Erfolgreicher Pionier in Sachen Nachhaltigkeit

Vor 30 Jahren sprach kaum jemand über Umweltschutz, geschweige denn den Klimawandel. Dennoch erfolgte 1990 der Startschuss für einen außergewöhnlichen Nachhaltigkeitsfonds, der mittlerweile nicht nur einer der bekanntesten, sondern auch volumenschwersten hierzulande ist.

Es ist das Jahr, als Deutschland dank des Elfmeters von Andi Brehme im WM-Finale in Rom gegen Argentinien die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnt. Richard von Weizsäcker ist Bundespräsident, und Helmut Kohl wird im Jahr der Wiedervereinigung bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl als Bundeskanzler bestätigt. Und der Gesetzgeber führt den Grünen Punkt als Kennzeichen für recyclebare Verpackungen in Deutschland ein.

Doch 1990 ist auch das Jahr, in dem ein Aktienfonds an den deutschen Markt geht, der ein Stück Investmentgeschichte schreiben sollte: der Amundi Funds Global Ecology ESG, mit einem Fondsvolumen von über 1,2 Mrd. Euro einer der größten und auch bekanntesten Nachhaltigkeitsfonds im deutschsprachigen Raum.

Der Fonds hat zwar in den 30 Jahren seinen Namen verändert, aber nie das Anlageziel: verantwortungsvoll in Aktien nachhaltig agierender Unternehmen zu investieren und dabei für die Anleger attraktive Renditen zu erzielen. „Unser Fokus liegt auf Unternehmen, die umweltfreundliche Produkte oder Technologien entwickeln, einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten und hohe Standards in der Unternehmensführung erfüllen“, erklärt Christian Zimmermann, der den Fonds seit 18 Jahren als Fondsmanager verantwortet.


Zentrale, nachhaltige Zukunftsthemen im Fokus

Auch diese Beständigkeit im Fondsmanagement ist in der Finanzbranche eher untypisch. Aber es passt zum Fonds und der Anlagephilosophie, bei der nicht kurzfristige Erfolge und möglichst gute Quartalsbilanzen der Portfolio-Titel im Blickpunkt stehen, sondern die Konzentration auf zentrale, nachhaltige Zukunftsthemen. Dazu zählt Amundi unter anderem nachhaltige Mobilität, alternative Energien/Energieeffizienz, Wasserversorgung und -technologie, Verschmutzungsprävention und gesunde Lebensweise.

Zimmermann, der 2011 Verstärkung vom Co-Manager Ian O´Reilly bekam, setzt auf Unternehmen aus zehn festgelegten Anlagebereichen. Unternehmen aus Branchen wie Rüstung, Atomenergie, Tabak, Glücksspiel und Kinderarbeit werden bereits vorab aus dem reinen Aktienportfolio aussortiert.


Christian Zimmermann

Zunächst als lahme Nischenprodukte verunglimpft 

So erfolgreich und akzeptiert der Fondsklassiker mittlerweile ist, in den Anfangsjahren hatten die Verantwortlichen mit Vorurteilen zu kämpfen. Denn Ökofonds und nachhaltige Investments generell wurden lange als lahme und unattraktive Nischenprodukte verunglimpft. Doch mit Waldsterben und vor allem Tschernobyl wuchs langsam das Interesse in der Bevölkerung an Umweltthemen, und die Pionierarbeit, die der Fonds übernommen hatte, zahlte sich langsam, aber sicher aus. Bereits drei Jahre nach dem Start überschritt das Fondsvolumen die magische 100 Millionen-Grenze, in DM wohlgemerkt.

„Als ich 2003 das Fondsmanagement des Amundi Funds Global Ecology ESG übernommen habe, war das, was wir heute unter dem Begriff Nachhaltigkeit oder dem Kürzel ESG für Environment, Social, Governance – zu Deutsch: Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung – verstehen, ein absolutes Nischenthema“, erinnert sich Zimmermann. Klarer Schwerpunkt sei zudem das „E“, also Umweltthemen, gewesen.


Themen, die die öffentliche Diskussion prägen

„Doch die Globalisierung und die kommunikative Vernetzung durch das Internet haben dafür gesorgt, dass in der Bevölkerung und bei den politischen Entscheidungsträgern das Thema Nachhaltigkeit heutzutage in einem breiteren Kontext betrachtet wird. Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit, faire Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter, Bekämpfung der Armut – das sind die Themen, die die öffentliche Diskussion mehr und mehr prägen“, sagt der erfahrene Fondsmanager und fügt hinzu: „Wir haben es also mit einem grundlegenden Wandel zu tun, nicht mit einem kurzfristigen Trend.“

Mit seiner Übernahme vor 18 Jahren brachte der ausgewiesene Nachhaltigkeits-Experte den Fonds, der damals noch Activest EcoTech hieß, auf ein neues Level, indem er das Portfolio neu aufstellte. Außerdem holte er wenig später mit oekom research (heute ISS ESG) einen strategischen Nachhaltigkeitspartner für die Aktienselektion mit an Bord, die heute noch ein enger Partner bei der Analyse des nachhaltigen Investmentuniversums sind.


Schock durch Fukushima

Aber auch ansonsten durchlief der Fonds einem stetigen Wandel. So reagierte Zimmermann etwa schnell auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 und schließt seitdem Unternehmen aus, die mehr als 5% ihrer Umsätze aus Kernkraft erzielen. 2018 erfolgte mit dem Ausschluss von Unternehmen, die in den Bereichen Kohle, Chlorkohlenwasserstoff, Pestizide tätig sind, der nächste Meilenstein in puncto Nachhaltigkeit. Und die stetige Weiterentwicklung fand erst jüngst ihre Fortsetzung: Seit April 2020 werden alle Unternehmen aus dem Bereich fossile Brennstoffe ausgeschlossen, neben Kohle nun also auch Öl und Gas.

Aus Branchensicht ist der Fonds breit gestreut. Industrie, Healthcare und IT gehören aktuell zu den bevorzugten Sektoren. Die aktuellen Top-Picks sind bekanntere Blue Chips wie Procter & Gamble, Microsoft und Cisco, dazu gehören aber auch Orsted, ein dänisches Offshore-Windunternehmen, der US-amerikanische Verpackungsspezialist Ball oder der US-Mischkonzern Danaher.


Mit dem Unternehmen im Dialog

„Wir müssen heute mehr denn je unsere Erfahrung einbringen, um sozusagen die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn nicht alles, was „grün“ daherkommt, ist auch wirklich nachhaltig, ökologisch und fair“, berichtet Zimmermann. Ein wichtiges Instrument ist der intensive Dialog mit den Unternehmenslenkern. Außerdem nutzt das Fondsmanagement die Stimmrechte auf Aktionärsversammlungen, um hier im Sinne der Anleger zu steuern.

30 Jahre nach dem Start kann sich die Bilanz des Fondsklassikers sehen lassen: Wer vor 30 Jahren 10.000 Euro investiert hat, kann sich Ende März 2020 – trotz diverser Marktverwerfungen durch Dotcom-Blase, Finanzkrise oder aktuell Covid-19 – über knapp 52.000 Euro oder 5,6% Rendite p.a. freuen.