Experten-Interview: „Schwellenlandanleihen bieten langfristig attraktive Möglichkeiten“

Viele Schwellenländer haben die Voraussetzungen, um langfristig schneller zu wachsen als die Industriestaaten. Deshalb können Emerging-Market-Bonds jedes Depot bereichern, meinen Anton Dombrovsky, Produktspezialist bei Pimco, und Andreas Schmid, Leiter Drittvertrieb Deutschland, Österreich, Osteuropa. Langfristig kann sich dabei eine Beimischung von Lokalwährungsanleihen besonders auszahlen.

Herr Dombrovsky, was macht Schwellenländeranleihen derzeit attraktiv?

Anton Dombrovsky: Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zum Beispiel das durch die Notenbanken beeinflusste globale Umfeld. Seit Anfang des Jahres ist die Geldpolitik der Fed und anderer wichtiger Zentralbanken wieder expansiver und dadurch haben sich die Finanzierungskonditionen für die Emerging Markets verbessert. Das führt zu Kapitalzuflüssen in Schwellenländer und erlaubt es ihnen, ihre Zinsen ebenfalls abzusenken. Wir sehen zudem keine überzeugenden Gründe für eine starke Aufwertung des US-Dollars, auch das unterstützt die Schwellenlandwährungen. Dazu kommt, dass viele aufstrebenden Volkswirtschaften über solide Fundamentaldaten wie hohe Währungsreserven und eine niedrige Verschuldung verfügen. Und sie sind im Vergleich zu europäischen oder amerikanischen Titeln günstiger bewertet.

 

Was ist aus der grundsätzlichen Investmentstory der Emerging Markets geworden?

Dombrovsky: Tatsächlich boomten diese Länder in den 2000er Jahren. Das war auch auf die massiv gestiegene Rohstoffnachfrage und Chinas Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Dieser Trend aber ist vorbei. Dennoch ist die langfristige Story noch attraktiv. Schließlich verfügen viele Emerging Markets über eine junge Bevölkerungsstruktur, was sich langfristig positiv auf das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft auswirkt. Schwellenländer haben auch durchschnittlich eine geringere Verschuldung was langfristig nachhaltiger ist. Deshalb investieren viele Anleger dort mit einem langen Anlagehorizont.

 

Bild: Anton Dombrovsky, Produktspezialist bei Pimco

 

Bevorzugen sie dabei Lokal- oder Hartwährungsanleihen?

Andreas Schmid: Nach unserer Erfahrung fragen Kunden vor allem Strategien mit Hartwährungsanleihen nach. Für viele Anleger sind die Währungen der Schwellenländer auf kurze Sicht zu volatil. Langfristig aber könnten gerade diese Anleihen besonders interessant sein.

 

Warum?

Schmid: Aktuell sind im Hartwährungsindex etwa 70 Länder vertreten, im Lokalwährungsindex nur 19. Wir gehen aber davon aus, dass dieser Markt stark wachsen wird, weil immer mehr Emerging Markets die Nachteile einer hohen Auslandsverschuldung erkannt haben. Stattdessen nutzen sie heute flexible Wechselkurse als Puffer gegen externe Schocks und verschulden sich mehr in eigener Währung. Das bringt Anlegern einige Vorteile: Das Universum wächst, womit eine breitere Streuung möglich ist. Dazu kommen im Schnitt höhere Renditen, Chancen auf zusätzliche Wechselkursgewinne und eine geringere Korrelation zum Kapitalmarkt insgesamt.

 

Bild: Andreas Schmid, Leiter Drittvertrieb für Deutschland, Österreich und Osteuropa

 

Also raten Sie langfristigen Investoren eher zu Lokalwährungsanleihen?

Schmid: Das ist natürlich immer auch eine Frage der individuellen Risikotragfähigkeit und des Umgangs mit Volatilität. Wir bieten auch eine Strategie an, die flexibel sowohl in Hart- und Lokalwährungsanleihen von staatlichen Emittenten und Unternehmen investieren kann. Damit möchten wir das gesamte Chancenspektrum nutzen und über den Marktzyklus hinweg stabilere Erträge erzielen.

 

Was zeichnet Ihre Vorgehensweise in diesem Bereich besonders aus?

Dombrovsky: Das sind drei Punkte. Zunächst haben wir ein global verteiltes großes Team, wodurch wir als großer Vermögensverwalter Zugang zu Entscheidungsträgern wie Finanzminister oder Notenbankchefs haben und treffen sie persönlich während unserer regelmäßigen Länderbesuche. Das bringt uns in diesen ineffizienten Märkten einen Informationsvorsprung. Dazu kommt unser systematischer und disziplinierter Anlageprozess, wobei unsere Portfoliokonstruktion über einen Top-down- und Bottom-up-Ansatz zustande kommt. Und schließlich achten wir mit starkem analytischen und Risikomanagement-Einsatz darauf, nicht nur eine Alphaquelle für Erträge zu haben, sondern mehrere.

 

Welche Alphaquellen sind das?

Dombrovsky: Die wichtigste Alphaquelle ist die Länderallokation. Neben bekannten Emittenten, berücksichtigen wir auch kleinere, weniger mit dem gesamten EM-Universum korrelierte Länder, zu denen es kaum Research gibt, zu denen wir auf Grund unserer globalen Präsenz aber eingehende Kenntnisse haben. So finden wir unentdeckte Perlen. Dazu kommt unser Top-Down-Ansatz, bei dem unsere Experten zum Beispiel ihre Erwartungen bezüglich der globalen Geldpolitik, Erwartungen zum US-Dollar und Risikoneigung formulieren. Darauf basiert dann die Steuerung der Duration und des Währungsexposures unserer Portfolios. Zudem kommen manche Emittenten auf uns zu, um uns eine Anleihe anzubieten. Halten wir diese für interessant, dann investieren wir. 

 

Wie wirkt sich die Nutzung verschiedener Alphaquellen aus?

Dombrovsky: Durch die Diversifikation entwickeln sich unsere Fonds über den Marktzyklus hinweg stabiler. Einzelne schwierige Marktphasen können wir so besser überstehen, was sich übrigens in dem schwierigen Jahr 2018 auch gezeigt hat.

 

Folglich bietet aktives Management in diesem Bereich Vorteile?

Dombrovsky: Ja. Es handelt sich unserer Ansicht nach um ineffiziente Märkte, in denen passive Fonds Nachteile aufweisen. So sind bei den gängigen Indizes Länder auf die Gewichtung von zehn Prozent begrenzt. Immer am Monatsende findet deshalb ein Rebalancing statt, das heißt, es werden Anleihen zum schlechtesten Zeitpunkt gehandelt. Zudem steigen dadurch die Transaktionskosten. Umgekehrt können wir das als aktiver Manager für uns nutzen.

 

Ein wichtiges Thema ist derzeit Nachhaltigkeit. Inwieweit spielt das bei den Emerging Markets eine Rolle?

Dombrovsky: Wir haben die Analyse von ESG-Kriterien schon vor Jahren in unseren Investmentprozess integriert. Wir analysieren alle Emittenten von Anleihen daraufhin. Bei Ländern geht es zum Beispiel um Faktoren wie Armut, Korruption und Rechtsstaatlichkeit oder Demografie. Das Ergebnis dieser Analyse fließt mit einem Gewicht von 25 Prozent in das interne PIMCO-Rating des jeweiligen Emissionsstaates mit ein. Schneidet ein Land hier schlecht ab, macht sich das in der Gesamtbewertung bemerkbar.

 

Was planen Sie noch in diesem Bereich?

Dombrovsky: Bereits jetzt sprechen wir mit Regierungsmitgliedern und Unternehmensvorständen, um auf Missstände hinzuweisen und auf Verbesserungen hinzuarbeiten. Zusätzlich planen wir, da unseren Kunden dieses Thema wichtig ist, die Auflage eines nach unserem eigenen PIMCO-Ansatz gemanagten nachhaltigen Emerging-Market-Anleihefonds.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dombrovsky und Herr Schmid.