich die Aufmerksamkeit auf die Anwendung der Batterietechnologie in Elektroautos konzentriert, diese Batteriepacks können aber auch in anderen Fahrzeugen, wie etwa Bussen, eingesetzt werden. Einige Experten glauben, dass der Absatz von Elektrobussen noch schneller wachsen könnte als der von Elektroautos8.

Auch batteriebetriebene Flugzeuge könnten sich in Zukunft zu einem alltäglichen Verkehrsmittel entwickeln. Eine Reihe von Flugzeugen ist bereits in der Testphase. Im Juni hob in Norwegen ein Elektroflugzeug vom Boden ab, um ein Zeichen zur Bekämpfung des Klimawandels zu setzen9.  Das Land hat erklärt, dass es bis zum Jahr 2040 sämtliche Kurzstreckenflüge mit Elektroflugzeugen durchführen wird10.

Im Juli präsentierte der US-Motorradriese Harley-Davidson sein erstes Elektro-Motorrad11. Andere Fahrzeughersteller sowie das Transportgewerbe in den USA bereiten sich bereits auf die Einführung einer neuen Generation von Elektro-Lkw im Schwerlastsegment vor – allerdings bleiben Fragen zu ihren voraussichtlichen Kosten und zur Effizienz offen.

Barry Mills, Senior Research Analyst bei The Boston Company Asset Management, zur Logistik des Einsatzes von Elektro-Lkw: „Etwa 40 % der Lkw-Routen in den USA sind Kurzstrecken, so dass Elektro-Lkw theoretisch innerhalb der Reichweite bleiben, recht effizient sein können und an einem Arbeitstag nur minimal aufgeladen werden müssen. Eine Herausforderung auf dem heutigen Markt sind jedoch die schiere Größe und die Kosten der Batterien, die für den Betrieb von Elektro-Lkw benötigt werden.“

Mills fügt hinzu, dass er trotz dieser offensichtlichen Hürden und der Tatsache, dass sich die Entwicklung in diesem Sektor für Investoren in einem frühen Stadium befindet, zuversichtlich ist, dass sich ein gesunder Markt für energieeffiziente Elektro-Lkw entwickeln kann, und verweist auf die in vielen europäischen Ländern intensivierten Bemühungen zur Begrenzung der Verschmutzung durch Dieselmotoren. Er zeigt sich auch unbeeindruckt von der Sorge, dass Elektro-Lkw die Straßen schädigen könnten, und weist darauf hin, dass bereits eine beträchtliche Anzahl SUVs die Straßen und Autobahnen in den USA belasten.

„Interessanterweise ist ein weiterer Bereich der Lieferkette, der an neuen Technologien arbeitet, die Reifenindustrie. Führende Reifenhersteller reagieren auf die Herausforderungen durch das höhere Gewicht von Elektrofahrzeugen, indem sie speziell für EVs ausgelegte Reifen entwickeln. Aufgrund des schieren Gewichts und des höheren Drehmoments von Elektrofahrzeugen verschleißen Reifen schneller, so dass es notwendig wird, die Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit der Reifen zu verbessern und ihren Rollwiderstand zu verringern. Die Reifen müssen im Laufe der Zeit verbessert werden, um diesen Markt zu unterstützen“, erklärt Mills abschließend.

Der Wert von Investments kann sinken. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass Anleger den investierten Betrag nicht in voller Höhe zurückerhalten.

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2 The Boston Company und Standish fusionierten per 31. Januar 2018 mit Mellon Capital; der Name des zusammengeschlossenen Unternehmens wurde unmittelbar darauf in BNY Mellon Asset Management North America geändert.
3 Future Market Insights. „Electric Vehicle Battery Market revenue reaching around US$ 36bn by the end of 2027“, 24. April 2018.

4 Bloomberg NEF. „Electric vehicle outlook 2018“, 21. Mai 2018.
5  Bloomberg. „The Latest Bull Case for Electric Cars: the Cheapest Batteries Ever“, ‎05. Dezember‎ ‎2017‎
6 The Guardian. „Carmakers’ electric dreams depend on supplies of rare minerals“, 29. Juli 2017.
7 Reuters. „Tesla's battery maker suspends cobalt supplier amid sanctions concern“, 19. Juli 2018 

8 Bloomberg NEF. „E-Buses to Surge Even Faster Than EVs as Conventional Vehicles Fade“, 21. Mai 2018.
9 BBC. „Will Norway's electric plane take off?“, 19. Juni 2018.
10  Weltwirtschaftsforum. „Norway aims to make all short-haul flights electric by 2040“, 19. Januar 2018.
11  Telegraph. „Harley-Davidson unveils new range of electric motorbikes and an electric bicycle“, 30. Juli 2018.