Für Amazon spielt der Onlineshop nur eine Nebenrolle

Der vermeintliche Online-Versandhandel Amazon hat in den letzten Jahren verschiedenste Dienstleistungen außerhalb seines Kerngeschäfts etabliert. Mit einem eigenen Streamingdienst, einer gestärkten Infrastruktur, Multimedia-Bibliotheken und dem Cloud-Dienst AWS ist man in vielen Bereichen tätig

Der vermeintliche Online-Versandhandel Amazon hat in den letzten Jahren verschiedenste Dienstleistungen außerhalb seines Kerngeschäfts etabliert. Mit einem eigenen Streamingdienst, einer gestärkten Infrastruktur, Multimedia-Bibliotheken und dem Cloud-Dienst AWS ist man in vielen Bereichen tätig, die nichts mehr mit dem Versandhandel zu tun haben. Ein Blick auf die Quartalszahlen von Amazon offenbart zudem recht deutlich, wie wichtig die anderen Dienste für den Gewinn des Konzerns geworden sind.

Starke Diversifizierung und Verlagerung der Prioritäten

35,7 Milliarden Dollar Umsatz und ein operativer Gewinn von 1,01 Milliarden Dollar stehen derzeit bei Amazon in den Büchern. Dabei würde man davon ausgehen, dass der Handel mit Waren jeder Art zumindest einen hohen Anteil an den Gewinnen hat. Das ist nicht der Fall. Dafür lohnt sich ein Blick auf den AWS-Dienst: Bei 3,66 Milliarden Dollar Umsatz erreicht diese Sparte einen Gewinn von 890 Millionen Dollar. Dieser Bereich alleine erwirtschaftet also knapp 90% der Gewinne des Konzerns. Aber was ist AWS eigentlich? Es handelt sich um eine technische Dienstleistung, bei der Unternehmen Speicher in der Cloud, Software und andere Dienstleistungen dieser Art On-Demand in Anspruch nehmen können. Für Privatkunden ist dieses Geschäft natürlich weniger interessant - in der Geschäftswelt wachsen Akzeptanz und Nutzung in den vergangenen Jahren aber deutlich.

Mit über 40% Wachstum und einem so hohen Gewinn dürfte AWS derzeit einer der attraktivsten Dienste im Bereich der Internet-Dienstleistungen sein. Nachdem aus dem Silicon Valley zuletzt eher enttäuschende Projekte wie Snap (Snapchat) oder der Taxi-Dienst Uber zu bemerken waren, wäre AWS eine erfolgsversprechende Investition. Trotzdem verzichtet man bei Amazon darauf, dass der Dienst eigenständig an die Börse geht. Das passt zum allgemeinen Plan der Entscheider im Konzern: Unternehmenschef Jeff Bezos verfolgt noch immer seine Strategie der langfristigen Entwicklung. Dabei spielt AWS eine besondere Rolle, hat Amazon doch über viele Jahre nur rote Zahlen geschrieben.

Starke Konkurrenz für Amazon im Cloud-Markt

Das Kerngeschäft wird Amazon trotzdem nicht vernachlässigen. Der Kontakt zu den direkten Kunden im Einzelhandel ist das wichtigste Werkzeug für die allgemeine Bekanntheit. Trotzdem wäre es fahrlässig, wenn man nicht weiterhin neue Dienste entwickeln würde, die die Abhängigkeit vom Verhalten der Konsumenten in diesem Markt verringern. Zudem ist es so, dass sich Amazon momentan einer noch ungewissen Konkurrenz stellen muss. Der Markt für Cloud-Produkte ist noch in einer Frühphase und es gibt viele Spieler auf dem Markt, die das Potential haben, zu einer echten Gefahr für AWS zu werden. Microsoft hat mit Azure eine eigene Dienstleistung entwickelt und auch Google versucht die Versäumnisse der Vergangenheit nachzuholen.

Für Amazon ist die Diversifizierung seiner Dienste von hoher Wichtigkeit. Inzwischen verbindet man das Unternehmen nicht mehr alleine mit seinem Handel für Bücher, Drohnen und andere Produkte. Gerade für Unternehmen wird die Marke interessant. Es ist wichtig, dass man auch in den nächsten Jahren seine Ansprüche auf dem Markt für B2B halten und erweitern kann. Eine gute Einzelhandels-Sparte gibt dafür die nötige Stabilität bei den nötigen Investitionen.