ESG-Kriterien: Nachhaltigkeit „Must-have“ für Private Equity

Auch die Private Equity-Landschaft kann sich dem nachhaltigen Investieren nicht entziehen. Die Gründe dafür sind vielseitig.

Nachhaltigkeitsthemen und ein immer größer werdendes soziales Verantwortungsbewusstsein sind in der Welt der Geldanlage längst angekommen. Immer mehr private und professionelle Investoren setzen auf die Einhaltung der sogenannten ESG-Faktoren („Environmental, Social & Good Governance“). Diese entsprechen den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO, zum Beispiel menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, Abbau von Ungleichheiten, Armutsbekämpfung, Frieden und Gerechtigkeit und Geschlechtergleichstellung. In Zahlen bedeutet das: Zum 30. September 2018 waren nach Informationen des Sustainable Business Institute (SBI) insgesamt 509 nachhaltige Publikumsfonds in Deutschland, Österreich und/oder der Schweiz zum Vertrieb zugelassen und mit rund 126 Milliarden Euro (Gesamtfondsvermögen) investiert. Weltweit sind rund 1,5 Billionen Euro nachhaltig angelegt.

Auch die Private Equity-Landschaft kann sich dem Megatrend „Nachhaltigkeit“ nicht entziehen. Schon 2017 kam eine weltweite Befragung der Beratungsgesellschaft PwC zu dem Ergebnis: „83 Prozent der Private Equity-Häuser haben mittlerweile eine Policy für verantwortungsvolle Investments verabschiedet. 2013 lag dieser Anteil mit 55 Prozent noch deutlich niedriger.“ 70 Prozent der befragten Private-Equity-Gesellschaften hätten sich sogar öffentlich zu einer verantwortungsvollen Investitionsstrategie verpflichtet. Der Umgang mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten habe sich für die Branche damit vom „Nice-to-have“ zum „Must-have“ entwickelt.

Auch bei der Wirtschaftskanzlei P+P Pöllath + Partners geht es argumentativ in diese Richtung. Die Gründe, weshalb bei Private Equity-Anlageentscheidungen ein immer stärker werdender Trend zur Beachtung von Nachhaltigkeitserwägungen und ethisch-moralischen Grundsätzen zu erkennen sei, seien vielseitig. Während bisher vor allem steuerliche Anreize, die Erwartung einer höheren Rendite und innere Überzeugungen der Beteiligten die Treiber gewesen seien, nähmen langsam auch regulatorische Gründe zu, beispielsweise auf der Grundlage des Aktionsplans „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ der Europäischen Kommission („Sustainable Finance“). So seien auf regulatorischer Ebene zukünftig unter anderem zusätzliche Offenlegungspflichten von Finanzmarktteilnehmern in Bezug auf ihren Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken zu erwarten.

Konkret bedeuten diese EU-Maßnahmen: Kein Finanzbereich soll von der Einführung von Nachhaltigkeitserwägungen wirklich ausgenommen bleiben. Darüber hinaus empfiehlt die High-Level Expert Group on Sustainable Finance (HLEG) der EU-Kommission, bis 2020 eine Systematik für die Beurteilung von nachhaltigen Vermögenswerten zu schaffen.

Ein sehr aktiver, nachhaltiger Private Equity-Investor Ambienta mit Sitz in Mailand, Düsseldorf und London. Nach eigenen Angaben ist Ambienta das größte nachhaltige Investmentunternehmen Europas. Die Firma konzentriert sich auf industrielles Wachstum und investiert in Unternehmen, die von Nachhaltigkeits-Trends geführt sind. Ambienta hat bisher 28 Investitionen in den Bereichen Ressourceneffizienz und Umweltschutz europaweit durchgeführt und betreut Investmentfonds auf Werte von mehr als einer Milliarde Euro.

Ambienta stellt umweltfreundliche Produkte, Dienstleistungen und Produktionsprozesse als einen wesentlichen Faktor für eine gesunde Umwelt und Gesellschaft in einer Zeit heraus, in der natürliche Ressourcen mehr und mehr zurückgingen und der CO2-Ausstoß gleichzeitig steige. Daher wolle das Unternehmen in Trends und Technologien investieren, die durch ihre Umweltfreundlichkeit die Lebensqualität förderten, und europäische Unternehmen dabei begleiten, sich zu nachhaltigen „Industrie-Champions“ zu entwickeln.

Interessant ist ein Ergebnis der PwC-Studie zur Nachhaltigkeit in der Private Equity-Branche: Der Haupttreiber für nachhaltiges Investieren sei nicht so sehr der Druck der Investoren, sondern das Risikomanagement. Das sagen 44 Prozent der Befragten (2013: 36 Prozent). „Denn die Liste der Risiken, mit denen die Branche sich und ihre Portfolio-Gesellschaften konfrontiert sieht, ist lang: An der Spitze der Gefahren steht das Thema Cyber-Angriffe, dicht gefolgt von Menschenrechten und Klimarisiken. Des Weiteren bieten Digitalisierung und die damit verbundenen Trends für die Private-Equity-Häuser nicht nur Chancen, sondern bringen weitere Risiken mit sich. Die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens ist heute mehr denn je von ihrer Digitalisierung abhängig und erfordert das Umsetzen einer klar definierten Digitalstrategie, um Risiken möglichst gering zu halten und ihnen entgegenzuwirken“, heißt es.