Feedback, Einarbeitung und Freundlichkeit? Nur in der Theorie!

Die Hürde der ersten 100 Tage – nicht nur in der Politik, sondern auch am Arbeitsplatz

Ab dem ersten Tag im neuen Job beginnt der Ernst des Lebens an einem bisher unbekannten Arbeitsplatz. In dem Bewerbungsgespräch haben Sie sich so gut verkauft, dass Sie, wie man sagt genommen worden sind. Jetzt müssen Sie sich und Ihr Können in der Praxis unter Beweis stellen. Ab jetzt stehen Sie unter mehrfacher Beobachtung; einerseits von Ihren Teamkolleg/innen, andererseits von Ihrem unmittelbaren Vorgesetzten, dem Chef. Naturgemäß möchten Sie möglichst viel richtig machen. Sie kommen mit vielfältigen Erwartungen und Vorstellungen an Ihren Arbeitsplatz, und Sie stellen sich die bange Frage: was bringen die kommenden 100 Tage, grob gerechnet das nächste Vierteljahr?


Recruiting-Softwareanbieter Softgarden mit teils erschreckenden Erkenntnissen

Eine umfassende Studie der softgarden e-recruiting GmbH mit Sitz in Berlin hat erstaunliche bis teilweise befremdliche Ergebnisse ans Tageslicht gebracht. Ausreichendes Knowhow des Newcomers ist zweifellos vorhanden, sonst hätte er die Stelle gar nicht bekommen. Jetzt geht es darum, Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit zu bündeln. Damit das erfolgreich klappt, sind Feedback, Unterstützung sowie eine gefühlte Willkommenskultur geradezu unentbehrlich. Dass in diesen Bereichen zum Teil erhebliche Defizite bestehen, wird an den folgenden Beispielen deutlich. Befragt worden sind etwa 2.500 Bewerber/innen. Ein Fazit aller Antworten lässt sich so zusammenfassen, dass aus deren Sicht zwischen Erwartungen einerseits und der Realität andererseits eine deutliche bis große Lücke klafft.

• 80 Prozent der Befragten wünschen sich von Ihrem direkten Chef eine klar formulierte Erwartungshaltung. Nur in knapp der Hälfte der Jobs war das zur vollen Zufriedenheit der Fall.

• Ein Feedback ist wünschenswert bis hin zu unerlässlich, so der Wunsch von 63 Prozent der Umfrageteilnehmer. Doch lediglich 24 Prozent von ihnen haben es in den ersten 100 Tagen kontinuierlich erhalten. Bei weiteren 30 Prozent war es sporadisch; und bei einem Teilnehmer reduzierte sich das anfänglich wöchentliche auf ein Mitarbeitergespräch „ab und zu“ respektive „bei Bedarf“.

• Ein Fall wurde in der Studie so geschildert, dass der Vorgesetzte die Einarbeitung des Neuen einem seiner Kollegen übertrug. Der war dafür zuständig und verantwortlich. Dadurch ergab sich überhaupt kein Feedback zwischen Chef und Mitarbeiter.

• Für einen anderen Befragungsteilnehmer fand das erste direkte Gespräch zum Ende des ersten Monats statt. Das wurde als deutlich zu spät und im Übrigen als sehr inhaltsleer empfunden.

• Dass ein neuer Mitarbeiter nicht auf Anhieb alles wissen und alles richtig machen kann liegt auf der Hand. 46 Prozent von ihnen wünschen sich und erwarten von ihrem Chef, dass ihm diese Situation bewusst ist und er seriös damit umgeht, gelassen bleibt sowie den einen oder anderen Tipp gibt. 34 Prozent der Befragten konnten diese Erwartung positiv bestätigen, und weitere 31 Prozent mit der Formulierung „hat oftmals, aber keineswegs immer und durchgängig geklappt“.

• Mangels Verfügbarkeit des direkten Vorgesetzten wendet sich der Newcomer mit seinen Fragen und Problemen oft und gerne an seine Kollegen im Team. 74 Prozent der Befragten erhofften sich von denen eine hilfreiche, wirksame und ehrliche Unterstützung; bekommen haben sie lediglich 45 Prozent der Umfrageteilnehmer/innen.

• Etwa Zweidrittel der Fachkräfte ganz allgemein sehen ihren Vorgesetzten als für die Digitalisierung nicht ausreichend gerüstet. Für die Zukunft erwarten sie von ihrem Chef mehr als nur bloßes Durchsetzungsvermögen.

• Eine große Unbekannte sind die ungeschriebenen Gesetze, die es in jedem Unternehmen gibt. 62 Prozent der Befragten wollten so frühzeitig wie möglich damit vertraut gemacht werden. 33 Prozent von ihnen haben in der Umfrage diesen Punkt mit einem klaren Ja beantwortet, und weitere 31 Prozent mit „trifft eher zu“. Einer der Befragten wurde von seinen Kollegen bei Fehlern, die problemlos vermeidbar gewesen wären, auflaufen gelassen.


• Zum Abschluss noch zwei lockere Chefsprüche aus der Softgarden-Umfrage:
- Herzlich willkommen; hier ist Dein Office, hier ist Dein Team; ich wünsch Dir alles Gute!
- Du bist der Manager, lass Dir was einfallen!