Fachkräftemangel in Deutschland verschlingt jährlich 30 Milliarden Euro

Der Fachkräftemangel kommt dem Staat teuer. Deutschlandweit fehlen zahlreiche Fachkräfte, welche dem Staat jährlich rund 30 Milliarden Euro kosten. Allein die Elektroindustrie benötigt 50.000 neue Facharbeiter. Ebenfalls befürchten zahlreiche Unternehmen, künftig noch weniger Fachpersonal wie etwa Informatiker und Ingenieure zu finden. Obwohl der Mangel bekannt ist, wird Fachpersonal zunehmend durch Roboter und Maschinen sowie auswärtigen Arbeiter ersetzt, welche das Problem zusätzlich verschärfen.

Verheerender Fachkräftemangel in Deutschland

Der Fachkräftemangel in Deutschland nimmt rasant zu. Zahlreiche Branchenverbände bemängeln das Fehlen von qualifiziertem Personal. Bereits bei Hochschulen beginnend, stellen sich die Unternehmen auf einen jahrelang andauernden Spezialistenmangel ein. Von 1.350 befragten Firmen und Hochschulen gaben nahezu 60 Prozent an, dass trotz Aufschwung am Arbeitsmarkt der künftige Bedarf an Informatikern und Ingenieuren nicht mehr gedeckt werden kann. Auch andere Branchen wie der Maschinenbau, die Informationstechnik und die Elektroindustrie klagen über ungenügend Fachpersonal. Je Branche dürften mehrere zehntausende Stellen unbesetzt bleiben.

Deutsche Industrie hinkt hinterher

Der Mangel an Fachpersonal schlägt sich nicht nur an den bestehenden, offenen Stellen nieder. Auch die Entwicklung der deutschen Industrie hinkt deutlich hinterher. Planen Unternehmen zu expandieren und folglich zu wachsen, können sie dieses Vorhaben aufgrund des Fehlens von Spezialisten nicht umsetzen. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) führte dies bezüglich einer Studie durch, welche ergab, dass das deutsche Wirtschaftswachstum durch den Engpass an qualifizierten Fachkräften jährlich um ein Prozent schrumpft. Würde dieser Zustand behoben, könnte die Wirtschaftsleistung der deutschen Industrie um bis zu 30 Milliarden Euro steigen.

Schwierigkeiten bei offenen Stellen

Obwohl viele Unternehmen über zahlreiche offene Stellen verfügen, haben vier von fünf Firmen Schwierigkeiten, diese Stellen mit Fachpersonal zu besetzen. Zu dieser Lage führt nicht nur der Hang zu anderen Ausbildungen von Arbeitern und Interessenten bezüglich der freien Stellen, sondern ebenfalls die fortschreitende Digitalisierung. Zunehmende Entwicklungstrends wie Elektromobilität, Smart Cities und Grids sowie die Industrie 4.0 decken in vielen Unternehmen zum Teil den Bedarf an Elektroingenieuren und IT-Experten. Folglich stehen Fachkräfte im direkten Kampf mit Robotern und anderen Maschinen. Zugleich liegt eine Uneinigkeit seitens der Unternehmen vor. Je nach Branche schreiben die Unternehmen nur 40 bis 50 Prozent der offenen Stellen aus, welche sie besetzen möchten. Besonders betroffen hiervon sind der Maschinenbau, der Fahrzeugbau sowie die Elektrotechnik. Der tatsächliche Bedarf an Fachkräften in diesen Branchen dürfte Schätzungen zufolge doppelt so hoch sein wie die offiziell ausgeschriebenen Stellen.

Verschärfter Kampf um Fachkräfte

Um dennoch neue Fachkräfte zu erhalten, rekrutieren immer mehr Unternehmen Personal aus dem Ausland. Dies gilt sowohl für internationale, große Unternehmen wie für kleine und mittelgroße Unternehmen, welche nicht in Kooperation mit internationalen Organisationen stehen. Bleibt der Fachkräftemangel in Deutschland somit weiterhin bestehen, dürften auswärtige Arbeiter deutsche Unternehmen überrennen.