Frontier Markets: Auf der Schwelle

Emerging Markets sind in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus der Anleger gerückt. Doch diverse Krisen und politische Risiken haben viele Investoren abgeschreckt. Doch es gibt eine Alternative: Frontier Markets.

Frontier Markets sind zwar noch instabiler als Schwellenmärkte, dennoch fehlen sie zu Unrecht im Portfolio vieler Anleger. Im Vergleich zu den Emerging Markets befinden sich die Frontier Markets noch in einem sehr frühen Stadium der wirtschaftlichen, politischen und kommerziellen Entwicklung. Hier liegen aber auch die Chancen, die in den Schwellenländern längst nicht mehr zu finden sind. Denn wer jetzt in Frontier Markets einsteigt, könnte nahezu von Beginn an vom erwarteten Wirtschaftswachstum profitieren.

Frontier Markets entsprechen einem „neuen“ Segment von Schwellenländermärkten, in dem die meisten Anleger sich nur in begrenztem Umfang engagieren. Diese Märkte sind von Natur aus relativ klein und weniger liquide als die etablierten Schwellenländermärkte.
Ein Frontier-Markt weist folgende typische Merkmale auf: Es ist ein Land mit niedrigem/mittlerem Pro-Kopf-Einkommen und einem im Vergleich zu den weiter entwickelten globalen Schwellenländern relativ unterentwickelten Kapitalmarkt. In einigen der Märkte sind ausländische Beteiligungen eingeschränkt, doch in der großen Mehrzahl der Fälle ist eine Anlage über die lokale Börse möglich.
Aus Risikogesichtspunkten interessant

Weitere typische Merkmale der Noch-nicht-Schwellenländer sind deshalb ein niedriger Anteil an ausländischen Investoren und eine geringe Korrelation zu den Märkten der Industriestaaten sowie der großen Schwellenländer wie China, Russland, Brasilien oder Indien. Zur Risikosteuerung trägt noch bei, dass ein Ereignis in einem Frontiermarkt in der Regel wenig Einfluss für die Entwicklung in einem anderen Land hat. Beispielsweise dürfte ein Regimewechsel in Ägypten kaum Auswirkungen auf die Aussichten für Argentiniern haben.
Viele der Volkswirtschaften, wie beispielsweise Sri Lanka, Bangladesch oder Kenia stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung. Entsprechend groß ist das Wachstumspotenzial. Reformen und Konvergenz-Stories mit starkem Wachstum finden ebenfalls vielerorts statt. Im Gegensatz zu vielen Industrieländern haben Frontier Markets außerdem eine junge, wachsende Bevölkerung, die zu einer sich weiterentwickelnden Arbeiternehmerschaft und einem höheren Inlandskonsum beiträgt.
Eigener Index seit mehr als zehn Jahren

Die Frontier-Märkte werden immer mehr als eine separate Anlageklasse anerkannt. Das zeigte sich in der Auflegung des MSCI Frontier Markets Index im November 2007. Es gibt keine Überschneidungen zwischen dem MSCI Emerging Markets und dem MSCI Frontier Markets Index, obwohl die Märkte vom Frontier Markets Index in den Emerging Markets Index aufsteigen können und umgekehrt.

Doch wo eine höhere Rendite winkt, sind auch die Risiken größer. Eine ganze Reihe der Frontier Markets sind von Demokratie und Rechtsstaat noch weit entfernt. Plötzliche Währungsabwertungen, Verstaatlichungen oder sogar Umstürze und Bürgerkriege können ganz schnell einen hoffnungsvollen Aufschwung zunichtemachen.


Beschränktes Anlageuniversum

Ein weiteres Problem ist bisweilen die geringe Liquidität. Frontier-Aktien und -Anleihen werden weniger gehandelt als herkömmliche Anlagen aus Schwellenländermärkten und sind im Allgemeinen mit höheren Handelskosten verbunden. Die Liquidität ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. In einigen Märkten fehlt es im Vergleich zu reiferen Schwellenländermärkten an Umfang und Tiefe.
Zeitweise können in diesen Märkten auch deshalb Phasen mit erhöhter Volatilität auftreten. Häufig liegen nur wenige Informationen zu Unternehmen, Ausgaben und Einnahmen im öffentlichen Sektor und dem politischen Risiko vor. Allerdings kann dieses „Informationsrisiko“ Chancen für aktive Anleger eröffnen, die bereit sind, langfristig zu investieren.