Experten-Interview: Zwei Megatrends in einem Fonds

Cyrill Zimmermann vom Schweizer Healthcare-Spezialisten Bellevue Asset Management erläutert zusammen mit Zahide Donat, Portfolio Managerin des BB Adamant Sustainable Healthcare im CAPinside-Interview, warum die Kombination von Nachhaltigkeit und Healthcare so interessant ist und nach welchen Themen und Kriterien nachhaltige Gesundheitsfirmen ausgewählt werden.

Der BB Adamant Sustainable Healthcare Fonds investiert in nachhaltig geführte Gesundheitsfirmen mit innovativen Geschäftsmodellen. Healthcare und Sustainable – zwei Megatrends in einem Produkt verschmolzen – wie ist es dazu gekommen?

Zimmermann: Die Idee ist eigentlich vor zwei Jahren entstanden. Ein großer institutioneller Investor kam auf uns zu und sagte, er findet unsere Index-Lösung sehr gut, aber um zu investieren, benötigt er das Österreichische Umweltzeichen. Das war für uns der Ansporn, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv zu beschäftigen. Wir haben uns überlegt, wer der richtige Partner ist, denn allein konnten wir es nicht stemmen, schließlich befinden sich rund 3500 Werte in unserem Anlageuniversum, die entsprechend analysiert werden müssen. Für die Nachhaltigkeitsprüfung haben wir uns dann für Sustainalytics entschieden. Im Sommer 2018 hatten wir alle Voraussetzungen erfüllt und haben den ersten nachhaltigen Gesundheits-Fonds lanciert.

Und das Umweltzeichen? Haben Sie es bekommen?

Zimmermann: Ja, bereits im Herbst konnten wir dann das Österreichische Umweltzeichen, das in der Branche als eine Art Benchmark gilt, entgegennehmen. Wir sind die ersten und bislang einzigen im Themenbereich Gesundheit, die die strengen Anforderungen des Umweltzeichens erfüllen.

 

Das Problem beim nachhaltigen Investieren ist ja aber, dass man sich automatisch einschränkt, was die Zahl der in Frage kommenden Unternehmen betrifft. Wie groß ist das Anlageuniversum beim BB Adamant Sustainable Healthcare?

Donat: Konzeptionell gehen wir bei diesem Fonds genauso vor wie beim 2007 aufgelegten Adamant Healthcare Index, der ein Investitionsuniversum von 600 Gesundheits-Firmen aufweist. Davon werden die 40 attraktivsten Werte gleichgewichtet aus vier Regionen in einem Portfolio zusammengefasst. Dazu gehören Westeuropa, Nordamerika, Japan/Ozeanien und Emerging Markets. Und der Unterschied beim BB Adamant Sustainable Healthcare liegt darin, dass wir zusätzlich einen Nachhaltigkeitsfilter im Auswahlprozess eingebaut haben. Die Anwendung dieses ESG-Filters zeigt, dass knapp 40-50 Prozent des gesamten Anlageuniversums unseren strengen Anforderungen genügen.


Zimmermann: Das Bemerkenswerte ist, dass das Anlageuniversum langsam größer wird. Wir haben in der Vergangenheit einige unserer Portfoliofirmen angesprochen und auf bestimmte Nachhaltigkeitsthemen hingewiesen. Das hat in einigen Fällen geführt, dass die Unternehmen in den letzten sechs bis neun Monaten eine bessere ESG-Bewertung erhalten haben. Wir waren somit als eine Art Botschafter für mehr Nachhaltigkeit aktiv.

Donat: Engagement ist ein aktiver Bestandteil unseres  nachhaltigen Anlageprozesses. Wir sehen die Firmen mindestens einmal im Jahr und können somit auch die Awareness für ESG erhöhen.

 

Kommen wir zur Titelselektion. Wie genau werden die Unternehmen ausgewählt?

Donat: Die Firmen werden nach ökologischen, sozialen und unternehmerischen Faktoren systematisch bewertet. Hier stützen wir uns auf das langjährige Fachwissen unseres Researchpartners Sustainalytics. Im Rahmen des ESG-Filters haben wir mehrere Kriterien, welche die Unternehmen erfüllen müssen, um ins Portfolio zu gelangen und dort zu bestehen.

 

Welche Kriterien sind das?

Donat: Die Unternehmen sollten zum einen zu den Nachhaltigkeitsvorreitern ihrer Branche zählen (Best-in-Class-Ansatz). Zum anderen haben wir Ausschlusskriterien definiert, zum Beispiel, dass die Firmen nicht in schwerwiegende ESG-relevanten Verstöße involviert sind. So spielen beispielsweise Korruption und unzumutbare Arbeitsbedingungen eine wesentliche Rolle für den Ausschluss aus dem Investitionsportfolio. Auch die zehn Prinzipien des UN GlobalCompact gehören zu den Kriterien. Firmen sollten diese Prinzipien einhalten. Und zu guter Letzt haben wir bei kontroversen Geschäftsfeldern und -praktiken für die Aufnahme Ertragsschwellen definiert.

 

Der Healthcare-Sektor ist breit gefächert. Wo finden Sie vor allem interessante Titel?

Donat: Grundsätzlich sind im Fonds alle Subsektoren des Healthcare-Bereichs vertreten, also Biotech, Generika, Pharma, Medtech und Services. Da wir einen globalen Bottom Up-Ansatz verfolgen, der von Fundamentaldaten getrieben ist, sind wir im Bereich Pharma strukturell untergewichtet.  Dahinter steckt auch die Realität, dass Pharmafirmen über ein geringeres Wachstumspotenzial verfügen.

Zimmermann: Und sie sind im Schnitt einfach auch zu teuer.

Donat: Aber in der Praxis bedeutet Nachhaltigkeit vor allem auch Innovationen, die neben dem medizinischen Nutzen ressourcenschonende Anwendungen im Blick haben müssen. Wir haben deshalb fünf Themenfelder definiert, die ein nachhaltiges Gesundheitssystem auszeichnen. Ein wesentlicher Bestandteil bildet die Präventionsmedizin nach dem Prinzip: „Vorbeugen ist besser als heilen“. Ein anderes Thema ist die Immunonkologie. Hier wird das körpereigene Abwehrsystem des Körpers genutzt. So wird eine individualisierte Therapie mit wenigen Nebenwirkungen ermöglicht. In der Medizintechnik legen wir den Fokus wiederum auf fortschrittliche Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel Operationsroboter für minimalinvasive Eingriffe. 

 

Was gibt es noch?

Donat: Nachhaltige Gesundheitssysteme zeichnen sich auch dadurch aus, dass neue Formen von Dienstleistungen angeboten werden, wo auch der Patient direkt in das System eingebunden wird, wie zum Beispiel Home Care. Und ein weiteres zentrales Thema ist die Erschwinglichkeit von Medikamenten, insbesondere für einkommensschwache Bevölkerungsteile. Der Nachholbedarf für einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung aber auch zur Pflege ist hier sehr hoch. Und gerade hier kann die Förderung von Generika einen wichtigen Beitrag leisten, auch weil sie erhebliches Einsparpotenzial anbietet.

Zimmermann: Man sollte noch vielleicht hinzufügen, dass das alles Themen sind, die wir für den nachhaltigen Gesundheitsfonds nicht neu definiert haben. Es sind vielmehr Themen, in die wir bereits seit langem investiert sind oder durch unsere spezifischen Fondslösungen abdecken.

 

Welche Unternehmen stehen derzeit bei Ihnen auf der „Black List“ und warum?

Zimmermann: Im Rahmen unseres Anlageprozesses findet beispielweise der amerikanische Pharma-Multi JNJ kaum Eingang ins Portfolio. Laut Kontroversen-Research von Sustainalytics, weist die Firma eine schwerwiegende Kontroversen-Stufe von 5 auf. Wiederholte gravierende Vorkommnisse im Zusammenhang mit mangelnder Qualität und Sicherheit von Produkten haben zu dieser Einschätzung beigetragen. Grundsätzlich werden Firmen mit Kontroversen-Stufen 4 und 5 ausgeschlossen und bei entsprechende Übertretungen sofort verkauft.