Family Office und Venture Capital: Eine passende Kombination

Venture Capital wird zur Finanzierung eines jungen Unternehmens eingesetzt. Family Offices haben sich in den vergangenen Jahren zu ernstzunehmenden Spielern in der Branche etabliert.

Seit Jahren steigen die Investitionen im Venture Capital-Bereich. Venture Capital, auch Wagniskapital oder Risikokapital genannt, ist außerbörsliches Beteiligungskapital, das eine Beteiligungsgesellschaft zur Beteiligung an als besonders riskant geltenden Unternehmungen bereitstellt. Das Investment wird unter einem überdurchschnittlichen Verlustrisiko zur Finanzierung eines jungen Unternehmens eingesetzt. Das kann sich richtig lohnen, Investoren können beim Exit, also einem Unternehmensverkauf, einer Übernahme oder einem Börsengang des Start-ups, mit dreistelligen Renditen belohnt werden. Ein Beispiel dafür war das Unternehmen erdbär, das Fruchtmus für Kinder herstellt, in dem die Investoren mit ihrer Anlage rund 300 Prozent Rendite erzielt haben. Auch bei den Unternehmen doxter und Foodist bewegten sich die Renditen der ersten Anleger sehr nah am dreistelligen Bereich.


Family Offices investieren eigenes Geld 

Daher sind Venture Capital-Investments auch für Family Offices interessant, die damit – genau wie mit Private Equity – eher börsenunabhängige Renditen erzielen und ihr Portfolio diversifizieren wollen. „Ähnlich wie bei Finanzinvestoren steht bei der Investmententscheidung von Family Offices grundsätzlich das Renditepotenzial eines Start-ups oder Wachstumsunternehmens im Vordergrund. Allerdings können auch strategische Überlegungen hinsichtlich des Familienunternehmens eine Rolle spielen. Zudem haben Family Offices – ebenso wie strategische Investoren – in der Regel einen längeren Anlagehorizont als Finanzinvestoren und zielen nicht auf einen schnellen Exit ab, sondern behalten ihre Beteiligungen über einen längeren Zeitraum hinweg. Das lässt sich damit erklären, dass Family Offices eigenes Geld investieren und nicht unter dem Druck von Anlegern stehen, kurzfristige Renditen einfahren zu müssen“, heißt es bei der Wirtschaftskanzlei CMS.


Unternehmerfamilien wollen Kapital sinnvoll und produktiv einsetzen

Dies unterstreicht auch Dr. Michael Riemenschneider, Geschäftsführer des Family Office Reimann Investors, in einem Interview: „Venture Capital ist eine attraktive Investitionsmöglichkeit: Der Markt verfügt über eine hohe Dynamik – und damit über entsprechendes Wertsteigerungspotenzial. Daher haben sich einige Family Offices in den vergangenen Jahren zu ernstzunehmenden Spielern in der Venture Capital-Branche etabliert. Ein Family Office als Wagniskapitalgeber ist attraktiv für Gründer und für die Familienmitglieder: Im Gegensatz zu Venture-Capital-Fonds, die meist um die fünf Jahre engagiert bleiben, ist etwa unser Anlagehorizont für Direktbeteiligungen bewusst langfristig auf sieben bis zwölf Jahre ausgelegt. Das ist eine ungewöhnlich lange Zeit in der Start-up-Szene. Unternehmerfamilien ist es häufig wichtig, dass ihr Kapital sinnvoll und produktiv eingesetzt wird.“


Venture Capital Form des Impact Investing

Frühphasen-Investments seien sehr gut dafür geeignet, Vermögen direkt in Unternehmen mit spannenden Ideen zu investieren und damit beispielsweise medizinische oder technologische Innovationen schon in einem sehr frühen Stadium zu begleiten. Das sei auch eine Form des Impact Investing, also des wirkungsvollen Investierens, um spannenden Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, betont Family Officer Peter Brock, Transaktions- und Impact Investing-Experte. „Ein gutes Beispiel ist die Biotechnologie-Branche. Viele Medikamente und Präparate sind durch Venture Capital-Investments vorangetrieben worden und konnten dadurch eine erstaunliche Wirkung für von bestimmten Erkrankungen Betroffenen erzielen. Als Family Officer werden regelmäßig solche Anfragen an mich herangetragen.“

Wichtig sei, Venture Capital als Bestandteil der übergeordneten Investmentstrategie im Family Office anzusehen. Liegt der Fokus der Familie auf der Weiterentwicklung des Familienunternehmens und erfordert dies den Löwenanteil aller Investitionen, oder sollen neben dem Unternehmen oder nach Verkauf des Unternehmens weitere unternehmerische Direktbeteiligungen aufgebaut werden? „Das ist eine wesentliche Frage und sollte bei der Entscheidung für Frühphasen-Investments immer bedacht werden. Die strategische Integration ist genauso wichtig wie das richtige Asset“, stellt Brock heraus.