Getränkelieferanten rüsten sich gegen Amazon

Amazon gilt als Liebling der Investoren. Das liegt vor allem am Erfolg, den das Unternehmen nahezu magisch anzieht. Mittlerweile konnte der US-Konzern auch die Grenze der Billionen-Dollar-Bewertung überspringen und schickt sich an, neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Der Onlinehändler Amazon ist eine Goldmine und schafft es nach Apple als zweites Unternehmen eine Marktkapitalisierung von mehr als einer Billion Dollar zu erreichen. Auf dem deutschen Markt werden immer mehr Unternehmen nervös, da Amazon nach der Eroberung des Endkundenmarktes die Geschäftskundenmärkte angreift. Dieser Angriff findet lediglich in kleinen Schritten statt, doch wie das Beispiel Amazon Business verdeutlicht, rührt Amazon aktiv die Werbetrommel. Zum aktuellen Zeitpunkt bietet das Unternehmen primär Büroartikel, Putzmittel und Klopapier für die rund 300.000 registrierten Geschäftskunden an. Angeboten werden die entsprechenden Produkte von rund 75.000 Anbietern. Zudem steht bereits jetzt fest, dass Amazon auch attraktivere Segmente erobern wird. Die Illusion über eines passiven Verhaltens ist bei den Stakeholdern lässt verflogen. 

 

Allianzen auf dem Getränkemarkt 

Um eine Dominanz Amazons auf dem Getränkemarkt zu vermeiden und die Rolle als Ansprechpartner für Getränkefachmärkte, Kioskbetreiber und Gastronomiebetriebe zu behalten, haben sich nun zwei Allianzen auf dem Getränkemarkt gebildet. Die Allianzen fokussieren die Entwicklung von Plattformen zur digitalen Getränkebestellung und erleichtern den Prozess somit ungemein. Zum aktuellen Stand müssen die Besteller die benötigten Waren per Fax oder Telefon bestellen. 

Mit Coca Cola, Bitburger und Krombacher hat sich eine starke Allianz gebildet, die auf eine eigene Plattform namens Kollex setzt. Sollte kein regulatorisches Eintreten seitens des Staates erfolgen, wird Kollex die eigene Plattform schon im Laufe des kommenden Jahres in Deutschland ausrollen. Mithilfe der Plattform erhalten Geschäftskunden und Gastronomen die Möglichkeit, Bestellungen online durchzuführen. Diese Bestellung wird anschließend durch einen Fachmarkt ausgeführt. Zeitgleich hat sich „Team Beverage“ als alternativer Anbieter positioniert. Hierbei handelt es sich um ein Konglomerat aus der Coop-Schweiz-Tochter Transgourmet, der Radeberger-Gruppe mit den Marken Radeberger, Schöfferhofer und Schlösser Alt. Zusätzlich sind die Paulaner Brauerei und Dr. Oetker im „Team Beverage“ vertreten. Bereits jetzt erwarten Experten einen regen Wettbewerb zwischen den beiden Plattform. Auch der Online-Riese Amazon wird gespannt auf den Wettbewerb schauen und die Entwicklung des Marktes analysieren. 

 

Kollex – ein Blick auf die Details 

Die Leitung von Kollex wird von Udo Kießlich übernommen. Der Manager bringt Erfahrungen im Bereich E-Food mit, denn zuvor oblag ihm die Geschäftsführung von Allyouneed Fresh, der Lebensmittel-Liefersparte der Deutschen Post. Das Ziel des Managers ist die Digitalisierung eines Milliardenmarktes. Dabei soll die neue Plattform als eine Art Vermittlungsplattform für die gesamte Branche fungieren, sodass Gastronomen und Großhändler auf digitale und einfache Art ihre Bestellungen abwickeln können. Die Planungen für die Plattform wurden bereits im Frühjahr aufgenommen und jetzt soll es endlich losgehen. Ende 2018 starten die ersten Pilotprojekte für ausgewählte Kunden und im Laufe des ersten Halbjahres wird die Plattform für den gesamten deutschen Markt ausgerollt. 

Die Plattform fokussiert dabei einen besonders kleinteiligen B2B-Markt, der bisherige Versuche scheitern ließ. Aus diesem Grund konnte die Digitalisierung in dieser Branche bisher noch nicht Fuß fassen. Die größte Herausforderung bei der Etablierung der Plattform ist die Konkurrenzsituation, denn sie soll keine Konkurrenz zu den eigentlichen Hauptabnehmern sein. Stattdessen ist Kollex als Vermittlungsplattform geplant, die keinen direkten Einfluss auf die Beziehungen zwischen Händler und Abnehmer hat. Auch ein Einstieg in Liefergeschäfte wurde durch die Unternehmen dementiert. Insbesondere zu Beginn wird der Service kostenlos angeboten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden Zusatzangebote implementiert, welche kostenpflichtig sein werden und zu Finanzierung der Plattform dienen. 

Brancheninsider gehen ohnehin davon aus, dass die drei Unternehmen kein Interesse an dem schnellen Geld haben. Vielmehr soll die Plattform eine Vorbereitung auf die nahende Digitalisierung der Branche darstellen und zur Antizipation von Marktveränderungen dienen. Vor allem Amazons Interesse an einem Markteinstieg soll das Handeln der Unternehmen bestärkt haben. Demnach strebt Amazon eine Kooperation mit Händlern an und möchte als Vermittler für Basis-Lebensmittel agieren. Sollte Amazon sein bestehendes Gewerbekundengeschäft, welches aktuell eher Büroartikel umfasst, um gastronomische Artikel ergänzen, so wären vor allem Lieferanten und Großhändler betroffen. 

Eine erste Gegenbewegung zur nahenden Konkurrenz hat auch der Metro-Konzern angekündigt. Mittlerweile arbeitet die Metro an digitalen Tools, welche die Kunden langfristig an den Konzern binden sollen. Demnach profitieren Gastronomieunternehmen mit der Erstellung einer kostenlosen Homepage. Des Weiteren soll ein digitaler Marktplatz für den Großhandel eingeführt werden.