Fake News - und ein global optimierter Produktionsprozess

Traditionsmotorradbauer Harley Davidson wird Teile seiner Produktion ins Ausland verlegen, doch was steckt wirklich dahinter?

Der Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt ist momentan in aller Munde. An den Finanzmärkten hat er bereits für genügend Aufregung gesorgt. Groß ist die Befürchtung, dass der aufbrausende US Präsident mit seinen verrückten Ideen die Weltwirtschaft ins Unglück stürzt. Ganz anders agieren die politisch Verantwortlichen aufseiten der EU. Sie gehen besonnen vor und sie haben eine gute Strategie: Mit taktisch klug platzierten Vergeltungszöllen wollen sie den amerikanischen Präsidenten in die Schranken weisen.

Und sie treffen - so scheint es- ins Schwarze: Am 25.6.2018, nur einige Tage nach Inkrafttreten der EU Strafzölle, berichtete die Tagsschau, dass der amerikanische Traditionsmotorradbauer Harley Davidson wegen der EU Strafzölle Teile seiner Produktion ins Ausland verlegen wird. Ein Schlag ins Kontor der Trump Administration, wie man ihn sich nicht besser hätte ausdenken können. Auch Der Spiegel, DPA, Reuters und viele andere Vertreter der etablierten Medien stimmten ein und berichteten über diesen spektakulären Erfolg der EU Vergeltungszölle.

Jedoch - fast genauso erstaunlich wie der scheinbar krachende Erfolg der EU Maßnahmen ist die unkritische Berichterstattung über eben diese Ankündigung von Harley Davidson. Schon ein wenig Faktenrecherche fördert dieses zutage: In der US-Tageszeitung Milwaukee Journal Sentinel konnte man bereits am 1. Februar 2018, also, lange bevor EU Vergeltungszölle auf Harleys in Kraft getreten sind, lesen, dass der Motorradbauer wegen zurückgehender Verkaufszahlen im US-Markt seine Fabrik in Kansas City schließen wird. 

Wiederum der Milwaukee Journal Sentinel berichtete am 10. Mai 2018, also über einen Monat vor der Verhängung von EU Strafzöllen, über die Kritik von Harley Angestellten und einer ihrer Gewerkschaften an der Produktionsverlagerung von Kansas City nach Thailand. Im gleichen Artikel erklärte der Motorradbauer, dass der Ausbau der Produktionsstätten in Thailand Teil der globalen Wachstumsstrategie des Unternehmens sei. Die ausländischen Produktionsstätten seien notwendig, um das Unternehmensziel zu erreichen, bis zum Jahr 2027 mindestens 50 % des Umsatzes außerhalb der USA zu erwirtschaften.

Mit EU Vergeltungszöllen und Präsident Trump's Protektionismus haben die Produktionsverlagerungen also nichts zu tun. Sie sind vielmehr ein ganz normaler Teil eines global optimierten Produktionsprozesses. Die EU Maßnahmen dienen Harley Davidson dabei natürlich als willkommene Ausrede, mit der die heimische Klientel befriedet werden kann.

Es stellt sich bei alledem die Frage warum eine kleine, lokale Tageszeitung, wie der Milwaukee Journal Sentinel zutreffender berichtet, als der milliardenschwere öffentlich rechtliche Rundfunk und viele etablierte Medienunternehmen hierzulande. Welche Motivation steht hinter der oberflächlichen Berichterstattung des Spiegel und der DPA? Wir wissen es nicht und - mit Fake News kennen wir uns auch nicht aus. Wir konzentrieren uns lieber auf die sorgfältige Analyse von Fakten, sie ist nämlich integraler Bestandteil unseres Quint:Essence Qualitäts-Investmentprozesses.