Goldene Zwanziger der Raumfahrt – die eine Billion-Dollar-Chance
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21.09.2021

Goldene Zwanziger der Raumfahrt – die eine Billion-Dollar-Chance

Seit private Unternehmer den staatlichen Raumfahrtagenturen Konkurrenz machen, hat sich die Industrie zu einem neuen Investmentthema entwickelt. Niedrige Startkosten und Miniatursatelliten schaffen neue Wachstumschancen: Kommunikationsdienste bis in den letzten Winkel der Erde, Beobachtungsdienste für Navigation und Agrarwirtschaft und nicht zuletzt Weltraumtourismus oder private Raumtransporte. CAPinside-Expertin Carmen Weber über die Raumfahrt-Investmentchancen.

Die Raumfahrt verspricht in den kommenden zehn Jahren die nächste Eine-Billion-Dollar-Chance zu werden, sozusagen ein Musk-Have in jedem Tech-Portfolio. Als Industriezweig ist sie seit vielen Jahren etabliert. Mit den hohen Anlaufinvestitionen und schwankenden Cash Returns der Branche konnten viele Anleger jedoch bisher noch nicht so richtig etwas anfangen. Die nächsten Jahre könnten dagegen zu den Goldenen Zwanzigern der Raumfahrt werden.


Demokratisierung der Raumfahrt

Wiederverwendbare Raketen haben die Kostenstrukturen in der Industrie komplett umgekrempelt. Beispielsweise kann man für nur 3.000 Dollar ein Kilo Nutzlast ins All befördern, statt vor ein paar Jahren noch für 80.000 Dollar. Satelliten von der Größe eines Schuhkartons werden inzwischen für weniger als 20.000 Dollar lanciert. Das Vorantreiben dieser Technologien dürfte SpaceX, einem der Unternehmen von Elon Musk, zukünftig eine führende Rolle in dem 400-Milliarden-Dollar-Markt für Weltraumdienstleistungen einbringen.

Ein Drittel der Satellitenindustrie entfällt dabei auf Kommunikationsdienste. Hier spielt die Zukunftsmusik am lautesten. Starlink, wiederum ein Venture von Elon Musk, und OneWeb, gegründet von US-Technologieunternehmer Greg Wyler, sind wohl am weitesten fortgeschritten, wenn es um die Versorgung entlegener Regionen mit Breitband-Internet oder Mobilfunk geht. Zukünftig decken tausende kleiner Satelliten in geringem Abstand zur Erde – ähnlich den Funkzellen der Handy-Netze – einzeln zwar nur wenig Oberfläche ab. In ihrer Gesamtheit bilden sie aber ein zusammenhängendes Netz für die Übertragung großer Datenmengen, das doppelt so schnell ist wie ein Glasfasernetz. Ist dieser Schritt erst einmal vollzogen, sind die Voraussetzungen für ein ‚Internet of Things‘ und damit neue Geschäftsmodelle auf der Erde geschaffen.


Russisches Roulette in der Milchstraße 

Die Wandlung vom Weltraum zum Wirtschaftsraum bringt jedoch auch unerwünschte Nebenwirkungen. Alte Raketenteile, Einzelteile von Explosionen oder Satelliten-Zusammenstößen umkreisen die Erde, von denen sich über die Hälfte in einem Abstand von nur 300 bis 1.400 km zu uns befindet. Sie rasen mit unkontrollierter Geschwindigkeit durch’s All und sind für andere Satelliten eine große Gefahr. Ein zehn Zentimeter großes Objekt kann die ballistische Wirkung von sieben Kilogramm TNT-Sprengstoff entwickeln. Weltraumschrott ist für die einen operatives Risiko, seine Entsorgung für die anderen ein neues Geschäftsmodell. Zahlreiche Start-Ups beschäftigen sich bereits mit der Entwicklung von Müllabfuhr-Satelliten. Auch die europäische Weltraumbehörde ESA will ab 2025 ein eigenes Projekt zur Beseitigung von Weltraumschrott starten und könnte so den Weg für den privaten Wirtschaftszweig ebnen


Wie man Investitionen in die Raumfahrt realisiert

Viele Pure-Plays der Weltraumindustrie leben noch von Wagniskapital. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie an die Börse gehen. Anleger können dagegen heute schon in die Hersteller von Satelliten, Komponenten und Startsysteme investieren oder in große Konzerne der Luftfahrt, die sich zunehmend mit der Raumfahrt vermischt. Je nach Anlagehorizont unterscheidet man kommerzielle Raumfahrt-Start-ups, die noch unerforschte Geschäftsmodelle bieten, von Anbietern für die unmittelbar notwendige Raumfahrtinfrastruktur, zum Beispiel Satellitenkommunikation, Startsysteme, aber auch von den Herstellern der Satelliten und Trägerraketen.

Langfristig interessant sind auch Unternehmen, die über die Fähigkeit und Technologie verfügen, modernste Raumfahrzeuge und -dienstleistungen zu entwickeln. Sie sind vielleicht keine reinen Weltraumaktien, leisten aber einen Beitrag zur Weltrauminfrastruktur. Es bietet sich in jedem Fall eine breite Streuung über ein eigenes breites Portfolio, einen Fonds oder einen ETF dafür an.

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