Ende der Gold-Rally ist nicht in Sicht

Der Goldpreis klettert fast stetig nach oben. In Euro hat das Edelmetall bereits ein historisches Hoch erreicht. Und es gibt gute Gründe, dass die Rally weitergeht.

Langsam gehen die Superlative aus, für das, was sich am Goldmarkt abspielt. Der Goldpreis notiert aktuell bei rund 1765 Dollar je Feinunze und damit so hoch wie seit acht Jahren nicht mehr. Schon seit längerem legt der Preis recht beständig zu. Das Rekordhoch von 1900 Dollar, erreicht im Jahr 2011, ist aber noch ein Stück entfernt. In Euro jedoch hat das Edelmetall Anfang der Woche einen neuen historischen Höchststand erreicht. 1.631 Euro mussten Anleger je Feinunze (31 Gramm) bezahlen – so viel wie noch nie.

Wie gefragt das Edelmetall ist, zeigte sich in den vergangenen Wochen und Monaten auch durch fast leergekaufte Bestände an Münzen und kleinen Goldbarren bei Edelmetallhändlern. Viele der Händler berichteten zeitweise sogar von Schwierigkeiten beim Nachschub von Goldmünzen und von Goldbarren, weil auch der Handel mit dem Edelmetall unter den Folgen der Corona-Pandemie leidet. Sowohl institutionelle als auch private Anleger scheinen sich mit dem Edelmetall einzudecken, um es in unsicheren Zeiten als Wertanlage oder zur Absicherung zu halten. „Die Goldindustrie floriert ungeachtet von COVID-19-Protokollen und ruhenden Betrieben“, kommentiert Joe Foster, Portfoliomanager bei VanEck.


Gold als sichere Geldanlage geschätzt

Auch eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Handelskette Pro Aurum verdeutlicht den Gold-Hype. Auf die Frage, welcher Geldanlage die besten Perspektiven eingeräumt werden, nannten die Befragten am häufigsten Gold. Fast ein Drittel der Befragten erwartet bei dem Edelmetall auf Dreijahressicht den kräftigsten Wertzuwachs. Bei der letztjährigen Umfrage waren Aktien noch der Spitzenreiter gewesen. Die Ansicht, dass „Gold eine gute Ergänzung zu anderen Geldanlagen“ sei, wird von immerhin 76 Prozent der Befragten vertreten. Auch die Behauptung „Gold ist eine sichere Geldanlage“ stuften laut Forsa 71 Prozent als zutreffend ein.



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„Trotz stabiler Realzinsen in den USA und eines starken US-Dollars hat die Nachfrage zugenommen, wie der Anstieg der Goldkäufe bei ETFs zeigt“, sagt Luc Luyet, Rohstoff-Analyst bei Pictet Wealth Management. So stieg der Gold-Bestand bei ETFs zuletzt auf einen neuen Rekordwert von 3185 Tonnen, berichtet der World Gold Council, der Weltverband der Gold-Branche. Im gesamten ersten Quartal erhöhten sich die Bestände um 298 Tonnen, das ist der größte Anstieg in einem Quartal seit vier Jahren.

Die Masse an Rettungs-, Hilfs- und Stützpaketen der Regierungen und Zentralbanken lässt viele Investoren offenbar am stabilen Wert des Papiergelds zweifeln. Hinzu kommt die rasante Verschuldung auf Staatsebene, die ja eine Folge der massiven Gegenmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist.


Edelmetallrally dürfte weiter gehen

Nicht wenige Finanzexperten erwarten deshalb mittel- bis langfristig eine deutlich steigende Inflation – wovor Gold ebenfalls das Vermögen schützen soll. „Gold hat sich wiederholt als wirksames Absicherungsmittel unter komplexen und schwierigen Marktbedingungen, einschließlich der globalen Finanzkrise und der aktuellen COVID-19-Pandemie, bewährt“, kommentiert Juan Carlos Artigas, Leiter Research beim World Gold Council.

Ein Ende der Edelmetallrally ist noch nicht in Sicht: „Langfristig gehen wir von einem weiter steigenden Goldpreis aus. Eine Verdoppelung gegenüber dem aktuellen Stand scheint durchaus möglich“, sagt Lars-Henning Müller, Leiter Funds & Mandats, Merck Finck Privatbankiers AG. Gold gehöre als strategischer Baustein in jedes breit aufgestellte Portfolio. „Es ist nach wie vor ein guter Zeitpunkt, um eine strategische Gold-Allokation aufzubauen, oder die nächste Preisschwäche hierfür zu nutzen“, erklärt Müller.