Im Porträt: Family Officer Peter Brock über die Bedeutung einer Family Governance

Vermögende Familien brauchen Strukturen, um das Vermögen zu schützen und weiterzuentwickeln. Die Family Governance hilft dabei und gibt auch die Leitlinien für die Vermögensverwaltung vor.

„Familien brauchen Unabhängigkeit!“ Das ist eine Haupterkenntnis, die sich Peter Brock nach vielen Jahren als Corporate Banker und Family Officer mit einem internationalen Ansatz erarbeitet hat. „Vermögende Familien suchen den Zugang zu hochwertigen, außergewöhnlichen Lösungen, und genauso wollen sie Konzepte dafür finden, ihr Familienvermögen über die Generationen zu sichern, die nachfolgenden Generationen frühzeitig einzubinden und an den verantwortungsvollen Umgang mit dem Vermögen heranzuführen. Daher nimmt der Family Officer als übergeordnete Instanz eine wichtige Rolle bei diesen Familien ein, um Strukturen zu schaffen, das Vermögen zusammenzuhalten und den Überblick über die ganzheitliche Vermögensentwicklung zu behalten. Der Family Officer sollte zwingend unabhängig agieren können und ausschließlich dem Wohl der Familie verpflichtet sein.“

Peter Brock sieht in dieser Struktur indes gar nicht die konkrete Gestaltung der Vermögensverwaltung an erster Stelle. Vielmehr gehe es darum, die Werte einer Familie herauszuarbeiten und dadurch die Frage zu beantworten, wohin die Reise eigentlich gehen solle. Das Stichwort ist für ihn die Family Governance, also die Verfassung einer Familie. Diese gibt unter anderem die Leitlinien für den Umgang mit dem Familienvermögen vor, regelt die strategische Vermögensnachfolge und verteilt die Verantwortlichkeiten für einzelne Geschäftsbereiche zu, sei es in Geschäftsführung, Aufsichts- oder Beirat oder einer ganz anderen Funktion.

Peter Brock

Family Governance dient zur ganzheitlichen und nachhaltigen Gestaltung

„Ich sehe in meiner Praxis im Family Office-Management regelmäßig, dass die Familienverfassung das A und O einer gelungenen ganzheitlichen und nachhaltigen Gestaltung ist. Eine individuelle Familienverfassung schafft Ruhe und Gelassenheit und ermöglicht eben größtmögliche Unabhängigkeit. Denn wenn ein Rahmen definiert ist, an den sich die Familienmitglieder halten, dann können Entscheidungen viel schneller und einfacher getroffen werden – bis hin zu konkreten Investitionsentscheidungen. Das Risiko für Fehlentscheidungen wird damit maßgeblich reduziert, ebenso die Gefahr, in die Abhängigkeit von Beratern und Verkäufern zu geraten“, betont Peter Brock. Die Familienverfassung weise diese Entscheidungsbefugnisse zu und regele gegebenenfalls den Umgang mit externen Dienstleistern.

„Das macht die Zusammenarbeit mit externen Vermögensmanagern natürlich für die Familie und das Family Office wesentlich einfacher. Wer alle Details frühzeitig klärt, kann hinterher nichts vergessen und ist besser vor Fehlentscheidungen geschützt. Das folgt einer klaren Prämisse: Aus den übergeordneten Werten einer Familie wird die konkrete Investmentstrategie abgeleitet. Die Werte stehen jederzeit an erster Stelle und werden nicht, auch nicht kurzfristig, Rendite-, Liquiditäts- oder Risikoerwägungen geopfert.“

 

Diversifizierung im Zentrum

Apropos Investmentstrategie: Für Family Officer Brock steht dabei die Frage nach der Diversifizierung weit oben. „Besteht ein Vermögen beispielsweise weitestgehend aus Wertpapieren und Bargeld, sollten Immobilien und unternehmerische Beteiligungen beigemischt werden, um Chancen und Risiken breiter zu streuen. Wichtig ist, auf Grundlage der Familienverfassung gemeinsam zu entscheiden, welche Allokation bezüglich der übergeordneten Assetklassen die richtige ist. Bei vermögenden Familien kann es noch weniger Standardlösungen geben als generell in der professionellen Vermögensverwaltung“, betont Peter Brock.

Alle Produkte und Beteiligungen müssten vor dem Einsatz einer umfassenden Due Diligence-Prüfung unterworfen werden. Dadurch werden Fragen beantwortet wie: Welche Risiken können für die Familie bei einem Engagement lauern? Passt das Investment überhaupt ins Wertegerüst der Familie und zu den übrigen Investments? Führt ein Engagement zu Klumpenrisiken? Kann es zu Konflikten innerhalb des Investmentportfolios kommen, weil ein Produkt oder eine Beteiligung im Wettbewerb zu einem bestehenden Investment führt, was auf den ersten Blick gar nicht sichtbar war? „Der Family Officer ist gefragt, diese Informationen zu sammeln, aufzubereiten und der Familie für die Entscheidungsfindung zu präsentieren“, weiß Brock.

 

Bedeutung des Impact Investing wächst

Immer wichtiger bei vermögenden Familien werde ein nachhaltiger Ansatz beziehungsweise der Wunsch, mit dem Gesamtvermögen etwas zu bewegen, ohne aber das Geldverdienen und die reine finanzielle Rendite zu vernachlässigen. „Die soziale, ökologische und ökonomische Rendite im Sinne des Impact Investing soll eindeutig messbar sein. Dies funktioniert zumeist über direkte unternehmerische Beteiligungen beziehungsweise komplexes Projektgeschäft, die Familie tritt dann als Private Equity-Investor auf. Impact Investing-Konzepte finden sich mittlerweile in so gut wie allen gehobenen Portfolios. Aufgabe des Family Officer ist es, diese Prozesse zu begleiten, interessante Investmentziele auszuwählen und natürlich auch laufend zu prüfen, ob die zuvor definierten Ziele erfüllt werden“, sagt Peter Brock, der aktuell maßgeblich an der Gründung der Bundesinitiative Impact Investing beteiligt ist und den Markt gut kennt.