Generation Netflix entdeckt den Aktienhandel

Der Trend zum Investieren am Smartphone ist anhaltend und insbesondere die App „Robinhood“ erfreut sich größter Beliebtheit bei den Nutzern. Dies liegt vor allem an der entfallenden Provision. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, weshalb der Angriff auf die Vermögensverwalter jedoch nur der Anfang einer langfristigen Entwicklung ist.
 

Das klassische Handeln an der Börse ist ein teurer Vorgang, sodass die Anleger ein gewisses Vermögen besitzen müssen, um positive Renditen zu erzielen. Mit der Möglichkeit des kostenlosen Tradens wirbt der Anbieter Robinhood. Das Unternehmen verzichtet auf die klassische Kommission und kann somit die Zielgruppe der Millenials für sich gewinnen. Mittlerweile kann das Startup auf fünf Millionen Nutzer blicken. Die Bewertung des Startups beläuft sich aus diesem Grund ebenfalls auf rund fünf Milliarden Dollar.
 
Die steigenden Benutzerzahlen verdankt das Unternehmen vor allem der benutzerfreundlichen App. Das Unternehmen verzichtet auf umfangreiche Texte und erschlagende Tabellen und setzt stattdessen auf ein einfaches und übersichtliches Interface. In der Vergangenheit zeigte sich, dass die Nutzer von Mobile Banking auf ein superbes Design und eine gute User Experience setzen. Die App ermöglicht den schnellen und einfachen Kauf von Wertpapieren sowie von ETFs. Das umfangreiche Suchen entfällt komplett. Nach dem Registrationsprozess können sich Nutzer über die App in die Plattform einloggen. Im Dashboard werden die beliebtesten Aktien der Community – hierzu gehören Netflix, Tesla, Apple – und Kryptowährungen angezeigt. Der Aufbau erinnert auf den ersten Blick stark an Netflix und weiß zu überzeugen. Dem Endnutzer wird eine Auswahl von Wertpapieren präsentiert. Ein Klick auf das entsprechende Wertpapier offenbart Informationen über den Kursverlauf und einige Statistiken. Nach dem Kauf einer Aktie gratuliert die App und verstreut digitales Konfetti. Anschließend stellt die App permanent Informationen zur Wertentwicklung bereit und verleitet den Nutzer zu vielen Interaktionen. Die beliebten ETFs oder auch Fonds lassen sich nicht in der Übersicht finden. Stattdessen muss der Nutzer die Suchfunktion bemühen.
 

Das Geschäftsmodell

Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, wie das Geschäftsmodell des Startups funktioniert – vor allem unter Berücksichtigung der hohen Bewertung. Die Antwort auf die Frage sind die fünf Millionen Kunden, denn das nicht eingesetzte Kapital auf den Transaktionskonten setzt das Unternehmen zur Generierung von Zinseinnahmen ein. Dieses Geschäftsmodell funktioniert nicht bei klassischen Banken, doch im Rahmen eines Startups mit einem Fokus auf Software ist dies durchaus realisierbar. Durch intelligente Dienste – etwa ein Abomodell zur Kapitalleihe – kann das Unternehmen weitere Gewinne erwirtschaften. Für das Unternehmen ist dieses Geschäftsmodell genial, denn die Kunden nehmen sich einen Kredit auf und nutzen dieses Geld anschließend, um in das Geschäftsmodell von Robinhood zu investieren.
 
Für die Kunden ist dieses Geschäftsmodell allerdings mit hohen Risiken verbunden, denn wer unüberlegte Investments tätigt, der kann nicht nur seine gesamten Investitionen verlieren, sondern zudem noch auf Schulden aus dem Kredit sitzenbleiben. Zudem lege das Unternehmen den Fokus auf die Gewinnung neuer Kunden. Bestehende Kunden erhalten dahingegen nicht genügend Informationen über mögliche Investments.
 

Mit Revolut steht ein bekannter Konkurrenz in den Startlöchern

Neben Robinhood wird auch Revolut ein kostenloses Online-Trading anbieten. Hinter Revolut steht die Challenger-Bank aus London, die damals ein Konto eröffnete, welches aus einem kostenlosen Girokonto und einer dazugehörigen Mastercard bestand. Kunden konnten das Konto mit verschiedenen Fremdwährungen nutzen, ohne das Gebühren berechnet wurden. Im Laufe der kommenden vier Jahre plant das Unternehmen ein rasantes Wachstum auf 100 Millionen Kunden. Um das zu realisieren, vertreibt das Unternehmen bereits Versicherungen über die App. Zudem plant das Unternehmen einen kostenlosen Trading-Raum. Dieser soll, wie auch Robinhood, auf dem amerikanischen Markt starten und anschließend auch in Europa veröffentlicht werden.
 
Dem Geschäftsmodell darf ruhig mit einer gesunden Skepsis begegnet werden, denn unerfahrene Nutzer, die im Aktienhandel einen schnellen Weg zum Reichtum sehen, erhalten den vollumfänglichen Zugriff auf sämtliche Investmentvehikel. Nach kurzer Zeit sollte sich herausstellen, dass der reine Zugriff auf den Aktienmarkt keine hohen Renditen bringt, sodass eine abschließende Abwanderung der Nutzer durchaus im Bereich der Möglichkeiten liegt. Die zweite Erlösquelle ist die Bereitstellung eines Wertpapierkredites. Dieser erlaubt es den Nutzern einen zusätzlichen Betrag in Wertpapiere zu investieren. Das Geschäftsmodell richtet sich vor allem auf finanzschwache Nutzer und benötigt dementsprechend eine breite Nutzerbasis.

 

Welche weiteren Entwicklungen werden erwartet?

Auch Großinvestoren werden auf die Dienstleistungen der Startups aufmerksam. So gab etwa BlackRock bekannt, 50 Millionen in Acrons investiert zu haben. Bei Acrons handelt es sich um einen Zahlungsdienstleister, der Wechselgeld automatisch in ETFs investiert. Mittlerweile kann das Unternehmen mehr als 3,3 Millionen aktive Nutzer verzeichnen. Ein weiterer Ansatz ist Stash. Das Unternehmen erlaubt Aktienanlagen ab fünf Euro und verfügt über zwei Millionen Nutzer.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass die Investment- und Bankingbranche vor einer Disruption stehen. Mit Amazon steht zudem der nächste IT-Gigant in den Startlöchern und plant die Entwicklung neuer Services. Um ein Fortbestehen zu gewährleisten, müssen etablierte Banken neue Geschäftsmodell vorstellen und die Bezahlmodelle überdenken.