Frauen in der Fondsbranche? Mangelware!

Noch immer dominieren Männer die Investmentfondsbranche. Mit der Initiatorin des Karrierenetzwerks Fondsfrauen und Gründerin von herMoney, Anne E. Connelly, sprach Kirsten Kücherer über die Gründe dafür und ermuntert Frauen, selbst tätig und mutiger zu werden.

„Es tut sich schon etwas in punkto Frauen in der Fondsbranche, keine Frage, aber es tut sich wenig“, so das Urteil von Anne E. Connelly, die mittlerweile auf 30 Jahre in der Finanzindustrie zurückblicken kann. Ihre Karriere begann 1989 bei Pioneer Investments in den USA bevor sie 1992 nach Deutschland zurückkehrte. Nach langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin von Morningstar Deutschland wechselte sie dort schließlich ins europäische Management. 

Anne E. Connelly

 

Karrierenetzwerk Fondsfrauen

Der Knackpunkt für Connelly, persönlich tätig zu werden, war als die Frauenquote in Deutschland Realität wurde. „Damals tummelte ich mich bereits 25 Jahre in der Branche und fragte mich, was wir eigentlich für Frauen tun.“  So wurde 2014 auf ihre Initiative hin das Karrierenetzwerk Fondsfrauen gegründet. Die Fondsfrauen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz haben mittlerweile über 2.000 Frauen als Mitglieder und 30 Unternehmen, die das Netzwerk unterstützen. Dabei ist es für Connelly wichtig zu betonen, dass man sich nicht gegen Männer richte: „Was wir machen, ist eben einfach nur für Frauen.“ Dies gilt auch für Connellys unabhängiges Finanzforum für Frauen: Mit herMoney will sie Frauen ermuntern und ihnen Wege aufzeigen, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. 

 

„Mit Investieren tun sich Frauen schwer, sie sparen immer noch.“

Die Fondsfrauen haben sich angeschaut, wie hoch der Frauenanteil im Portfoliomanagement in Deutschland ist. Bei den in Deutschland domizilierten Fonds sind es weniger als 7 Prozent, bei den in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen beträgt der Anteil um die 9 Prozent. 

Was die Wertentwicklung der Fonds angeht, gibt es kaum Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Fondsmanagern. „Frauen erwirtschaften tendenziell eine stetere Performance“, so Connelly. Dies spiegelt auch das Verhalten von Anlegerinnen wider. „Generell sind Anlegerinnen zögerlicher bei einer Geldanlage, sie sind deutlich misstrauischer als Männer, wollen mehr Informationen, bevor sie ein Produkt kaufen.“ Frauen wollen also keine produktorientierte Beratung, für sie ist das Thema Geld eine Vertrauenssache. Aber wenn sie dann mal so weit sind und sich entschieden haben, sind sie sehr treue Kundinnen und auch gute Anlegerinnen. Oft genug fehle ihnen aber der letzte Schritt, um tatsächlich zu investieren. „Mit Investieren tun sich Frauen schwer, sie sparen immer noch.“ Mit herMoney will Connelly auch dabei helfen, hier den entscheidenden Kick zu geben. 

 

Stereotypen und unbewusste Vorurteile

Ein wichtiges Thema sind Stereotypen und unbewusste Vorurteile (unconscious bias). Ein Beispiel dafür: das „Heidi-Howard-Experiment“, das zeigt, dass Männer und Frauen – bei gleichem Verhalten - ganz unterschiedlich beurteilt werden. Man legte Studenten und Studentinnen eine Fallstudie vor, die die steile Karriere eines Mannes namens Howard Roizen im Silicon Valley schildert. Die Reaktion der Studenten war durchweg positiv: Mit ihm, diesem kompetenten Geschäftsmann, würde man gerne zusammenarbeiten. Wurde Howard aber in Heidi umbenannt– bei völlig identischem Lebenslauf - bewerten die Studierenden anders. Heidi, um ihren Lebenslauf handelte es sich in Wahrheit, wird ihr Erfolg als Arroganz und Selbstinszenierung ausgelegt. Connelly weiß, dass diese unconscious-bias-Mechanismen, die wir alle in uns tragen, starke Hebel sind: „Sich dieser Mechanismen bewusst zu werden, ist ein wichtiger Schritt.“ 

 

Fearless girls gesucht

Die Gründe für den geringen Anteil von Frauen in der Finanzindustrie herauszufinden, war das Ziel der „Fearless girls?”-Studie der Uni Mannheim im Auftrag der Fondsfrauen. Im Ergebnis gibt die Branche ein schlechtes Bild ab, sie sei wenig familienfreundlich und männerdominiert und oft gibt es eine Nichtvereinbarkeit des Jobs mit den eigenen Moralvorstellungen. „Dass die persönliche Integrität und die eigenen moralischen Wertvorstellungen mit den Erfordernissen im Job vereinbar sind, ist für weibliche Studierende signifikant wichtiger als für männliche“, so Connelly. Dazu komme eine hohe Wettbewerbsintensität, an denen Frauen weniger Spaß zu haben scheinen. Auch der vermutete, nicht so stark ausgeprägte Teamgeist in der Finanzbranche schreckt Frauen tendenziell ab. „Es ist so, dass viele Frauen die Finanzwelt als sehr männlich wahrnehmen und sich in diesem Umfeld einfach nicht wirklich wohlfühlen.“ Connelly erlebt bei ihrer Arbeit bei den Fondsfrauen, dass vor allem jüngere, gut ausgebildete Frauen, die in die Branche einsteigen, verwundert sind über die große Dominanz der Männer und die damit verbundenen Verhaltensweisen; dies drückt sich zum Beispiel im Ringen um Machterhalt, engen Männer-Seilschaften oder auch in Sexismus aus. 

 

Hackordnung unter Männern versus ökonomisch lohnende Diversity

Darum muss man als Frau verstehen, wie die Machtgefüge der Männer funktionieren. Connelly dazu: „Bei Männern gibt es eine Hackordnung, und wer das Alphamännchen ist, das ist relativ flott ausgemacht – und dann reihen sich tendenziell alle brav ein.“ Frauen machen das nicht. „Wir akzeptieren nicht jemanden de facto als das Alphatier und folgen ihm dann blind.“ Dies störe die bestehenden Machtstrukturen und damit müssen Menschen und Unternehmen umgehen lernen. Sollten sie auch, denn schließlich ist Diversity nachgewiesenermaßen auch ökonomisch rentabel. So hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die mehr Frauen in Senior-Positionen beschäftigen, erfolgreicher sind als diejenigen, die das nicht tun. So zum Beispiel das Ergebnis einer Studie des Petersen Institute for International Economics: Ein Zuwachs weiblicher Führungskräfte von 0 auf 30 Prozent hängt mit einem Plus der Nettoerträge um 15 Prozent zusammen. 

 

Nur Mut! Netzwerken, und Mentoren und Vorbilder suchen

Connelly weiter: „Weil sich in der Branche zu wenig tut, haben wir bei den Fondsfrauen kürzlich ein Nachwuchsprogramm aufgelegt. Wir wollen Studentinnen für die Branche begeistern – und damit just in den Bereichen etwas bewirken, in denen es noch sehr wenige Frauen gibt: im Portfoliomanagement, im Vertrieb und im Produktmanagement.“ Ihr Rat an Frauen, die in der Branche Fuß fassen wollen? „Vernetzen Sie sich, auch mit uns Fondsfrauen, bauen Sie sich Ihr eigenes Netzwerk auf, nutzen Sie Mentoring- und Diversity-Programme! Suchen Sie sich weibliche Vorbilder!“  Vorbilder sind wichtig, wenn es darum geht, mehr Frauen zu ermuntern, in der Fondsbranche tätig zu werden. Damit weibliche Vorbilder wirken, müssen es realistische Vorbilder sein, solche, in denen man sich – zumindest zum Teil – wirklich wiederfindet.