Experten befürchten Börsenabschwung in naher Zukunft

Mittlerweile verzeichnen die globalen Börsen einen Aufschwung, welcher seit mehr als 109 Monaten ungebrochen anhält. Aufgrund der hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse sowie aufgrund von historischen Höchstständen erwarten viele Experten einen baldigen Abschwung.

Konsolidierung steht laut Experten bevor

Schon seit 109 Monaten hält die aktuelle Hausse an den Finanzmärkten an. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 begannen die Märkte mit der Erholung im März 2009. Seit diesem Zeitpunkt geht es nun steil nach oben. Unter den Experten wird diese Phase als Bullenmarkt bezeichnet. Hierbei handelt es sich um einen Zeitraum, in dem die Optimisten das Marktumfeld bestimmen. In der historischen Betrachtung ist dies der zweitlängste Bullenmarkt der Geschichte, wobei lediglich der Zeitraum von September 1990 bis März 2000 mit 116 Monaten länger anhielt.

Doch auch jede Hausse muss irgendwann in eine Konsolidierung oder Baisse übergehen
. Hierbei handelt es sich um einen Zeitraum, in welchem die Kurse massiv an Wert verlieren. Viele Experten erwarten ein baldiges Eintreten dieses Szenarios. Insbesondere die USA sind im Fokus der Pessimisten, denn dort könnte womöglich im kommenden Jahr eine Rezession einsetzen. Anleger, die bereits jetzt einen Abschwung erwarten, ziehen aus diesen Gründen das Kapital aus dem Markt, denn bei der Etablierung eines Bärenmarktes wird es besonders ungemütlich für Investoren.

Angst vor dem Ende des Bullenmarktes beeinflusst das Stimmungsbild

Laut Hans-Jörg Naumer geht zum aktuellen Zeitpunkt eine Angst rum, welche das Ende des Bullenmarktes sieht. Doch der Kapitalmarktanalyst der Allianz Global Investors ist bei dieser Beobachtung nicht allein, denn auch Witold Bahrke, ein Senior-Stratege von Nordea, sieht eine dünner werdende Luft im Aktienmarkt. Zusätzlich zu diesen Prognosen erwartet auch Robert Greil, der Chefstratege von Merck Finck, dass sich eine Rezession in den USA ausbreiten wird. Zudem ist seiner Meinung nach kein Vorteil durch direkte Investments in Unternehmen möglich, lediglich das persönliche Risiko würde einen Anstieg verzeichnen. 

Insbesondere die Wahrscheinlichkeit zur Konsolidierung habe erneut zugenommen. Diesen Umstand macht Greil nicht an der Dauer des aktuellen Bullenmarktes fest, denn diese sterben nicht aufgrund von Altersschwäche. Vielmehr sei das größte Risiko der steigende Zinssatz in den USA sowie die steigenden Ölpreise, welche sich global durchsetzen. Durch die Zinsanpassungen in den USA sowie die steigenden Ölpreise könnten zudem beide Faktoren zum Einsatz kommen.

Niedrigzinsen sind das größte geldpolitische Experiment der Geschichte

Das steigende Zinsniveau, welches in der USA etabliert wird, kann durchaus negative Einflüsse auf die gesamte Wirtschaft haben. Insgesamt bewegen sich die Zinsen auf einem niedrigen Niveau, doch den Märkten steht diesbezüglich ein epochaler Wandel bevor. Seit der letzten Finanzkrise haben die Notenbanken die Finanzmärkte mit Geldmittel geflutet und durch den Kauf von Anleihen für eine Zinssenkung gesorgt.

Zeitweise lag der Leitzins sogar bei unter null Prozent, sodass Banken keine Geldeinlagen bei den Zentralbanken verlassen sollten. Dieses Vorgehen hat für eine erhöhte Kreditnachfrage gesorgt und Unternehmen sowie Haushalte zum Konsum animiert. Negativ an diesem Vorgehen ist jedoch, dass typische Marktmechanismen außer Kraft gesetzt wurden, welche im Normalfall das Überleben von unprofitablen Firmen verhindern. Aus diesem Grund entstanden an den Märkten Blasen, welche die Kurse von Unternehmen an den Börsen ansteigen ließen. Wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis als Kennziffer für den Preis eines Unternehmens herangezogen, so ist dieser auf einem historisch hohen Niveau. Lediglich während der Dotcom-Blase notierte dieser Wert noch höher.

Sollten die Notenbanken eine Abkehr von der Niedrigzinspolitik avisieren, so kann dies zu einer Umstrukturierung in den Portfolien vieler Anleger führen. Erschien ein Investment unter den Nullzinsen als profitabel, so kann dieses unter einer neuen Geldpolitik zum Verlustgeschäft werden. Zudem würden die Börsenbewertungen, welche aktuell als attraktiv gelten, teurer werden.

Risiken durch den steigenden Ölpreis

Des Weiteren bahnt sich eine weitere Verteuerung des Öls an. Sollte die USA das Iran-Abkommen aufkündigen, könnten die Preise rasant anziehen. Potenzielle Sanktionen gegen den Iran könnten zu einer Einengung des Marktes und somit zu sichtbaren Preisanstiegen führen. Bei solch einer Entwicklung wären auch Ölpreise von 100 Dollar pro Barrel denkbar. Dieser Umstand sorgt dafür, dass die Finanzmärkte und die Konjunktur von zwei Seiten bearbeitet wird und am Ende in eine Rezession enden könnte. Auch die Zinsstrukturkurve ist ein Indikator auf eine nahende Rezession, denn ein inverser Verlauf deutet an, dass die Zinsen aufgrund einer potenziellen Krise wieder gesenkt werden. Experten rechnen bereits in der zweiten Jahreshälfte mit einem inversen Verlauf.

Ein weiterer Indikator ist der sinkende Geschäftsklimaindex. Gerade bei sich verdichtenden Vorboten bricht nun auch der US-Präsident Donald Trump einen Handelskrieg vom Zaun. Insbesondere die Situation zwischen China und den USA kann zu einem sinkenden Handel und schlechteren Erlösen führen. Aktuell regieren jedoch die Bullen das Marktumfeld, sodass die Vorboten auch ignoriert und die konjunkturelle Entwicklung beibehalten werden könnte.