Geldanlage: Mit ruhiger Hand durch unruhige Zeiten

Wie stark sich Risiko und Renditechance wechselseitig beeinflussen, erfahren Kapitalanleger derzeit hautnah: Sichere Anlageformen bringen in der extremen Niedrigzinsen praktisch keine Verzinsung mehr, während bei den renditeträchtigen Anlagegattungen die Risiken immer wieder deutlich zutage treten.

Beispiel Zinsanlagen: Für Geldanlagen, die von der Einlagensicherung der Banken abgedeckt sind, gibt es Zinsen nur noch in homöopatischer Dosis. Selbst bei längerfristigen Sparbriefen und Festgeldern gibt es kaum Angebote jenseits der 1-Prozent-Marke – angesichts der aktuellen Inflationsrate von gut einem Prozent bedeutet dies unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes im besten Fall ein Nullsummenspiel, meist jedoch eine Minusrendite.

Beispiel Immobilien: In den vergangenen Jahren glänzte Betongold zur Freude deutscher Immobilienanleger mit attraktiven Wertsteigerungen und Mietzuwächsen. Doch mahnende Stimmen mehren sich, die vor einer Preiskorrektur warnen.

Beispiel Aktien: Am Kapitalmarkt sind kräftige Kursausschläge nach oben und unten an der Tagesordnung. So kletterte der Dax in der zweiten Januarhälfte dieses Jahres auf einen Rekord von fast 13.600 Punkten, stürzte jedoch innerhalb von nur zwei Wochen um fast neun Prozent auf 12.100 Punkte ab – was jedoch trotz des Rückschlags im Vergleich zum Stand zwei Jahre zuvor einem Plus von mehr als 30 Prozent entsprach.

Gerade am Aktienmarkt sehen Analysten derzeit eine zunehmende Zahl vor allem politisch bedingter globaler Risiken. „Bei vielen Risiken ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sie tatsächlich eintreten, aber wenn das der Fall sein sollte, dürften sie erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und finanzielle Vermögenswerte haben“, schreibt die Großbank Credit Suisse in ihrem Investment Outlook 2018. Als mögliche Gefahren für die internationalen Kapitalmärkte nennt die Bank unter anderem eine Eskalation des Nordkorea-Konflikts, ein Platzen der Kreditblase in China, eine Verschärfung des von der USA ausgehenden politischen Spannungen und Cyberangriffe auf wichtige IT-Dienste.

Trotz Wellengang Vertrauen
Für Anleger stellt sich damit die Frage: Wie kann ich mein Vermögen durch unruhige Zeiten bringen, ohne entweder hohe Risiken eingehen oder praktisch komplett auf Gewinne verzichten zu müssen? Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen liegt der Schluss nahe, dass Kapitalanleger ohne ein gewisses Schwankungs- und Verlustrisiko keine Rendite erzielen können, die signifikant über der aktuellen Inflationsrate liegt.

Deutschen Anlegern steht dabei jedoch häufig die eigene Mentalität im Weg. So ergab die aktuelle Risikomanagementstudie der Fondsgesellschaft Union Investment, dass für 72 Prozent der befragten Privatanleger die Risikovermeidung bei der Geldanlage die höchste Priorität hat. Lediglich jeder Fünfte legte Wert auf eine möglichst hohe langfristige Rendite. Dabei hat das risikobewusste Investment nichts mit Zocken zu tun – im Gegenteil: Während der Zocker unkalkulierbare Risiken eingeht, wägt der risikobewusste Investor sorgfältig ab, wie er das Verhältnis von Renditechance zu Verlustrisiko optimieren kann. Das geschieht in erster Linie über die grundsätzliche Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. „Rund 80 Prozent des Anlageerfolgs hängen von der Strategie ab“, berichtet das VZ VermögensZentrum in München. Andere Aspekte wie kurzfristige taktische Umschichtungen oder die Auswahl einzelner Wertpapiere seien hingegen nur für 20 Prozent der langfristigen Rendite verantwortlich.

Völlig losgelöst
Daher sollten Anleger losgelöst von kurzfristigen Börsenentwicklungen ermitteln, welche Vermögensanteile am Aktienmarkt investiert werden können und in welchen Bereichen trotz Niedrigzins an sicheren Bankanlagen festgehalten werden sollte. Ausschlaggebend ist hierbei die Frage, wann der betreffene Vermögensanteil benötigt wird, beispielsweise um eine größere Investition oder zusätzliches Einkommen im Ruhestand zu finanzieren. Je länger nämlich ein Anleger in Aktien investiert bleibt, umso geringer wird das Risiko, dass trotz mancherlei Kursschwankungen am Ende ein Verlust bleibt. Damit können Anleger im ersten Schritt ihr Gesamtrisiko reduzieren, indem sie bei der kurz- und mittelfristigen Kapitalanlage auf sichere Produkte setzen und schwankungsintensive Aktienanlagen gezielt für den Teil des Vermögens vorsehen, der erst in mindestens zehn Jahren zur Verfügung stehen soll. Das bringt den Vorteil, dass dank des langfristigen Anlagehorizontes im Aktienanteil die Schwankungen im Lauf der Zeit immer weniger das Gesamtergebnis beeinflussen. "Je länger die Anlagedauer und je breiter die Streuung, desto geringer die Schwankungsbreite", lautet das Credo Frank Nobis, Mitgründer und Geschäftsführer des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Kapitalanleger sollten daher ihr Aktienportfolio so zusammenstellen, dass keine allzugroßen Einzelrisiken – die auch als „Klumpenrisiken“ bezeichnet werden – auftreten. Dies gelingt mit einem möglichst breit angelegten Mix über die wichtigsten Branchen und eine weltweite Streuung des Investments.

Wie steuere ich mein Vermögen?
Zwar mögen vielen Anlegern die großen börsennotierten Konzerne im Inland vertrauter sein als ihre Wettbewerber in der USA oder in Fernost. Doch mit Blick auf die Risikodiversifizierung ist die Übergewichtung des Heimatmarktes eher kontraproduktiv, da deutsche Aktien nicht einmal fünf Prozent des globalen Aktienmarktes ausmachen. Wer dann zur Hälfte auf inländische Aktien setzt, läuft bei einer besonders schlechten Entwicklung des deutschen Aktienmarktes Gefahr, dass die Verluste die Rendite des Gesamtportfolios überdurchschnittlich verschlechtern. Weil sich angesichts der Mindestgebühren bei Kauf und Verkauf pro Wertpapier eine Einzelorder erst ab rund 2.500 Euro lohnt, kommt für die meisten Anleger als Alternative zum Direktinvestment die Fondsanlage in Frage. Auf diese Weise lassen sich schon kleinere Anlagebeträge über eine Vielzahl an börsennotierten Unternehmen streuen. Gerade in Zeiten mit stark schwankenden Kapitalmarktrenditen tun Anleger gut daran, die mit dem Investment verbundenen Nebenkosten zu minimieren. Geld sparen lässt sich nicht nur durch die Depotführung bei einer Bank mit günstigen Gebühren, sondern auch mit der Wahl von Anlageprodukten, die niedrige interne Kosten vorweisen können. So lassen sich mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) im Vergleich zu herkömmlichen Aktienfonds oft mehr als 80 Prozent an fondinternen Verwaltungsgebühren einsparen. Darüber hinaus entfallen bei ETFs die Ausgabeaufschläge, die üblicherweise von den Fondsanbietern an die Banken als Vertriebsprovision weitergeleitet werden.

Gelassen durch die Aufs und Abs
Mit solchen Maßnahmen können Anbieter auch in unruhigen Börsenzeiten ihre Rendite optimieren und dem Auf und Ab an den Aktienmärkten mit Gelassenheit begegnen. Ohnehin werde beim Wertpapierkauf und -verkauf die fixierung auf den optimalen Zeitpunkt überschätzt, meint Aktienexperte Philipp Vorndran von der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: „Generationen von Investoren haben lernen müssen, dass dies in den seltensten Fällen gelingt.“



Dieser Beitrag stammt aus der MONEY/TIMES No. 3, erschienen am 12. April in der Süddeutschen Zeitung