Gemeinnützige Stiftungen: Der Gesellschaft etwas zurückgeben

95 Prozent der Stiftungen in Deutschland verfolgen einen gemeinnützigen Zweck und sind dadurch steuerlich stark begünstigt. Daher sind sie für Vermögende doppelt interessant.

„Stiftungen sind ein modernes Mittel, um mit privatem Vermögen gesellschaftliche Veränderungen bewirken zu können. Dabei liegt der Reiz für die Stifterin oder den Stifter darin, eine nach ihren Vorstellungen sinnvolle Organisation gestalten zu können, um einen Zweck zu erfüllen, der ihnen besonders am Herzen liegt. Die Gründe, eine Stiftung errichten zu wollen, sind vielfältig. Spricht man mit Stifterinnen und Stiftern, ist es meist der Wunsch, etwas bewegen zu wollen, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen oder weil die persönliche Betroffenheit von einer Krankheit oder von einem gesellschaftlichen Missstand zum Handeln herausfordert.“

So beschreibt der Bundesverband Deutscher Stiftungen den Ansatz vieler Menschen, eine gemeinnützige Stiftung zu errichten. 95 Prozent der Stiftungen in Deutschland verfolgen übrigens einen gemeinnützigen Zweck und sind damit stark steuerbegünstigt, die anderen sind speziell dafür geschaffen worden, eine Familie finanziell abzusichern oder auch ein Unternehmen langfristig zu erhalten (privatnützige Stiftung, meist als Familienstiftung gestaltet).


Satzung regelt die nähere Ausgestaltung der Stiftung

Doch wie wird eigentlich eine gemeinnützige Stiftung gegründet? Dazu müsse der Stifter zunächst ein sogenanntes Stiftungsgeschäft und eine Stiftungssatzung aufsetzen, erläutert der Bundesverband. Im Stiftungsgeschäft bekundet er seinen Willen, ein bestimmtes Vermögen in die Stiftung einzubringen, in der Satzung regelt er die nähere Ausgestaltung der Stiftung, beispielsweise den Zweck der Stiftung, die Anzahl der Organe und ihre Aufgaben etc. Erst nach Freigabe der Stiftungsaufsicht entsteht dann eine rechtsfähige Stiftung, die ihre gemeinnützige Arbeit aufnehmen kann.

Aber: Damit ein Stifter seine Vermögensübertragung auf die Stiftung auch steuerlich optimal gestalten kann, muss diese noch vom zuständigen Finanzamt als gemeinnützig anerkannt werden: „Das Verfahren ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise gibt die Stiftungsaufsicht die Unterlagen direkt intern an die Oberfinanzdirektion zur Prüfung weiter.


Der Gemeinschaft etwas zurückgeben

„Wir beobachten, dass diese Verbindung des Wunsches, mit dem aufgebauten Vermögen etwas Gutes zu tun und gleichzeitig steuerlich gestaltend tätig zu sein, mehr und mehr an Attraktivität gewinnt. Stifter wollen der Gemeinschaft etwas zurückgeben und auch über ihren Tod hinaus etwas mit ihrem Namen verbinden und hinterlassen. Die steuerliche Anerkennung der Dotierung an die Stiftung ist aber ebenso ein Effekt, der betriebswirtschaftlich natürlich ebenso hochinteressant ist“, sagt Jörg Seifart, Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Gesellschaft für das Stiftungswesen, der Gründungswillige bei allen Fragestellungen rund um die Stiftung berät.

Sein Rat: Stifter sollten sich einen Bereich suchen, in dem sie sich auch persönlich schon jetzt engagieren oder es für die Zukunft planen. Da die wenigsten Stifter auf Erfahrung in Stiftungen zurückblicken können, sei es wichtig, auch schon in einer frühen Phase der Überlegungen mit einem ausgewiesenen Praktiker zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise könne die Stiftung durch die Verbindung von persönlichem Einsatz und vorhandenem Vermögen viel erreichen und gestalten. „Ob es der Einsatz für Kinder ist, für Senioren in der Gemeinde, für Bildung in der Dritten Welt oder, oder, oder: Die Stiftung sollte den Geist des Stifters in sich tragen und entsprechende Zwecke verfolgen. Dann wird sie auch einen langfristigen Beitrag zum Gemeinwohl leisten“, sagt der Berater.

Der steuerlich vorteilhafte Hintergrund ist dabei folgender: Bei der Neugründung der Stiftung und dann alle zehn Jahre kann der Höchstbetrag von einer Million Euro bei Zuwendungen in das Vermögen einer Stiftung steuerlich geltend gemacht werden. Ehegatten haben die Möglichkeit, in Summe zwei Millionen Euro abzuziehen. Der Betrag lässt sich beliebig über den Zeitraum von zehn Jahren verteilt vom steuerpflichtigen Einkommen absetzen, heißt es beim Deutschen Stiftungszentrum. Konkret bedeutet das: 2020 wird eine Million Euro ins Stiftungsvermögen überführt. Steuerlich geltend gemacht werden jährlich jeweils 100.000 Euro von 2020 bis 2030. Ab 2031 kann wieder eine Million Euro in die Stiftung fließen und bis 2041 das zu versteuernde Einkommen reduzieren. Zudem gilt: Wird ererbtes Vermögen binnen 24 Monaten in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht, kann sich der Erbe von der Erbschaftssteuer befreien lassen.


Berater können Zugänge öffnen

Jörg Seifart betont zwar: „Stiftungen sind kein Steuersparmodell. Wer Vermögen in eine gemeinnützige Stiftung einbringt, dem steht dieses Geld nicht mehr zur eigenen Verfügung. Die steuerliche Begünstigung stellt einen kleinen Ausgleich für den gemeinnützigen Einsatz des eigenen Vermögens dar.“ Er sieht aber im Modell der gemeinnützigen Stiftung ein interessantes Betätigungsfeld für Honorarberater, Vermögensverwalter und Co. „Vermögende Kunden suchen den Zugang zu diesen Lösungen. Die Berater können die gemeinnützige Stiftung also empfehlen, um den Kunden die Möglichkeiten dieses Engagements aufzutun. Und natürlich können sie wiederum selbst Angebote schaffen, das Stiftungsvermögen sinnvoll so zu verwalten, dass regelmäßige Ausschüttungen für die Zweckerfüllung möglich werden.“