Gesundheitsbranche – das neue Innovationszentrum liegt in Asien

Auf Grund der demografischen Entwicklung und der Ausbreitung moderner Zivilisationskrankheiten steht der Gesundheitsbranche weltweit ein gewaltiges Wachstum bevor. Besonders davon profitieren könnten asiatische Healthcare-Firmen. Denn sie stehen vor einem Innovationsschub.

Wussten Sie, dass es rund 425 Millionen Diabetiker weltweit gibt? Und bis 2045, so Schätzungen der Vereinten Nationen, werden es 629 Millionen Menschen sein. Kein Wunder, dass Experten Diabetes als neue Volkskrankheit bezeichnen. Gleichzeitig werden die Menschen im Schnitt immer älter. Heute gibt es eine Handvoll Länder, darunter Deutschland, Japan und Italien, in denen der Anteil der über 60jährigen an der Bevölkerung bei mehr als 25 Prozent liegt. Im Jahr 2050 wird das aber für fast alle Länder zutreffen. Ausnahmen bilden dann nur noch Afrika, Indien und einige wenige andere Staaten.

„Sowohl die demografische Entwicklung wie auch die zunehmende Verbreitung von Krankheiten wie Diabetes oder Fettleibigkeit werden zu deutlich steigenden Gesundheitskosten führen“, prognostiziert Oliver Kubli, Portfoliomanager des BB Adamant Asia Pacific Healthcare von Bellevue Asset Management. Hierzulande zum Beispiel verursachen Menschen im Alter zwischen 55 und 65 Jahren laut dem Statistischen Bundesamt viermal so hohe Gesundheitskosten wie die 30- bis 45jährigen. „Die Gesundheitsbranche wird deshalb in den kommenden Jahren und Jahrzehnten rasant wachsen“, folgert der Experte.

 

Wichtige Weichenstellungen in China

Profitieren werden davon vor allem die innovativsten Unternehmen. Und die kommen zunehmend aus dem asiatischen Raum. „Chinas politische Führung hat das Ziel ausgegeben, bis 2050 bei allen maßgeblichen Technologien zur Weltspitze zu gehören und auf diese Weise unabhängig vom Know-how anderer Nationen zu werden“, erklärt Kubli. Insgesamt zehn Schlüsselbranchen hat die Führung in Peking dafür identifiziert. Dazu gehören neben der Robotik oder der Elektromobilität eben auch die Medizintechnik und die Biotechnologie. 

Ein Schritt in diese Richtung erfolgte im vergangenen Jahr. So wurde von regulatorischer Seite die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich durch Fördergelder und steuerliche Begünstigung erleichtert. Zudem ist es anders als in der Vergangenheit jetzt erlaubt, dass die Ergebnisse von klinischen Studien, die im Ausland durchgeführt wurden, in die Zulassung einfließen. „All das hilft, die Zulassung von Medikamenten zu beschleunigen“, erläutert der Portfoliomanager. „Und damit ist China dabei, sein Gesundheitssystem auf amerikanische und  europäische Standards anzuheben.“

 

Rasche Entwicklung dank Digitalisierung

Dazu kommt die Digitalisierung. „Auf Grund der rasanten technologischen Entwicklung sind die Emerging Markets zum Teil in der Lage, ganze Entwicklungsschritte zu überspringen“, sagt Kubli weiter. Das spare Kosten, führe zu einer besseren Qualität und biete besseren Zugang zu medizinischer Versorgung. Zugleich dürften mit wachsendem Wohlstand in den asiatischen Volkswirtschaften auch die Ausgaben für Gesundheit steigen. 

Wie groß das Potenzial ist, verdeutlichen einige Zahlen. In Großbritannien liegen die Ausgaben bei 4.171 Dollar pro Einwohner, in China aber nur bei 800 Dollar. In anderen asiatischen Ländern wie den ebenfalls bevölkerungsreichen Staaten Indien oder Indonesien liegen sie sogar noch ein gutes Stück darunter. „Entsprechend groß ist das Potenzial der lokalen Anbieter“, folgert der Experte. Aber nicht nur deshalb lohnt es sich, über China hinaus auch auf andere Länder in der Region zu blicken. 

Zum Beispiel nach Japan: „Dort haben sie die im Schnitt älteste Bevölkerung der Welt und damit ist das Land eine Art Versuchslabor – weshalb dort sehr innovative Firmen entstehen.“ Ein Beispiel dafür ist die Firma M3. Ursprünglich gestartet, um Pharma-Produkte online an Ärzte zu vertreiben, ist daraus ein riesiges Netzwerk mit rund fünf Millionen Medizinern geworden. „Damit hat sich die Firma zu einer digitalen Healthcare-Plattform entwickelt, die zum Beispiel bei der Durchführung klinischer Studien hilft, die jeweils richtigen Ärzte zu finden“, erläutert Kubli. „Firmen sparen sich so Zeit und können ihren Umsatz steigern.“ Ein anderes Beispiel ist Chugai, wo der Pharmariese Roche mit 60 Prozent beteiligt ist. Die Firma hat eine der besten Antikörper-Plattformen der Welt und ist Innovationslieferant für den Schweizer Konzern. 

 

Günstige Bewertung

Dabei sprechen für den asiatischen Healthcare-Markt zudem auch das starke Wachstum und die günstige Bewertung. „Für die kommenden Jahre erwarten wir ein Umsatzwachstum von knapp 14 Prozent und damit etwa dreimal so viel wie für den weltweiten Gesamtmarkt“, informiert Kubli. Zugleich litten die Aktien in dieser Region unter den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA. 

Aus diesem Grund weisen zum Beispiel chinesische Healthcare-Firmen aktuell niedrige Bewertungen auf. „Allerdings wurden die Aktien sehr undifferenziert abgestraft“, urteilt der Experte. „Die Firmen, die bei uns im Fokus stehen, erzielen etwa 93 Prozent ihres Umsatzes im chinesischen Inland und sind deshalb von möglichen Zöllen gar nicht betroffen.“ Auch deshalb könnte sich der Blick auf Asiens Healthcare-Branche derzeit lohnen.