Faktor-Investing wird immer beliebter

Indexfonds sind ein besonders beliebtes Anlagevehikel 

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise investieren Privatanleger vermehrt in sogenannten Exchange Traded Funds (ETF), welche auch als Indexfonds bezeichnet werden. Dabei setzen diese passiven Fonds die aktiv gemanagten Fonds massiv unter Druck.

Doch neben den Investmentinstrumenten haben sich auch das Investieren im Grundsatz verändert. Dies liegt vor allem daran, dass insbesondere während der Zeit der Finanzkrise keine Renditen durch die Anleger erzielt wurden. Vor allem Produkte des Schema-F wie „Aktien Europa“ oder „Immobilien USA“ brachten unterdurchschnittliche Renditen mit sich. Um dieses Problem zu beheben, haben Branchenunternehmen wie Fondsgesellschaften auf das Faktor-Investing gesetzt. Dass dieser Ansatz mehr als erfolgreich war, offenbaren die knapp 2 Billionen US-Dollar, die der größte Vermögensverwalter der Welt – Blackrock – mittlerweile verwaltet. Laut den Aussagen des Vermögensverwalters, sollen bis 2022 rund 3,4 Billionen US-Dollar verwaltet werden. Basierend auf den Aussagen Blackrocks entspräche dies einem durchschnittlichen Wachstum von 11 Prozent pro Jahr, sodass dieses größer als das jährliche Fondswachstum wäre.

 

Faktoren entscheiden über die Rendite 

Laut Andrew Ang, dem Leiter der Blackrock Abteilung für Faktor-Investing, sind Faktoren die entscheidenden Renditetreiber. Diese bringen langfristig innerhalb der jeweiligen Renditeklassen eine hohe Rendite. Bereits 2014 veröffentlichte er diese Strategie im Rahmen eines 736 Seiten umfassenden Buches. Als Faktoren werden demnach Makro-Faktoren bezeichnet, welche für die eingegangenen Risiken entlohnt werden. So werden Wachstums- und Zinsänderungsrisiken sowie potenziell ausfallenden Anleihen berücksichtigt. Des Weiteren wird auch das Risiko liquider Anlagemöglichkeiten berücksichtigt, welche in Krisenzeiten einen schnellen Wertverlust realisieren.

Im Rahmen des aktuellen Trends wird jedoch auch Stil-Faktoren gesetzt. Diese sind gleichbedeutend zum Faktor-Investing. Allerdings kommen diese Faktoren insbesondere im Rahmen von Aktien-Investments zum Zuge. Zu den Stil-Faktoren gehört etwa das Momentum, welches beim Folgen eines Kurstrends berücksichtigt wird. Des Weiteren kann ein Anleger auch auf Aktien mit geringeren historischen Schwankungen setzen. In Summe hat ein Blick auf die historischen Daten gezeigt, dass Investoren beim Berücksichtigen dieser Faktoren eine bessere Rendite erzielen.

 

Faktor-Investing bei Fonds 

Laut Andrew Ang werden drei verschiedene Fonds-Gruppen beim Faktor-Investing unterschieden. Die erste Gruppe stellen die sogenannten „Smart Beta“-Fonds. Hierbei handelt es sich in der Regel um ETFs die breit diversifizierte Indizes abbilden, um somit die Renditen zu erhöhen und das Risiko zu minimieren. Dabei basieren diese Fonds auf lediglich einem Faktor, sodass diese für Investoren besonders einfach zu verstehen sind. Insbesondere in den USA sind diese Fonds besonders beliebt, sodass insgesamt rund 742 Milliarden Dollar in diese Investmentvehikel investiert sind. Faktor-Investing ist zudem ein Prinzip, welches vor allem in den USA Anklang findet. Rund eine Billion US-Dollar entfällt demnach auf institutionelle Anleger, während nur 155 Milliarden US-Dollar auf Privatanleger entfällt.

Institutionelle Investoren fokussieren sich dahingegen vor allem auf die zweite Klasse der Faktor-Fonds, welche als proprietäre Fonds bezeichnet werden. Dies sind aktiv gemanagte Fonds, die auf einen eigenen Ansatz setzen. Die letzte Gruppe wird als verstärkte Fonds bezeichnet. Diese setzen auf Strategien, welche von klassischen Hedgefonds verfolgt werden. Durch die Nutzung von Fremdkapital sollen diese Fonds permanent Renditen erzielen, ohne das die Marktentwicklungen einen relevanten Einfluss hätten.

Unsinnig ist dahingegen eine Differenzierung in aktive oder passive Strategien. Bereits die Entscheidung zur Investition in einen ETF ist eine aktive Entscheidung. Doch auch die Auswahl einzelner Aktien wird als aktive Entscheidung bezeichnet. Blackrock wird in Zukunft auch Anleihen- und Währungs-ETFs anbieten, welche auf das Faktor-Investing setzen.