Venezuelas erste staatliche Kryptowährung - Was hat es eigentlich mit dem Petro auf sich?

Die erste staatliche Kryptowährung hat mit dem sogenannten "Petro" im Februar 2018 der Staat Venezuela aufgelegt. Der ICO zum Petro (Initial Coin Offering, vergleichbar mit dem IPO einer Aktie) startete am 20. Februar und brachte schon am ersten Tag nach einem Statement von Venezuelas Präsident Maduro 735 Millionen

Die erste staatliche Kryptowährung hat mit dem sogenannten "Petro" im Februar 2018 der Staat Venezuela aufgelegt. Der ICO zum Petro (Initial Coin Offering, vergleichbar mit dem IPO einer Aktie) startete am 20. Februar und brachte schon am ersten Tag nach einem Statement von Venezuelas Präsident Maduro 735 Millionen Dollar ein. Damit gilt der Start als geglückt, gleichzeitig bedeutet er eine Zäsur beim Kryptogeld. Dieses sollte ja gerade dezentral und unabhängig von Staaten und ihren Zentralbanken funktionieren. Doch Staaten springen auf den Zug der erfolgreichen virtuellen Währungen auf, Russland könnte bald folgen. Von dort sind gleichlautende Pläne zu vernehmen.


Starke Töne aus Venezuela

Der im eigenen Land und international heftig umstrittene venezolanische Staatspräsident Maduro fand nach dem ICO starke Worte. Er bezeichnete den Petro als Währung, die es "mit Superman aufnehmen" könne, was eine Anspielung auf die bekannte US-amerikanische Comic-Figur war. Von den USA und ihrem Dollar will sich der quasi-sozialistische Präsident mit seinem Petro dringend emanzipieren. Gleichzeitig präsentiert er sich als innovativ. Man habe einen wichtigen Schritt ins 21. Jahrhundert gehen können, so Maduro, und gehöre nun zu den technologischen Pionieren. Zuvor war ein White Paper veröffentlicht worden, das internationale Experten gründlicher unter die Lupe nahmen. Die Idee zum Petro stammt keinesfalls von Maduro, auch wenn er sie sich nun öffentlichkeitswirksam auf die Fahnen schreibt. Vielmehr hatte schon der 2013 verstorbene Präsident Hugo Chavez entsprechende Pläne für sein inflationsgeplagtes Land entwickeln lassen.

Grundsätzlich und fundamental ist der Gedanke auch gar nicht schlecht, denn der Petro (Kürzel: PTR) ist an Rohstoffe gebunden, vor allem an Erdöl, was ihm seinen Namen verlieh. Davon besitzt Venezuela genug. Doch trotz seines Reichtums an natürlichen Ressourcen kommt das Land nicht aus seinen Krisen heraus. Die Cyber-Währung soll nun einen wirtschaftlichen Befreiungsschlag einläuten und die seit Jahren anhaltende, sehr tiefe Wirtschaftskrise mit der weltweit höchsten Inflation beenden helfen. Devisen hat Venezuela kaum noch, es braucht sie aber. Damit werden Lebensmittel, Medikamente und sogar Dinge des täglichen Bedarfs im Ausland gekauft.
 

Wie könnte sich die Kryptowährung Petro entwickeln?

Möglicherweise gibt es hier deutliches Wachstumspotenzial. In Venezuela, wo die Opposition schon lange teils gewalttätige Massenproteste gegen die Verelendung organisiert, sind gerade wegen der Inflation Kryptowährungen sehr beliebt. Viele Venezolaner investierten in den vergangenen Jahren in den Bitcoin, sie könnten auch den Petro kaufen. Die Landeswährung Bolivar verfällt, an andere Devisen - bevorzugt den US-Dollar - kommen die Einheimischen nur noch schwer heran. Der Petro wiederum ist besichert, nämlich pro Coin mit einem Barrel Rohöl. Beim ICO, in den Anleger noch bis zum 19.03.2018 investieren können, werden 100 Millionen Petros ausgegeben, der Emissionspreis liegt bei rund 60 Dollar. Der gesamte Börsenwert läge, wenn alle Coins verkauft werden (was nicht sicher ist), bei sechs Milliarden Dollar.

Damit hätte der PTR aus dem Stand den Sprung in die zehn Kryptowährungen mit der höchsten Marktkapitalisierung geschafft. Experten warnen allerdings vor überzogenen Erwartungen. Wenn nämlich die Käufer der Petros vorwiegend aus Venezuela stammen, wird die dortige Inflation auf das neue Zahlungsmittel übertragen. Eine Hyperinflation ist nicht einfach durch einen Währungsschnitt oder die Erfindung einer neuen Währung zu stoppen, darauf wies der Ökonom Jean Paul Leidenz (Institut EcoAnalitica, Caracas) hin. Es bedürfe hierfür struktureller Reformen, welche die venezolanische Regierung aber nicht durchführen wolle.
 



Fazit: Petro ist Kryptowährung unter Beobachtung

Der internationale Markt bewertet den Petro aktuell (9. März 2018) uneinheitlich. Die Besicherung mit einem Rohstoff ist ein großes Plus, der Staat hinter einem Krypto-Coin ist vielen Fans der virtuellen Währungen aber absolut suspekt. Die sozialistische Politik der venezolanischen Regierung, die ihre Opposition teilweise sehr gewalttätig unterdrückt, beeinflusst das Sentiment negativ. Die Schaffung einer digitalen Ökonomie durch einen Staat wiederum birgt eine eigene Faszination, der sich Anleger schwer entziehen können.