Envion – Investoren verlieren 100 Millionen Euro

Die Exzesse im Rahmen der virtuellen Börsengänge hält nun eine Quittung für die Investoren bereit. Der gesamte Markt spielt verrückt und die Aussicht auf schnelle Renditen von mehr als 100 Prozent sorgt nun für den Totalausfall bei den Investoren.

Das Investment in das Envion-Token sollte den Anlegern hohe Rendite bieten. Doch statt dieser Renditen verlieren die Investoren nun ihr Geld. Im Zentrum dieses Totalausfalls steht das Initial Coin Offering – eine besondere Finanzierungsart – der Envion AG. Im Rahmen des Initial Coin Offering (ICO) verkaufte das Unternehmen seine Tokens an rund 30.000 Investoren, die rund einen Dollar pro Token ausgaben. Im Rahmen dessen verkaufte das Unternehmen rund 100 Millionen Tokens an die Investoren und konnte somit einen Betrag von rund 100 Millionen US-Dollar sammeln.

Zum aktuellen Zeitpunkt bemisst sich der Wert eines Tokens auf rund sieben Cent. Nun vertritt der Berliner Rechtsanwalt István Cocron einige Investoren im Rahmen von Schadensersatzklagen. In der Anklage wird dem Unternehmen Prospektbetrug und somit die Verheimlichung und Falschangabe von Informationen vorgeworfen. Des Weiteren hat das Startup schwere Fehler begangen und Tokens an deutsche Privatinvestoren verkauft, obwohl die deutsche Aufsichtsbehörde keine Überprüfung der Angaben vorgenommen hat. Schlussendlich konnte Envion auch das gegebene Versprechen nicht einhalten. Mittlerweile hat auch die Berliner Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen.

Die angespannte Lage zwischen den Gesellschaftern verkompliziert die Lage zusätzlich. Dem Vernehmen nach überziehen sich die Gesellschafter gegenseitig mit Strafanzeigen. Vor allem die Eigentümerstruktur sorgt für Unmut bei den Gesellschaftern, denn die Gründer des Unternehmens hielten durch die Trado GmbH 81 Prozent der Envion-Anteile. Anschließend warben die Gründer Matthias Woestmann, einen ehemaligen ARD-Korrespondenten, als CEO an. Dieser erhielt anschließend die weiteren 19 Prozent an dem Unternehmen sowie sämtliche Stimmrechte. Durch die Übergabe der Stimmrechte konnte Woestmann im Rahmen einer Finanzierungsrunde einen weiteren Investoren – Thomas von Aubel – für das Unternehmen gewinnen. Diese Aktion führte zur Verwässerung der Inhaberschaft der Gründer, sodass diese im Endeffekt eine 31-prozentige Beteiligung besaßen.
 

Einreichung einer einstweiligen Verfügung gegen Woestmann

Für die Gründer stellte diese Verwässerung eine unerlaubte und schädigende Handlung dar, sodass eine einstweilige Verfügung gegen Woestmann eingereicht wurde. Aus der einstweiligen Verfügung geht hervor, dass Woestmann den Gründern durch die Kapitalerhöhung einen vorsätzlichen Schaden zugefügt habe. Somit haben Woestmann und van Aubel nicht die Möglichkeit das Unternehmen zu veräußern.

Neben diesen Anschuldigungen wirft Woestmann den Gründern jedoch vor, einen Großteil der ICO-Einnahmen illegal abgeführt zu haben. Aus diesem Grund hat der CEO des Unternehmens eine Strafanzeige gestellt. Die Gründer dementieren diese Darstellung des Sachverhaltes und wehren sich gegen diese negative Darstellung.

Im Rahmen der aktuellen Streitigkeiten wird das Geschäft des Startups stark vernachlässigt. Die Grundidee des Startups sah eine Lösung des akuten Stromproblems der Kryptobranche vor. Insbesondere das Mining von digitalen Währungen geht mit einem hohen Stromverbrauch einher. Aus diesem Grund wollte Envion das Mining in Container verlegen, welche direkt mit Kraftwerken verbunden werden. Somit sollte insbesondere der billige Strom, welcher nicht durch die Verbraucher genutzt werde, für das Mining herangezogen werden. Als direktes Resultat sollten die Stromkosten massiv gesenkt werden. Anschließend können Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum durch das Hashen von Blöcken gewonnen werden. Die Kosten für das Mining würden somit gesenkt und die realisierbaren Renditen maximiert werden.

Aus den Meldungen des Handelsblatts geht nun hervor, dass die angekündigten Kooperationen mit zahlreichen Stromkonzernen nun geplatzt seien. Mit dem italienischen Stromkonzern Enel hatte das Unternehmen bereits einen aussichtsreichen Kooperationspartner in Aussicht. Zudem stellte das Handelsblatt klar, dass das Unternehmen weiterhin keinen eigenen Umsatz erwirtschafte. Laut den Aussagen des Unternehmens sollte sich dieser im Juli auf 13,4 Millionen US-Dollar belaufen. Sollten die aktuellen Probleme nicht behoben werden, so könnte Investoren auch ein Totalausfall drohen.