Experten-Interview: Warum Anleger so häufig in die Psychofalle tappen

Wie Denkfehler und Selbstüberschätzung zu falschen Entscheidungen an den Kapitalmärkten führen, erläutert Dr. Christian Kurz, Managing Partner von Strongbox Capital, einer auf regelbasierte Anlagestrategien spezialisierten Asset Management Boutique, im Interview.

Strongbox Capital entwickelt regelbasierte Anlagestrategien auf Basis der Behavioral Finance-Forschung. Die Gesellschaft wurde im Jahr 2016 als unabhängige und innovative Asset Management Boutique in Zürich gegründet. Zu den Kunden zählen Pensionskassen, Versicherungen, Family Offices und unabhängige Vermögensverwalter. Der langfristige Kapitalerhalt steht im Zentrum der Anlagestrategien.

 

Herr Dr. Kurz, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit der Psyche der Investoren. Wie tickt der durchschnittliche Anleger?

Dr. Kurz: Entlang des gesamten Entscheidungsprozesses begehen Menschen Denkfehler. Angefangen bei der Wahrnehmung von Informationen, über die Verarbeitung bis hin zur Beurteilung von Informationen. Menschen versuchen die Komplexität zu reduzieren und das Leben somit einfacher zu machen. Hierzu verwenden wir unbewusst Heurisiken (Faustregeln) und unterliegen systematischen Verzerrungen (Biases). Dies führt zu teilweise irrationalen Entscheidungen am Kapitalmarkt. 

 

Tappen Profis beim Anlegen in dieselben Psychofallen wie Privatanleger?

Dr. Kurz: Ja, auch Profis sind nicht davor gefeit, Denkfehler zu begehen und in der Folge suboptimale Entscheidungen zu treffen. Auch wenn Experten in der Regel ein anderes Selbstbild von sich haben. So zeigen Studien zum Beispiel, dass gerade Experten beziehungsweise Profis dem Phänomen der Selbstüberschätzung, dem sogenannten Overconfidence Bias, unterliegen.

 

Sind eigentlich Frauen die besseren Anleger?

Dr. Kurz: Empirisch lässt sich beobachten, dass Frauen deutlich weniger aktiv handeln als Männer. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass die Anlageergebnisse bei Frauen zum Teil deutlich besser ausfallen. Der bei Männern ausgeprägtere Overconfidence Bias führt letztlich zu einer erhöhten Handelsaktivität - das vermeintliche Wissen, über die zukünftige Marktrichtung - bei gleichzeitig schlechteren Ergebnissen.

 

Der homo oeconomicus ist Grundlage der Theorie der effizienten Finanzmärkte. Warum sind aus Ihrer Sicht die Märkte nicht effizient?

Dr. Kurz: Auf Grund der im Entscheidungsprozess angewendeten Heuristiken und Verzerrungen kommt es häufig zu begrenzt rationalen Entscheidungen. Am Kapitalmarkt führt das systematisch zu Preisverzerrungen und Fehlbewertungen. So kommt es zum Beispiel zu Über- und Unterreaktionen auf neue Informationen, Fehleinschätzung von Eintrittswahrscheinlichkeiten und risikoaversem Verhalten. So werden Gewinne gleicher Höhe mental anders behandelt als für Verluste. Weiter lässt sich am Kapitalmarkt ein Herdenverhalten der Anleger beobachten.

 

Behavioral Finance ist die Grundlage Ihres Investment-Ansatzes. Wie schaffen Sie es, die wissenschaftlichen Theorien in die Praxis, sprich in eine konkrete Anlagelösung zu gießen?

Dr. Kurz: Am Kapitalmarkt lassen sich empirisch diverse Effekte beobachten, die nicht im Einklang mit der Theorie effizienter Märkte sind. Einige davon lassen sich durch das menschliche Fehlverhalten entlang des Entscheidungsprozesses erklären. Hierbei handelt es sich zum Beispiel um den Momentum-, den Size-, den Volatilitäts- oder auch den Value-Effekt. Diese Erkenntnisse nutzen wir und haben sie komplett regelbasiert in unsere Anlagelösungen integriert.

 

Basierend auf den Erkenntnissen der Behavioral Finance startet Strongbox Capital auf CAPinside in den kommenden Tagen eine Serie zu den größten Anlegerfehlern.