Family Office: Die Vermögensnachfolge sicherstellen

Die Beratung der Vermögensübertragung ist für das Family Office ein wichtiger Aspekt. Das hat rechtliche und steuerliche Gründe, aber auch strategische.

Dem Family Office kommt regelmäßig zu, eine vermögende Familie bei allen ihren Vermögensangelegenheiten umfassend zu betreuen und zu beraten. Dabei stehen Fragen wie die Auswahl der richtigen Vermögensverwalter und Banken, das Management von Liquidität und Beteiligungen, das Reporting und Controlling von Vermögensverwaltungsleistungen und andere Themen rund um die Bewirtschaftung und Entwicklung des Vermögens in Fokus.

Aber eben nicht nur, wie Helmut Quast (HQ Trust) und Olaf Krings (von Plettenberg, Conradt & Cie. Family Office) in einem Aufsatz zur „Planung der Vermögensnachfolge“ im Sammelband „Family Office Management“ schreiben: „Die Beratung im Zusammenhang mit der Vermögensnachfolgesituation ist ein essentieller Bestandteil im Rahmen einer umfassenden strategischen Vermögensplanung und einer Family Office Betreuung. Die Weitergabe von Vermögen zu Lebzeiten oder von Todes wegen wird so lange ein zentrales Thema der Vermögensberatung sein, so lange kein vollständiger Vermögensverzehr durch Substanzsteuern bei der Vermögensweitergabe stattfindet.“


Keine isolierte Betrachtung der Vermögensnachfolge

Will heißen: Der Family Officer ist in seiner Rolle als vertrauter Berater immer auch gefragt, die Vermögensübertragung aktiv mitzugestalten und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Impulse zu setzen, dass dieses Thema aus steuerlicher, rechtlicher und strategischer Sicht frühzeitig angepackt wird. Eine Ausblendung oder isolierte Betrachtung des Beratungsfeldes Vermögensnachfolge werde einem ganzheitlichen Beratungsansatz durch das Family Office nicht gerecht und könne zu weitreichenden Fehlentscheidungen nicht nur bei der Vermögensanlage führen, heißt es bei Helmut Quast und Olaf Krings: „Ein wesentlicher Einflussfaktor für die Planung der Vermögensnachfolge ist die Belastung des Familienvermögens durch Substanzsteuern. Der potenzielle Liquiditätsabfluss bei der Vermögensweitergabe erfordert eine Vermögensallokation, welche den drohenden Substanzverlust durch Steuerzahlungen berücksichtigt. Gleichzeitig wird von dem teilweise erheblich geschmälerten Vermögen erwartet, dass die Versorgungssituation der Familie auch auf Basis des reduzierten Vermögens weiterhin gesichert ist. Auch außerhalb dieser finanziellen Aspekte ist die Planung der Vermögensnachfolge ein wichtiges Thema für Mandanten. Weitere zentrale Inhalte sind Sicherstellung des Erblasserwillens, Sicherung des Handlungsspielraums der Erben, Nachlassgerechtigkeit und dauerhafte Sicherung des Unternehmensfortbestandes.“


Erbschaftsteuer frühzeitig planen

Das bedeutet für Family Officer, die Vermögensübertragung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Die Auswirkungen einer nicht umfassend professionellen Gestaltung auf das Vermögen können erheblich, Stichwort ist die Erbschaftsteuer. Ehegatten, Kinder und Enkel werden in der Spitze je nach Vermögenshöhe mit bis zu 30 Prozent Erbschaftsteuer belastet, der Steuerfreibetrag von 500.000 Euro (Ehegatte) beziehungsweise 400.000 (Kinder) und 200.000 Euro (Enkel) fällt bei einem hohen zweistelligen oder sogar dreistelligen Millionenvermögen nicht ins Gewicht – die erbschaftsteuerliche Belastung eben schon: Bei einem Vermögensübergang auf ein Kind in Höhe von 50 Millionen Euro werden fast 15 Millionen Euro Erbschaftsteuer fällig. Ist dieses Vermögen vorranging in illiquiden Assets wie Immobilien gebunden (was bei vermögenden Familien oft der Fall ist), ist der Ärger ohne eine weitsichtige Gestaltung (etwa einer vorausschauenden Vermögensverwaltung, um die Steuer aus dem liquiden Vermögen zahlen zu können) vorprogrammiert.


Gesellschaftsanteile optimal weitergeben

Genauso wichtig ist aber auch, die Kinder und gegebenenfalls Enkel schon weit vor der Übertragung an einen verantwortlichen Umgang mit dem Vermögen heranzuführen, schreibt Christoph Leinen in seinem Beitrag „Family Office als Unternehmeraufgabe“ (ebenfalls in „Family Office Management“). Dies könne durchaus steuerliche Gründe haben, indem eben die Steuerfreibeträge so ausgenutzt würden, dass nach und nach die Anteile am Family Office an die nächste(n) Generation(en) übertragen würden, ohne dadurch Steuern auszulösen. Für Christoph Leinen geht der Gedanke der Einbindung der Kinder aber weit über diese steuerlichen Erwägungen hinaus. Es gehe dabei immer auch darum, „auch Kinder und Enkelkinder an der Vermögensbildung zu beteiligen. So lernen sie früh mit einem verfügbaren Budget zurechtzukommen, um ihren Lebensunterhalt oder gegebenenfalls das eigene Studium zu finanzieren. Auch für den Fall, dass ihnen das Erbe in jungen Jahren zufällt, ist alles testamentarisch geregelt. Mit dem Family Office im Hintergrund haben es die jungen Erben leichter, mit der veränderten Situation umzugehen und sich ein Bild davon zu machen, wie das Familienvermögen angelegt ist.“

Für Leinen folgt daraus, dass sich Vermögende, die ein Family Office aufbauen wollen, genügend Zeit dafür nehmen sollten, um in aller Ruhe die erforderlichen Strukturen zu schaffen. Dazu gehört eben auch, die nächsten Generationen an die Vermögensverantwortung heranzuführen.