Family Office - welche Angebote es gibt

Mandanten, die auf Family Office-Dienstleistungen setzen wollen, sollten sich mit den vielfältigen Möglichkeiten des Marktes genau auseinandersetzen, um den richtigen Partner zu finden.

Single Family Office, Multi Family Office, unabhängiger Vermögensverwalter, Großbank, Privatbank, Rechtsanwalts-, Steuer- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft: Wer sich den Markt mit Family Office-Dienstleistungen in Deutschland anschaut, dem bietet sich ein vielfarbiges Bild. Denn die Bedeutung des Themas „Family Office“ in Deutschland wächst seit einigen Jahren beträchtlich. Waren es früher ausschließlich einige wenige Milliardärsfamilien, die fernab der Öffentlichkeit ein Family Office als familieninterne Finanzabteilung betrieben und darüber Stillschweigen bewahrten, treten diese Organisationseinheiten heute immer mehr zu Tage – viele Single Family Offices, also solche, die sich nur um die Belange einer Familie kümmern, sind am Markt bekannt. Dazu zählen beispielsweise Reimann Investors der Unternehmerfamilie Reimann, das Single Family Office Hasso Plattner Capital oder auch Allegro Invest, dem Family Office von Fressnapf-Gründer Torsten Toeller, die regelmäßig als Finanzinvestoren auftreten.

Insgesamt gibt es nach Schätzungen des Instituts für Familienunternehmen an der WHU – Otto Beisheim School of Management 350 bis 450 Single Family Offices, die sich im Besitz einer deutschsprachigen Unternehmerfamilie befinden. Ziel eines Single Family Office ist es, kurz gesagt, das Familienvermögen zu erhalten und zu mehren, wofür eben ein eigenes Unternehmen errichtet und mit in der Regel hochqualifizierten Mitarbeitern bestückt wird. Das ist aufwendig und teuer, weshalb gilt: „Ab einem dreistelligen Millionenvermögen lohnt sich der Aufbau professioneller Strukturen eines eigenen Family Office“, sagt Prof. Dr. Nadine Kammerlander, Leiterin des Instituts für Familienunternehmen an der WHU.

Im Unterschied zu Single Family Offices, die auf eine Familie oder einen Vermögensinhaber fokussiert sind, sind Multi Family Offices für mehrere Familien Dienstleistungen tätig. Ein Multi Family Office biete mehreren Familien beziehungsweise Vermögensinhabern die Möglichkeit, ihr jeweiliges Family Office unter einem gemeinsamen Dach zu etablieren und sich somit die Kosten zu teilen, mit gebündelter Einkaufsmacht Sonderkonditionen bei Finanzdienstleistern durchzusetzen oder auch gemeinsame Anlageopportunitäten wahrzunehmen, heißt es beispielsweise bei der Düsseldorfer WSH Deutsche Vermögenstreuhand und Family Office, nach eigenen Angaben eines der ersten bankenunabhängigen Multi Family Offices Deutschlands. Letztlich bedeutet das, dass Mandanten beim Multi Family Office die gleichen Leistungen erhalten können wie Familien mit einem Single Family Office – nur eben gemeinsam mit anderen Mandanten. Die Honorierung erfolgt in der Regel pauschal oder auf Stundenbasis, wie der Markt zeigt.

Auch unabhängige Vermögensverwalter und Banken als typische Asset Manager positionieren sich als Anbieter von Family Office-Dienstleistungen. So heißt es beispielsweise beim Family Office der Frankfurter Bankgesellschaft AG: „Für unsere Mandantinnen und Mandanten stellen wir eine unabhängige, transparente und individuell ausgerichtete Infrastruktur für die Familienstrategie und Gesamtvermögensstrategie, die Steuerung des Vermögens sowie das laufende Reporting über alle Vermögenswerte bereit.“ Ein entscheidender Hinweis: „Wir sind weder vermögensverwaltend tätig, noch bieten wir Anlageprodukte an.“ Damit soll die Unabhängigkeit vom Asset Management betont werden, die auch für Jens Spudy, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der Spudy Gruppe, sehr wichtig ist. Zur Spudy Gruppe gehört die Spudy Family Office GmbH mit mehr als elf Milliarden Euro Assets under Control. „Eine Vermögensverwaltung, die sich Family Office auf die Fahnen schreibt, nur um ihre Vermögensverwaltung an den Kunden zu verkaufen, will vor allem Geld verdienen“, sagte Jens Spudy vergangenes Jahr in einem Medienbericht. Dadurch entstehe ein Interessenkonflikt. Seine Kritik: „Jeder Vermögensverwalter kann ‚Family-Office-Leistungen‘ anbieten oder sich Family Office nennen. Dabei sind viele der Family Offices doch verkappte Vermögensverwalter. Aber viele Unternehmen sehen Family-Office-Dienstleistungen als Königsdisziplin und wollen dadurch vertriebliche Chancen nutzen.“

Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Warth & Klein konzentrieren sich vor allem auf die Kombination aus Vermögenscontrolling/Wertpapierreporting, Steuerberatung und Abschlussprüfung, um Mandanten bei ihren Investitionsentscheidungen zu unterstützen. Der Hintergrund: „Neue Investitionsprojekte erfordern rasches Beurteilen und Handeln des Vermögensinhabers. Er muss Fragestellungen aus vielen Perspektiven beleuchten können. Unsere Integrierte Beratung richtet sich an Vermögensinhaber, die ihre Anlageentscheidungen persönlich oder über ein eigenes Family Office organisieren.“

Bei Rechtsanwaltskanzleien wie Peters, Schönberger & Partner kommen zu den typischen Family Office-Dienstleistungen wie eben Vermögensanalyse, Vermögensplanung, Entwicklung und Realisierung einer Vermögensstrategie und der Kontrolle der Vermögensentwicklung auch die Gesamtvermögensbericht und Steuerplanung und die Übertragung von Vermögen zu Lebzeiten oder von Todes wegen, Testamentsvollstreckung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung hinzu.

Zusammengefasst bedeutet das: Mandanten, die auf Family Office-Dienstleistungen setzen wollen, sollten sich mit den vielfältigen Möglichkeiten, die der Markt bietet, genau auseinandersetzen und prüfen, welche Services sie tatsächlich benötigen. Dann finden sie auch den richtigen Partner.