Experten-Interview: „Wir leben in einer spannenden Zeit für Berater“

Im Interview mit CAPinside erklärt Andrej Brodnik, Head of Continental Europe bei Jupiter Asset Management, warum Multi-Asset für Anleger und Berater unverzichtbar ist, und was die Strategie von Star-Fondsmanager Talib Sheikh so besonders macht.

Mit dem Jupiter Flexible Income Fund, gemanagt von Talib Sheikh, bietet Jupiter Asset Management seit dem vergangenen Jahr einen sehr aktiv gemanagten Multi-Asset-Fonds an. Das Konzept setzt verstärkt auf Fokusierung und Flexibilität, wie Andrej Brodnik im exklusiven CAPinside-Gespräch berichtet.

 

Herr Brodnik, was sind aus Ihrer Sicht wichtige Vertriebsthemen, die in diesem Jahr, aber auch in den kommenden Jahren von großer Relevanz sind?

 

Brodnik: Eines der Highlights im Vertrieb ist schon seit Jahren Multi-Asset, und das wird es auch bleiben. Das hängt vor allem auch mit der Regulierung zusammen und dem damit verbundenen hohen bürokratischen Aufwand für die Berater, den Multi-Asset-Fonds reduzieren können. Von daher wird das Thema Multi-Asset, egal in welcher Ausprägung, sicherlich wichtig bleiben. Wir haben als Jupiter stark investiert, um das Thema richtig aufzurollen.

 

Was bedeutet das konkret? Wie will sich Jupiter hier positionieren?

Brodnik: An erster Stelle gehört dazu natürlich die Verpflichtung von Talib Sheikh, einem der bekanntesten und erfolgreichsten Multi-Asset-Manager. Er managt seit dem vergangenen Jahr den Jupiter Flexible Income. Darüber hinaus konnten wir weitere hochkarätige Multi-Asset-Experten gewinnen. So ist zum Beispiel Mark Richards, der bei JP Morgan Asset Management eng mit Talib zusammengearbeitet hat, seit Januar als Multi-Asset Strategist Teil des Teams.

 

Wird die Multi-Asset-Produktpalette weiter ausgebaut?

Brodnik: Eins ist klar: Wir haben nicht Leute von diesem Kaliber geholt und machen nur einen Fonds. Wir werden bald mit einer weiteren Multi-Asset-Strategie auf den Markt kommen.

 

Wie wichtig ist es hier in Deutschland, einen bekannten Fondsmanager an der Spitze zu haben?

Brodnik: Ich denke schon, dass es wichtig ist. Wir stehen als Jupiter in Deutschland vor allem für den Dynamic Bond Fund oder auf der Aktienseite für den European Growth Fund. Das sind eigentlich die Produkte, mit denen uns Anleger in Verbindung bringen. Jetzt haben wir in den vergangenen Monaten sehr viel Gas gegeben im Bereich Multi-Asset. Und natürlich hilft der  ame von Talib Sheikh sehr. Wir sehen schon nach so kurzer Zeit die ersten Mittelzuflüsse.

 

Gibt es weitere interessante Multi-Asset-Strategien aus dem Hause Jupiter?

Brodnik: Ja, in diese Kategorie gehört auch der Jupiter Multi-Manager Fonds Merlin Real Return Portfolio. Der Fonds zielt darauf ab, die besten Manager aus den Bereichen Long-only-Aktien, Anleihen und Long/Short-Aktien Absolute Return zu kombinieren. Was viele vielleicht nicht wissen: Jupiter ist einer der größten Dachfondsmanager Europas. Wir verwalten knapp neun Milliarden Euro in Dachfonds. Und dementsprechend haben wir auch Zugang zu Top-Fondsmanagern, die vielleicht gar nicht so bekannt sind.

 

Für wen ist der Jupiter Merlin Real Return Portfolio vor allem geeignet?

Brodnik: Für Anleger, die mit einem überschaubaren Risiko langfristigen Vermögensaufbau betreiben möchte. Das Merlin-Team ist seit über 20 Jahren sehr erfolgreich. Und den Fonds gibt es seit sechs Jahren mit einem Volumen von aktuell 170 Millionen Euro. Der Fonds hat sich entsprechend bewährt. Bisher haben wir ihn nicht aktiv in Deutschland angeboten, aber das ändert sich jetzt.

 

Ist die Bereitschaft unter Anlegern und Beratern hierzulande groß, sich mit dem Thema Multi-Asset zu beschäftigen oder müssen Sie viel Überzeugungsarbeit leisten?

Brodnik: Die Bereitschaft muss da sein. Wir leben in einer spannenden Zeit für Berater. Wer jetzt bei der Nullzinspolitik keinen Umsatz macht, wird niemals Umsatz machen. Und Multi-Asset bietet sich als ideales Produkt an. Es geht darum, dem Kunden eine Alternative aufzuzeigen, regelmäßige attraktive Ausschüttungen bei reduziertem Risiko zu erzielen. Das bedeutet: Die Türen stehen deutlich weiter offen als noch zu Zeiten, wo die zehnjährige Bundesanleihe bei 3,5 Prozent stand. Positiv ist doch, dass durch das Thema Multi-Asset viele Kunden kommen, die sich vielleicht scheuen, einen reinen Aktienfonds zu kaufen. So bekommen sie ja zumindest eine gewisse Aktienquote in ihrem Portfolio, was langfristig absolut notwendig ist.

 

Warum reicht ein „weiter so“ nicht mehr aus?

Brodnik: Wir leben in einer neuen Welt. Die negative Korrelation zwischen Aktien und Renten, die es früher mal gab, existiert nicht mehr. Und von daher glaube ich, dass die klassischen, starren Modelle von früher jetzt nicht mehr funktionieren. Wir verstehen unter einer Income-Strategie fürs nächste Jahrzehnt, wie wir sie ja propagieren, zum einen, dass die Asset Allocation viel flexibler sein muss, das heißt auch viel aktiver über Overlay-Strategien. Das ist übrigens auch genau der Grund, warum Talib im vierten Quartal 2018 verhältnismäßig gut abgeschnitten hat. Er hat recht schnell mit Futures und Overlay-Hedging-Strategien gearbeitet. Zum anderen sind wir aber auch davon überzeugt, dass ein konzentriertes Portfolio mit wirklichem Stockpicking langfristig erfolgreicher ist. In dem fokussierten Portfolio von rund 400-450 Titeln sind nur solche enthalten, von denen das Team auch tatsächlich überzeugt ist, und on top kommt das beschriebene Overlay-Management.