Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank möglich?

Noch im Februar 2008 wurde Josef Ackermann für die Geschäftsentwicklung der größten deutschen Bank gefeiert. Im vorangegangenen Jahr konnte die Bank einen Rekordgewinn von 6,5 Milliarden erzielen. Das Ganze wurde durch den 60. Geburtstag Ackermanns abgerundet.

Bis heute ist der Gewinn von 6,5 Milliarden Euro ein Rekord für eine deutsche Bank. Dabei griff die Finanzkrise bereits auf die Finanzinstitute über und brachte diese im internationalen Rahmen ins Wanken. Zum damaligen Zeitpunkt gratulierte auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zum erfolgreichen Geschäftsjahr. Für einige Finanzmagazine bedeutete das gute Ergebnis der Deutschen Bank, dass das Geldinstitut auf dem besten Wege zur wohl größten und wichtigsten Bank ist. Doch ein Blick in die Gegenwart zeigt, dass vom einstigen Riesen nur noch ein Schatten geblieben ist. Das liegt jedoch nicht nur an der Finanzkrise. Vor allem das jahrelange Missmanagement sorgte für Verluste in Milliardenhöhe. Zudem haben viele Investoren das Vertrauen in die Deutsche Bank und das Management verloren. Im Vergleich zum damaligen Aktienkurs verzeichnete die Deutsche Bank einen Kursverlust von rund 80 Prozent. Mittlerweile ist die Bank Lichtjahre von den internationalen Konkurrenten entfernt.

Auch bei der Commerzbank lässt sich ein tiefer Fall beobachten. Ende 2008 musste die Commerzbank sogar vom deutschen Staat gerettet werden. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Bank deutlich kleiner und bewegt sich kontinuierlich in Richtung Bedeutungslosigkeit. Der Abstieg verdeutlicht sich auch mit dem Abschied aus dem Dax. Mit Wirecard befindet sich mittlerweile ein aufstrebender Kandidat in den Startlöchern, der die Position der Commerzbank einnehmen wird. Die Commerzbank wird somit nicht mehr zu den 30 größten börsennotierten Unternehmen des Landes gehören.

 

Politik möchte den Niedergang der Banken verhindern 

Das der Niedergang mittlerweile für jeden ersichtlich ist, ruft nun auch die Politik zum Handeln auf. Nach der Finanzkrise zeigte sich die Regierung eher konservativ über die Entwicklung der Banken. Nun wird die Bundesregierung allerdings auf eine besondere Art der Industriepolitik setzen. Insbesondere der Vizekanzler Olaf Scholz zeigt ein großes Engagement. Die Banken müssten demnach mit der Industrie wachsen, sodass diese auch von den deutschen Geldinstituten begleitet werden können. Die Worte von Vizekanzler Scholz lassen jedoch auch die Erwartungen der Marktteilnehmer ansteigen, denn einige Experten erwarten einen Zusammenschluss der beiden Geldhäuser. Das Interesse eines Zusammenschlusses existiert jedoch nicht nur aufseiten der Bundesregierung, sondern Christian Sewing und Martin Zielke, die beiden Vorstandsvorsitzenden der Banken, können sich eine Kooperation durchaus vorstellen.

Laut den Aussagen interner würde Zielke einen Zusammenschluss zu einem baldigen Zeitpunkt begrüßen. Dahingegen ist der Deutsche-Bank-Chef Sewing nicht an einem Zusammenschluss innerhalb der kommenden 18 Monate interessiert. Das liegt vor allem an der fehlgeschlagenen Integration der Postbank. Diese wurde von der Deutschen Bank im Laufe der Finanzkrise übernommen und soll nun vollständig integriert werden. Auch das laufende Kostensenkungsprogramm, welches zur Sanierung der Bank eingeführt wurde, wurde bisher noch nicht abgeschlossen. Sind beide Tätigkeiten abgeschlossen, könnte sich auch Sewing einen Zusammenschluss vorstellen.

Für Experten steht jedoch fest, dass der geplante Zusammenschluss eher aus der Not resultiert. Demnach sind weder die Deutsche Bank noch die Commerzbank auf langfristige Sicht überlebensfähig. Mittlerweile kann die Commerzbank wieder mehr Kunden akquirieren, doch die Gewinne können dennoch nicht gesteigert werden. Im vergangenen Geschäftsjahr verdiente die Bank lediglich 178 Millionen Euro. Das erste Halbjahr 2018 wirkte nun etwas positiver, sodass die Bank rund 500 Millionen Euro verdienen konnte. Dennoch sorgte diese Entwicklung für keine Begeisterung bei den Aktionären. Dahingegen steckt die Deutsche Bank in einer massiven Strategiefalle, denn die Bank setzte bis zur Finanzkrise auf das Investmentbanking und konnte dadurch enorme Gewinne generieren. Dieses Geschäftsmodell funktioniert mittlerweile jedoch nicht mehr. Zudem ist das Privatkunden- und Geschäftskundengeschäft vergleichsweise schwach aufgestellt.

Auch das Risiko einer Übernahme steht im Raum. Die Commerzbank könnte Finanzkreisen zu Folge von der BNP Paribas oder der Unicredit übernommen werden. Bei der Deutschen Bank soll die Übernahme durch die Schweizer UBS im Raum stehen. Einige Experten sehen die Übernahme der Deutschen Bank jedoch als besonders riskant an, denn niemand möchte die Risiken übernehmen. Das wirft auch die Frage auf, ob eine Fusion der beiden angeschlagenen Finanzinstitute zur Schaffung einer starken Bank ausreicht. Für Experten ist eine Fusion zweier Banken mit erheblichen strukturellen Risiken vorhanden. Sollte eine Bank, welche über die Größte der beiden einzelnen Banken verfügt, in Schieflage geraten, so wäre die systemische Stabilität gefährdet. Nach der Fusion würde die neue Bank über 145.000 Mitarbeiter verfügen und nach der HSBC und der BNP Paribas auf Platz drei in Europa rangieren.

 

Staat möchte aus Commerzbank aussteigen 

Für eine Fusion würde die Bedeutung der beiden Banken für die deutschen Unternehmen sprechen. Demnach benötigen die deutschen Konzerne eine international aufgestellte Bank, um die Geschäfte zu organisieren. Auch im Falle eines Zusammenbruchs der EU sollte Deutschland über eine starke Bank verfügen, da die Abhängigkeiten zu den ausländischen Banken ansonsten zu groß wären.

Eine konträre Meinung vertritt die Wirtschaftsprofessorin Isabel Schnabel, die an der Universität Bonn im Bereich Finanzmarktökonomie referiert. Demnach gibt es keinen Grund für die Politik einen nationalen Champion aufzubauen. Vielmehr gibt es bereits zahlreichen international relevante Banken auf europäischer Ebene. Um eine Relevanz im internationalen Kontext zu erhalten, müssen die Fusion auf europäischer Ebene stattfinden und nicht innerhalb Deutschlands. Allerdings wird der Staat zum aktuellen Zeitpunkt weiterhin über ein Mitspracherecht verfügen. Dies liegt vor allem an den Commerbank-Anteilen, welcher der Bund hält. Hierbei handelt es sich um ein Überbleibsel aus den Zeiten der Finanzkrise. Sobald die Unternehmensanteile von Finanzminister Olaf Scholz verkauft werden, erhält der Käufer eine gute Ausgangslage, um beim Bankenpoker mitzuspielen. Doch auch wenn der Staat eine Verkauf in Erwägung zieht, würde dieser mit einem hohen Verlust einhergehen. Der Kurs der Commerzbank ist tiefer als zu Zeiten der staatlichen Rettung. Demnach würde der Staat mindestens 18 Euro pro Anteilsschein fordern müssen, um keinen Verlust zu realisieren. Aktuell notiert die Commerzbank jedoch nur bei rund 8 Euro.