Family Office: Den richtigen Rat zum richtigen Zeitpunkt

Auch Family Offices können Vermögensverwaltungsdienstleistungen anbieten – betont ein Vermögensverwalter. Und Vermögensverwalter können Impulsgeber für Family Office-Services sein.

In der Welt der Family Offices wird ein Aspekt besonders heiß diskutiert: Wie unterscheiden sie sich von klassischen Vermögensverwaltern? Folgt man dem Verband unabhängiger Family Offices, ist diese Unterscheidung mehr als deutlich: Das Family Office sei einzig den Interessen der Familie/des Vermögensinhabers verpflichtet und daher unabhängig von wirtschaftlichen Interessen Dritter. Zur Vermeidung von Interessenkonflikten sei das Family Office nicht operativ auf den Feldern tätig, auf denen es im Rahmen einer Kontrollfunktion die Leistungen von für die Familie/den Vermögensinhaber mandatierten Leistungserbringern überwache. Dazu zähle der Verband natürlich vor allem die klassische Vermögensverwaltung und das Management eigener Fonds.

Auf der anderen Seite sieht die Praxis aber anders aus, weiß Michael Sievers von Rhein Asset Management aus Luxemburg und Düsseldorf. Das Unternehmen ist auf zwei Säulen aufgebaut: der unabhängigen Vermögensverwaltung und dem Family Office. „Wir trennen diese Geschäftsbereiche zwar sehr genau und nehmen von unseren Family Office-Kunden keine Vermögensverwaltungsmandate an. Aber grundsätzlich sind wir der Meinung, dass ein Family Office auch einen Teil des liquiden Vermögens verwalten kann, wenn es der Wunsch des Mandanten ist.“


Hohe Transparenz maßgebend

Viele Family Offices am Markt hätten natürlich die entsprechenden Kompetenzen dafür, liquides Vermögen zu managen, weshalb sie diese Angebote natürlich auch bei ihren Mandanten anbieten dürften. Entscheidend sei aber eine hohe Transparenz, betont Michael Sievers. „Das Family Office ist übergeordnete Kontrollinstanz und konzentriert sich in der Regel vor allem auf das Controlling und Reporting der Vermögensverwaltungsdienstleistungen, um den Vermögensschutz und die Förderung der Anlagestrategie zu gewährleisten. Controlling und Reporting sorgen dafür, dass die Ergebnisse der Vermögensverwaltung detailliert analysiert werden können, damit ein Vermögensinhaber daraus fundierte Entscheidungen für den weiteren Umgang mit dem Vermögen und dem Einsatz der Verwalter ableiten können.“

Daraus folgt laut dem Rhein Asset-Partner folgendes: „Bietet ein Family Office eigenes Asset Management an, muss es die eigenen Leistungen genauso objektiv kontrollieren wie die Fremdleistungen auch. Das Controlling und Reporting der Vermögensverwaltung des Family Offices unterliegt den gleichen Bedingungen, sodass der Mandant nach eigener Zeit selbst entscheiden kann, ob er das Family Office weiterhin auch für die Vermögensverwaltung einsetzen möchte oder eben nicht.“

Dabei stellt Michael Sievers aber auch heraus, dass ein „gut ausgebildeter Vermögensverwalter“ durchaus einen Teil von klassischen Family Office-Dienstleistungen erbringen könnte. Vermögensstrategie und Vermögensstruktur, Finanzplanung, Generationennachfolge, Stiftungsstrategien und mehr: Diese Beratungsleistungen sollte ein Vermögensverwalter – zumindest grundsätzlich – auch erbringen können. „Er muss meiner Meinung nach von allen diesen Dingen etwas verstehen, um die Bedürfnisse des Mandanten zu verstehen und Impulse für das weitere Vorgehen zu setzen. Natürlich, nicht jeder Vermögensverwalter muss beispielsweise eine Familienstiftung errichten oder eine Familienverfassung aufsetzen können. Aber er sollte wissen, wann der richtige Zeitpunkt für den richtigen Rat ist und welche Spezialisten dafür eingebunden werden müssen.“ Auf diese Weise könne der Vermögensverwalter die Vorstufe zum Family Officer übernehmen und zu einem „Family Office light“ für die Mandanten werden, die nicht über ein dreistelliges Millionenvermögen verfügen, der Problematiken erkennt und Lösungen dafür im Netzwerk findet. Er müsse sich die Frage stellen: Was ist vernünftig für meinen Kunden?

Und genauso könne der Vermögensverwalter gemeinsam mit dem Mandanten entscheiden, welche Leistungen tatsächlich gebraucht würden. Als Beispiel nennt der Experte die separate Kapitalanlagebuchhaltung, bei der alle Geschäftsvorgänge monatlich in einem eigenen System verbucht werden. „Das ist nicht für jeden Mandanten notwendig.“

Angst vor einem Mandatsverlust müsse dabei kein Vermögensverwalter haben – wer durch die richtigen Ratschläge und die Einbindung von Spezialisten (auch für bestimmte Vermögensverwaltungsdienstleistungen!) Mehrwerte schaffe, werde langfristig mit dem Mandanten zusammenarbeiten. „Selbst wenn der Vermögensverwalter einen Teil des liquiden Vermögens fürs Management in andere Hände legt, muss das kein Nachteil sein. Es zeugt von echter Mandantenorientierung, die besten Verwalter für die jeweilige Fragestellung einzusetzen.“