Geldentwertung nimmt zu!

Die Notenbanken der Welt stehen vor weiteren Erfolgsmeldungen. Ihr Ziel, Geldentwertung von mindestens zwei Prozent herbeizuführen, wird in Deutschland mittlerweile erreicht und sogar übertroffen.

Für den Mai meldeten die Statistiker einen Anstieg des allgemeinen Lebenshaltungspreisniveaus um 2,2 Prozent. Damit nimmt die Bundesrepublik beim Preisanstieg einen führenden Platz unter den europäischen Nationen ein, denn die Eurozone vermeldete einen Anstieg der Lebenshaltungskosten um 1,9 Prozent.

Auch in den Vereinigten Staaten ziehen die Güterpreise mittlerweile kräftiger an. Gleichwohl fiel der Jubel bei den Zentralbankern nur verhalten aus, denn die gescheiterte Regierungsbildung in Italien schreckte die als vertrieben geltenden Geister der Eurokrise jäh auf. Während aber die USA im Zinsbereich bereits seit Längerem eine Wende vollzogen haben, lässt diese in der Eurozone noch länger auf sich warten. Viel zu hilfsbedürftig sind die Krisenstaaten noch, um sie von den Zinserleichterungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) zu entwöhnen.

Tatsächlich deuten die zuletzt beobachtbaren drastischen Kursverluste italienischer Staatsanleihen darauf hin, dass die Geister der Finanzkrise durchaus noch nicht gebannt sind. Man tut gut, sich daran zu erinnern, dass die große Finanzkrise im Kern eine Verschuldungs- bzw. Überschuldungskrise war, die durch exzessive Kreditvergabe hervorgerufen wurde. In Italien wollen die neuen Koalitionäre nun ein neues Schuldenfass aufmachen, ohne dass es in den letzten Jahren gelungen wäre, die bereits turmhohe Verschuldung des Landes seit der Krise zurückzufahren. 

Dafür fehlte in dem Land, in welchem die Zitronen blühen, der politische Wille. Flankiert durch die großzügigen Maßnahmen der EZB erfreuten sich die Regierungen in Italien und anderswo stetig schrumpfender Zinsausgaben, so dass mitunter der irrige Eindruck entstand, die Staatshaushalte seien strukturell reformiert worden. Symbolisiert wird das Scheitern italienischer Reformbemühungen durch das verlorene Referendum Matteo Renzis zur Staatsverfassung. Ins Gewicht fallender Reformeifer ist jenseits der Alpen nicht zu erkennen und so nimmt es nicht Wunder, dass inzwischen zwei antieuropäische Parteien dort über eine Parlamentsmehrheit verfügen.

Immerhin ist aber festzustellen, dass Italien ein Nettozahler in die EU ist und insofern ein Austreten des Landes nach dem Vorbild des Brexits keine gute Nachricht für Brüssel wäre. Zusätzliche Ironie erhält die Situation dadurch, dass der italienische Staat zwar klamm, seine Bürger aber vergleichsweise wohlhabend sind. Umgekehrt ist es in Deutschland, wo der Staat vergleichbar gut dasteht, während das Privatvermögen der Bürger eher unterdurchschnittlich ausfällt. Nimmt man die aktuelle Vermögensstudie der Allianz zur Hand (Allianz Global Wealth Reports 2017), dann zeigt sich, dass die Italiener nicht nur im Durchschnitt mehr Vermögen besitzen als die Deutschen, sondern vor allem bei der Medianbetrachtung weit vor den Deutschen rangieren. 

Ein Wiederaufflackern der Eurokrise würde die seit fast einem Jahrzehnt anhaltende Niedrigzinsphase gewiss verlängern. Und man kann sich kaum vorstellen, dass die EZB und die europäischen Regierungen einen kontrollierten Ausstieg Italiens aus dem Euro unterstützen würden. Zur gleichen Zeit kündigt die amerikanische Notenbank Fed an, sie habe den Willen, höhere Inflationsraten als zwei Prozent zu akzeptieren, ohne in einen verschärften Zinserhöhungsmodus einzutreten. 

Für deutsche Zinsanleger verheißt dieses Szenario wenig Positives. Bei Nominalzinsen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen von 0,37 Prozent erleiden sie enorme reale Vermögensverluste. Auch für die Altersvorsorgesysteme ist dies keine angenehme Situation, denn dort setzt man traditionell viel zu stark auf Zinsanlagen. Im Ganzen ist es daher nicht zu erkennen, dass Zinsanlagen eine attraktive Alternative zu Aktienanlagen sein können.

Chicago und Frankfurt am 31.5.2018, Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak