Es wartet eine Ära der steigenden Löhne auf die Deutschen

Der Aufschwung wird wahrscheinlich noch eine Weile länger andauern. Und bei den Arbeitnehmern zu steigenden Löhnen führen. Grund dafür ist nicht nur die Wirtschaftslage, sondern auch der Mangel an Arbeitskräften.

Wirtschaftsinstitute erwarten wachsende Wirtschaft

Arbeitnehmer dürfen sich freuen, denn in den nächsten Jahren fühlt sich das Konto vielleicht etwas voller. Jedenfalls nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank. Dafür sprechen mehrere Faktoren: auf der einen Seite das gute wirtschaftliche Wachstum. Führende Wirtschaftsinstitute erwarten für dieses Jahr ein Wachstum von 2,2 Prozent und 2,0 Prozent im Jahr darauf. Fehlende Streiktage und eine heftige Grippewelle im Februar hatten nur einen verminderten Einfluss auf diese Prognose.

Fachkräftemangel erhöht Löhne

Bis zum Ende 2019 sollen aufgrund des Wachstums auch bis zu eine Millionen neuer Jobs entstehen. Damit werden Fachkräfte noch knapper, als sie es jetzt schon sind. Gute Arbeitnehmer werden teuer und können sich deshalb auf steigende Löhne freuen. Die zunehmende Knappheit am Arbeitsmarkt wird sich nach der Deutschen Bundesbank merklich auf die Lohnentwicklung auswirken. Schon zuvor gab es eine deutliche Diskrepanz zwischen den registrierten Arbeitslosen und den offenen Stellen. Einstmals kamen auf 1000 Arbeitslose etwa 300 offene Stellen. Mittlerweile kommen auf dieselben Arbeitslosen 600 offene Stellen.

Zuvor waren die Löhne nur minimal gestiegen. Stundenlöhne zwischen 2014 und 2017 erhöhten sich im Schnitt nur um 2,7 Prozent. Laut der Deutschen Bundesbank lagen die Gründe dafür bei der geringen Inflation und Steigerungsrate. Ebenso hatte auch die Erweiterung der Europäischen Union ihren Anteil daran, da sie neue Arbeitskräfte ins Land brachte.

Deutscher Arbeitsmarkt auch gut für die Eurozone

Zuvor konnten kaum wachsende Löhne in Zusammenhang mit der Zuwanderung aus dem Euroraum begründet werden. Bis März 2017 sollen insgesamt 1,8 Millionen Menschen aus anderen EU-Ländern nach Deutschland gekommen seien, um zu arbeiten. Oftmals handelte es sich dabei um konjunkturschwächere Mittelmeerstaaten wie Italien und Griechenland. Deren Zuwanderer waren meist in der Landwirtschaft oder im Gastgewerbe beschäftigt. Der Lohnzuwachs könnte auch sie betreffen und so das Gesamtlohnniveau entlasten. Gleichzeitig müssen diese Staaten ihre Arbeitskosten nicht mehr senken, um mit Deutschland konkurrieren zu können.

Große Koalition hilft

Steigende Inflationsraten haben ebenfalls ihren Anteil an den wachsenden Löhnen in Deutschland. Für eine anhaltend gute Konjunktur könnte auch die Große Koalition sorgen. Die verspricht nämlich kalte Progression und Entlastungen bei den Sozialbeiträgen. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Bildung, Innovation und Digitales. Auf der anderen Seite verlangsamt sich der Rückgang der Tarifbindungen, die Gewerkschaften können sich halten und wie zuletzt bei den Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst Forderungen für höhere Löhne durchsetzen.