Deutsches Biotech-Unternehmen bekämpft mithilfe von Killerzellen den Krebs?

Die T-Lymphozyten gehören zu den wichtigsten Akteuren des Immunsystems. Ihre Zerstörungskraft im Körper ist enorm, richtet sich jedoch zumeist gegen kranke Zellen, Viren und Infektionen.

Die T-Lymphozyten gehören zu den wichtigsten Akteuren des Immunsystems. Ihre Zerstörungskraft im Körper ist enorm, richtet sich jedoch zumeist gegen kranke Zellen, Viren und Infektionen. Das Biotech-Unternehmen Medigene will diese auch T-Zellen genannten Organismen dazu nutzen, effektiv den Krebs zu bekämpfen und verändert sie dafür mithilfe von Gentechnik.

T-Zellen im Kampf gegen den Krebs

Dabei ist Medigene nicht das erste Unternehmen, welche die T-Zellen im Kampf gegen den Krebs testen. Die Pharmahersteller Novartis und Gilead konnten die Zulassung neuer Zelltherapien in den USA bewirken. Das Potential der T-Lymphozyten wurde bereits in den letzten Jahren erforscht und es zeigte sich, dass gentechnisch modifizierte T-Zellen selbstständig Krebszellen erkennen und unschädlich machen können. Normalerweise setzt das Immunsystem die weißen Blutkörperchen, die im Knochenmark erzeugt werden, im Kampf gegen körperfremde Stoffe ein. Bei der Erzeugung werden die Zellen verworfen, die auf körpereigene Proteine reagieren. Dadurch sind sie für den Körper selbst nicht gefährlich. Bei bestimmten Arten von Leukämien und Blutkrebserkrankungen konnten die modifizierten T-Zellen bereits Patienten bei der Behandlung helfen. Studien ergaben, dass sich die Krebszellen von Patienten, die alle anderen Methoden gegen Blutkrebs ausgeschöpft hatten, mit bis zu 80 prozentiger Wahrscheinlichkeit zurückbildeten.

Deutsches Biotech-Unternehmen setzt auf Gentherapie

Vor wenigen Tagen erteilte das Paul-Ehrlich-Institut dem Biotech-Unternehmen Medigene mit Sitz in München die Erlaubnis für die eigene klinische Studie. 92 Patienten nehmen daran teil. Sie leiden unter akuter myeloischer Leukämie oder ähnlichen Blutkrebserkrankungen, bei denen sich die Blutzellen aus dem Knochenmark ungezügelt vermehren. Bei der TCR-Zelltherapie geht es konkret darum, die T-Lymphozyten eines Patienten außerhalb seines Körpers gentechnisch zu verändern und dann in den Körper wieder einzusetzen. Die modifizierten T-Zellen sollen dann gezielt gegen die kranken Zellen vorgehen. Das Unternehmen fokussiert sich seit der Übernahme der Firma Trianta Therapies verstärkt auf die Analyse und Selektion von T-Zell-Rezeptoren. Die Leiterin von Trianta Therapies ist mittlerweile die Chefin von Medigene und brachte die Neuausrichtung auf Immun- und Zelltherapien voran. Außerdem arbeitet das Biotech-Unternehmen auch mit Bluebird Bio zusammen, welches eine Milliarde Dollar für die Finanzierung neuer Projekte zahlen könnte.

Steigende Forschungskosten für Medigene

Aufgrund der Entwicklung der neuen TCR-Zelltherapie rechnet das Unternehmen für 2018 mit steigenden Forschungskosten. Damit setzt sich das Minus der Aktie von Medigene fort und konnte sich bisweilen sogar verdoppeln. Glücklicherweise wurden letztes Jahr die US-Rechte für das Warzenmittel Veregen verkauft, wodurch das Minus nicht so sehr ins Gewicht fällt. Zu Beginn des Jahres, noch bevor der Bekanntgabe des Beginns der Studie, konnte die Aktie im Plus gut zulegen. In der Medizin-Branche sind Verluste in der Studien- und Anlaufphase Gang und Gäbe. Laut eigenen Angaben sind die Kassen für zwei Jahre noch gut gefüllt. Durch eine Privatplatzierung neuer Aktien letzten Jahres sicherte sich Medigene etwa 20 Millionen Euro zusätzlicher Mittel. Damit besaß das Unternehmen Ende 2017 rund 52 Millionen Euro. 10 Millionen will Medigene zusätzlich in die Forschung investieren, was für 2018 auf Kosten von 22 bis 24 Millionen Euro hinauslaufen soll. Gleichzeitig wird der Umsatz bei 7,5 bis 9,5 Millionen Euro gesehen.

Risiken und Nebenwirkungen

Jedoch ist die Behandlung mit den T-Zellen mit beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden. Die gentechnisch veränderten T-Zellen greifen alle Arten von Immunzellen an, weshalb Infektionen besonders gefährlich für die Patienten werden könnten. Daher bleibt die Behandlung zuerst nur schwerkranken Patienten vorbehalten, für welche keine Alternativen mehr übrig bleiben. Außerdem ist noch nicht völlig klar, ob die Methode auch auf andere Krebserkrankungen wirken wird. Medigene ist trotzdem zuversichtlich und glaubt, dass sich die Behandlung auch auf andere Arten von Krebs ausweiten lassen.