EU droht Trump mit Vergeltungszöllen

Vergeltungszölle der EU lassen Verbraucherpreise steigen

Die Europäische Union hat im Kampf gegen die amerikanischen Strafzölle nun mit Gegenzöllen reagiert. Wie aus dem Amtsblatt der EU hervorgeht, sind Waren im Wert von mehr als 2,8 Milliarden € davon betroffen. Die Aufschläge traten bereits am 22. Juli 2018 in Kraft und die Liste der betroffenen Produkte umfasst mehrere Seiten, wobei die EU Vergeltungszölle auf Stahl, Eisen und andere Rohstoffe aber auch auf Konsumgüter wie Lippenstifte, Whisky oder Erdnussbutter erhebt. Diese Gegenreaktionen sind die Vergeltung der US-amerikanische Strafzölle auf Aluminium und Stahl. Eine Beruhigung im Handelskonflikt mit den USA ist derzeit allerdings noch nicht abzusehen, denn der US Präsident drohte bereits die nächste Eskalationsstufe an. Er warnt die EU, sollte diese nicht ihre Einfuhrbarrieren gegen Produkte aus den Vereinigten Staaten abbauen, würden die USA mit weiteren Zöllen von 20 % auf alle europäischen Fahrzeuge reagieren.

 

Viele Unternehmen sind trotz der Strafzölle erstaunlich gelassen

Verbraucher innerhalb der EU-Staaten sind natürlich daran interessiert zu erfahren, welche Produkte des alltäglichen Bedarfs durch den Handelsstreit vermutlich teurer werden. Hersteller wie Harley-Davidson möchten die neuen US-amerikanischen Zölle jedoch nicht einfach in Form von Preissteigerungen an ihre Kundschaft weitergeben. Die neue Modellreihe von Harley-Davidson soll im Herbst 2018 vorgestellt werden, dann allerdings hat das Unternehmen bereits angekündigt, dass die Zölle aus Amerika Auswirkungen auf die Endpreise haben werden. Ebenfalls von den Strafzöllen könnte die in Deutschland beliebte amerikanische Grillmarke Weber sein, doch die Unternehmensführung gibt sich bisher gelassen und rechnet damit, wenn überhaupt, nur marginal betroffen zu sein. Allgemein ist die Gefahr von erheblichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln jedoch groß. Denn die Gewinnmargen im Lebensmittelsegment sind eher gering, deshalb können höhere Preise für die Verbraucher schon bald deutlich zu spüren sein. Verlässliche Voraussagen sind allerdings auch hier schwierig, weshalb die weitere Entwicklung abgewartet werden sollte.

 

Durch bewusstes Kaufverhalten können Verbraucher den Handelsstreit beeinflussen

Bei den Textilimporten aus Deutschland, die immerhin einen Gesamtwert in Höhe von mehr als 32 Milliarden Euro haben, entspricht der US-amerikanische Anteil mit 0,2 % gerade einmal 67 Millionen im vergangenen Jahr. Bekannte und auch in Deutschland beliebte US-amerikanische Textilmarken lassen nämlich nicht in den USA, sondern in Drittstaaten, wie beispielsweise der Türkei, produzieren. Ebenfalls mit Zöllen belegen will die Europäische Union landwirtschaftliche Produkte wie Orangensaft, Reis oder Mais. Der aus den Vereinigten Staaten importierte Mais wird ganz überwiegend als Tierfutter verwendet, ein geringer Anteil auch weiterverarbeitet als Cornflakes oder Chips. Die Preise für den Mais plus des Strafzolls stellen dann nur noch einen Teil der Gesamtherstellungskosten dar. Fans von amerikanischer Erdnussbutter oder Whisky könnten jedoch die Leidtragenden im Handelskonflikt mit den USA sein. Wie hoch der Preisaufschlag für die Endverbraucher aber letztendlich ausfällt, hängt auch von deren Kaufverhalten ab. Die Macht des Verbrauchers ist also gerade auch bei einem eskalierenden Handelsstreit keinesfalls zu unterschätzen. Denn wenn die Hersteller zur Überzeugung gelangen, dass Verbraucher wegen einer Preiserhöhung zum Konkurrenzprodukt greifen, werden die Hersteller mehr und mehr dazu übergehen entweder nicht mehr nach Europa zu exportieren oder die Zölle selbst zu bezahlen. Eskaliert der Handelsstreit weiter, könnten Importeure von Jeans, Mais, Orangensaft oder Stahl auf Hersteller anderer Länder ausweichen. Bei den Produkten Erdnussbutter oder Whisky ist jedoch davon auszugehen, dass sich Käufer und Hersteller die Kosten durch Zölle etwa in gleicher Höhe aufteilen werden.