Jessica Schwarzer
Journalistin, Moderatorin, BuchautorinNachricht senden

Frauen könnten gigantische Summen investieren

Sie haben Milliarden angespart, aber investieren nicht. Der Grund: fehlendes finanzielles Selbstbewusstsein. Nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Phänomen. Wie Frauen als Anlegerinnen ticken, zeigt eine neue Studie.

Diese Summe ist gigantisch: Europäerinnen zwischen 30 und 65 Jahren haben Rücklagen von rund 200 Milliarden Euro angespart. Allein auf Deutschland und Österreich könnten davon 45 Milliarden Euro entfallen. Das ist nur eine der Erkenntnisse einer europaweiten Umfrage zum Thema Frauen und Geldanlage von J.P. Morgan Asset Management, für die insgesamt rund 3.000 Frauen sowie eine Vergleichsgruppe von 600 Männern befragt wurden, die jeweils bereits Spar- oder Anlageprodukte nutzen oder über ein bestimmtes Mindesteinkommen verfügen.

Theoretisch könnten die fleißigen Sparerinnen dieses Geld am Kapitalmarkt anlegen, zumindest teilweise. Doch die meisten scheuen davor zurück. Ein  Grund ist neben ausbaufähigen Anlagekenntnissen der Umfrage zufolge zu wenig Zeit in der Alltagshektik. Die Folge: Das Geld liegt mehr oder weniger unverzinst auf Giro- und Sparkonten herum. Die Aktienquoten sind gering. Für Deutschland und das deutschsprachige Ausland ist dieser Befund wenig überraschend. Studien zeigen immer wieder, wie gering die Aktienquote der Frauen ist. Sie sind deutlich zurückhaltender als Männer, wenn es um Kapitalanlagen geht. Einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge legen beispielsweise 22 Prozent der Männer in Aktien oder Fonds an, bei Frauen sind es nur 15 Prozent.

Eine wichtige Erkenntnis der neuen Studie von J.P. Morgan: Frauen sind weniger selbstbewusst im Umgang mit Geld als Männer. Laut der Umfrage gibt mit 34 Prozent zwar ein Drittel der Frauen an, über ein hohes Selbstvertrauen im Umgang mit Geld zu verfügen. Bei den Männern ist es mit 46 Prozent aber fast die Hälfte der Befragten. Frauen glauben zudem, dass sie über geringere Anlage- und Finanzkenntnisse verfügen – nur eine von fünf Frauen bezeichnet sich beim Thema Geldanlage als sachkundig. Bei den Männern ist es etwas mehr als ein Drittel. Fast 60 Prozent der Frauen vertreten zudem die Meinung, dass es schwierig ist, genügend Zeit während des Tages aufzubringen, um alle To-Dos zu erledigen. Daraus abgeleitet nehmen sich Frauen entsprechend weniger Zeit für die Geldanlage als Männer, von denen 40 Prozent mehr Zeit für den Vermögensaufbau einplanen.

Dabei ist es gerade für Frauen wichtig, finanziell vorzusorgen. Denn ihre Rentenlücke ist immens, noch größer als die ihrer Partner. Frauen erhalten gut ein Viertel weniger gesetzliche Rente vom Staat als ihre männlichen Kollegen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie im Auftrag von Fidelity International. Dieses „Gender Pension Gap“ ließe sich mit relativ kleinen monatlichen Sparraten schließen, wie die Studie zeigt. Doch die wenigstens Frauen werden aktiv.

Diejenigen, die bereits investieren, bewerten ihr Selbstvertrauen höher als Frauen, die nicht investieren. Dabei zeigte sich mit 51 Prozent die Hälfte der investierenden Frauen überzeugt, die richtige Vorsorge für die Zukunft getroffen zu haben, verglichen mit einem Drittel der Frauen, die nicht investieren. „Unsere Befragung zeigt, dass die Finanzbranche Frauen viel stärker einbinden könnte, damit sie ihr Vermögen vermehren und ihre Anlageziele besser erreichen“, sagt Pia Bradtmöller, Leiterin Marketing & PR bei J.P. Morgan Asset Management. „Wir können mehr tun, um Frauen Informationen anzubieten, die einfach zugänglich und ansprechend sind. Dann können Frauen aktiver werden, wenn es darum geht, ihr Erspartes zu vermehren und die Kontrolle über ihre finanzielle Zukunft zu übernehmen.“ Eine Erkenntnis, die sich in der Branche immer weiter verbreitet. Auch Wettbewerber haben das Thema erkannt und gehen es an. 

„Da so viele Frauen über Bareinlagen und Sparprodukte verfügen, bietet sich ein enormes Wachstumspotenzial, wenn man sie darin bekräftigt, langfristig mehr aus ihrem Geld zu machen“, ergänzt Christoph Bergweiler, Leiter Deutschland, Österreich, Zentral- und Osteuropa sowie Griechenland bei J.P. Morgan Asset Management. Natürlich seien mit dem Engagement in Wertpapieren auch Risiken verbunden. Wer allerdings gar nicht investiere, riskiere langfristige finanzielle Ziele nicht zu erreichen. „Der Bedarf an Finanzbildung und Beratung bei Frauen ist hoch. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, Frauen in Finanzthemen besser zu informieren und dadurch positives Selbstvertrauen für Finanzentscheidungen zu stärken“, so Bergweiler. „Dann können Frauen eigenes Vermögen und eine eigene Vorsorge aufbauen. Wertpapieranlagen spielen dafür langfristig eine wichtige Rolle.“