EU-Zugang für britische Banken auch nach dem Brexit

Angesichts der prekären Situation rund um den Brexit haben die EU und das Vereinigte Königreich damit begonnen, diverse Verträge bereits jetzt auf ein mögliches "No-Deal-Brexit"-Szenario anzupassen. Eine der kritischsten Branchen war und ist dabei der Bankensektor. Ein großer Teil der europäischen Finanzwirtschaft arbeitet auf der Grundlage von Banken aus London. Mit einem neuen Abkommen soll dafür gesorgt werden, dass auch im schlimmsten Fall die nötigen Rechte vorhanden sind, damit die Finanzinstitute Zugriff auf die Märkte haben und wichtige Aufgaben erledigen können.

Mit den komplexen Systemen rund um die Finanzwelt hat der Brexit eine Komponente, die bisher in den meisten Diskussionen wenig beachtet worden ist. Bis zu 90 Prozent der Transaktionen von europäischen Banken mit dem internationalen Ausland werden über Bankhäuser getätigt, die ihren Sitz in London haben. Davon ist nicht nur die reine Wirtschaft rund um die Aktien betroffen, sondern auch das Thema der Clearing Houses - also der Umsatz mit unterschiedlichen Währungen und die Erledigung von Finanzgeschäften auf internationalen Märkten. In der Bemühung die kritischsten Dienste auch im Fall eines Brexit - oder noch schlimmer eines No-Deal-Brexit - aufrecht zu erhalten, haben sich die EU und Großbritannien wenigstens auf einen generellen Zugang für britische Banken geeinigt.

Die britischen Banken sollen laut diesem Abkommen in allen wichtigen Belangen einen Zugriff auf die Wirtschaft in der EU erhalten - ganz unabhängig davon, ob man am Ende ein positives Ergebnis in den Verhandlungen erzielen kann oder nicht. Immerhin müssen beide Seiten derzeit mit zwei vollkommen unterschiedlichen Szenarien planen. Auf der einen Seite steht der No-Deal-Brexit, bei dem quasi alle Abkommen auf internationaler Ebene mit einem Schlag ungültig werden. Sollte es doch noch zu einem Deal kommen, dürften die meisten Protokolle weiterlaufen. Allerdings ist angesichts der angespannten Situation im britischen Parlament derzeit nicht absehbar, zu welcher Lösung es am Ende kommen wird.


Britische Banken sind existentiell für die EU

Nicht ohne Grund gilt die britische Hauptstadt London als das Zentrum der europäischen Banken. Beinahe jede große Bank der Welt hat hier entsprechende Filialen. Über die britischen Märkte wird ein großer Teil des Handels außerhalb der EU abgedeckt. Wäre es zu einem No-Deal-Brexit gekommen, hätte von einem auf den anderen Tag das Finanzsystem der EU nicht mehr funktionieren können. Mit dem neuen System profitieren beide Seiten, da die EU weiterhin über London handeln kann und die wichtigen britischen Banken sich nicht mit eventuellen bürokratischen Hürden konfrontiert sehen, wenn sie ihre Geschäfte innerhalb der Europäischen Union abwickeln wollen.

Ende März 2019 wird das britische Königreich die EU verlassen. Bis dahin sind viele einzelne Verträge auszuhandeln oder ein großer Deal zu erzielen, wenn nicht eine Vielzahl von Verträgen mit einem Schlag ungültig gemacht werden soll. Nach langen Verhandlungen ist aber immer noch nicht sicher, ob sich die Parteien auf eine gute Lösung für beide Seiten verständigen können.