Fünf Thesen zur Zukunft deutscher Payment-Systeme

Mit BS Payone und Concardis haben binnen von wenigen Tagen gleich zwei der aufstrebenden Global Player der europäischen Payment-Branche ihre Eigenständigkeit aufgegeben. Diese Entwicklung passt gut in das Bild: Bereits seit Monaten ist festzustellen, dass die deutsche und die europäische Payment-Branche sich in einem Zustand der Konsolidierung befindet. Mit einem kurzen Blick auf die einstigen Thesen und Prognosen in diesem Bereich, lassen sich einige Vermutungen anstellen, wie es in den kommenden Monaten und Jahren weitergehen wird.

 

1. Der Versuch eines großen deutschen Payment-Anbieters ist gescheitert

Man war mit großen Plänen auf den Markt gekommen und wollte Synergien finden, mit denen man am Ende einen großen Payment-Riesen für die DACH-Region schafft. Nach dem Ende der Eigenständigkeit für die beiden größten Mitspieler in diesem Projekt lässt sich wohl sagen, dass diese Ambitionen und der Versuch an sich gescheitert ist. Die große Frage dürfte sein, welche Folgen das für die entsprechenden Mitspieler hat und welche Konsequenzen man in den verschiedenen Zentralen der Investoren daraus ziehen wird.

 

2. Die Sparkassen haben ihr wichtiges Projekt auf dem Markt doch verloren

Ursprünglich sollte BS Payone, ein Projekt an dem unter anderem der Sparkassenverlag erheblich beteiligt ist, nur von einem Minderheitsinvestor unterstützt werden. Zu diesem Zweck war man im letzten Jahr auf die Suche nach Investoren gegangen. Nun ist es doch ganz anders gekommen: BS Payone wurde von der Konkurrenz mehr oder weniger geschluckt, der Sparkassenverlag hält nur noch einen Minderheitsanteil von 42 Prozent an dem einstigen Projekt. Damit sind die Ambitionen der Sparkassen, sich auf dem Markt für Payment durchzusetzen, vermutlich erst einmal gebremst.

 

3. Keine Kontrolle der Sparkassen über das eigene Projekt mehr

Es geht hier aber nicht nur um die fragwürdigen Gewinne eine Investition, die viel ambitionierter waren, als es die Realität hergab. Wollen die Sparkassen mit BS Payone weiterhin auf dem Markt aktiv sein, stellt sich nun die berechtigte Frage, wie sie das anstellen wollen. Es ist zu bezweifeln, dass sie mit ihrem geringeren Anteil noch einen ernsthaften Einfluss auf die künftige Ausrichtung der Projekte haben werden. Selbst dann, wenn am Ende wirklich Cash geflossen ist, könnte das Projekt von kritischen Stimmen als vollständiger Reinfall für den Sparkassenverlag angesehen werden.

 

4. Das neue Joint-Venture verfügt über zu viele doppelte Strukturen

Die Übernahme durch Easycash stellt alle Beteiligten vor eine Herausforderung. In vielen Bereichen überschneiden sich die Angebote Easycash und BS Payone, was am Ende dazu führen wird, dass man sich von bestimmten Strukturen trennen und konsolidieren muss. Inwiefern Synergien jetzt noch gefunden werden können oder man versuchen wird, einen großen Teil von BS Payone einfach zu liquidieren, dürfte eine der großen Fragen in den kommenden Monaten sein.



5. Der deutsche Markt für Payment kennt nur noch einen echten Anbieter

Telecash ist der einzig verbliebene deutsche Anbieter, der jetzt noch eigenständig auf dem Markt zu finden ist. Nachdem man aber auch hier versucht hatte, sich BS Payone zu sichern, könnte nun die Frage aufkommen, ob Telecash selbst zu eine Kandidaten für eine Übernahme wird. Spätestens an diesem Punkt wären die ambitionierten Projekte mit einem "Made in Germany" Stempel für den Moment vollkommen vom Markt verschwunden.