Goldman Sachs: Partys, Millionen - und vermutlich ein Betrug

Die amerikanische Bank Goldman Sachs sieht sich erneut mit einem Skandal konfrontiert. Im Fokus steht jemand, der bereits seit einigen Jahren auf der gesamten Welt gesucht wird und eine Weile zu den berühmt-berüchtigsten Personen der amerikanischen Bankenbranche zählte. Was sich wie der Stoff für den nächsten Hollywood-Film liest, hat inzwischen auch Auswirkungen auf die Politik. Während manch einer im Gefängnis landet, stürzen an anderer Stelle sogar Ministerpräsidenten über die Handlungen von Jho Low.

Wer in Las Vegas eine Party feiern kann, auf der nicht nur Filmstars zu finden sind, sondern auch Britney Spears in einem Bikini aus einer Torte hüpft, ist in Amerika eines von zwei Sachen: Selbst ein Filmstar oder Banker. Der 31. Geburtstag von Jho Low ist nur eine von vielen seltsamen Anekdoten, die man sich dieser Tage in Amerika erzählt. Was eigentlich nur eine Angelegenheit für die Anwesenden war, hat sich zu einem der größten Krimis in der Geschichte der Bankenwirtschaft Amerikas entwickelt. Inzwischen ist auch das Bankhaus Goldman Sachs in die Ermittlungen gegen den mysteriösen Malaysier integriert worden. Grund dafür sind vor allem Verdächtigungen, dass mit einem Staatsfonds aus Malaysia Veruntreuungen passiert sind.

Inzwischen ist Low verschwunden. Er ist irgendwo in Asien untergetaucht, glauben die Ermittler. Allen Grund hat er dafür: Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen verschiedene hochrangige Bänker von Goldman Sachs eingeleitet. Hintergrund ist die Vermutung, dass Low und seine Komplizen bei der Bank einen malaysischen Staatsfonds um mehrere Milliarden Euro erleichtert hat. Dafür sind bereits einige Banker in Haft gelandet, unter anderem ein Deutscher. Dieser Mitarbeiter, der sich unter anderem der Veruntreuung schuldig bekannt hat. Er belastet vor allem seinen ehemaligen Arbeitgeber. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Goldman Sachs könnten sich zu dem größten Skandal der Geschichte für das Bankhaus entwickeln.

 

Malaysischer Staatsfonds als persönliches Spesenkonto

Im Zentrum der Ermittlungen steht der malaysische Staatsfonds 1MDB. Dieser wurde zum Teil von Goldman Sachs verwaltet und soll dabei von einigen der Verdächtigen als persönliches Spesenkonto genutzt worden sein. Sowohl Leissner als auch Low sowie andere Mitglieder der Bank sollen zwischen 2009 und 2014 bis zu drei Milliarden Dollar aus dem Fonds veruntreut haben. Um das Geld zu waschen, wurde es einfach in der USA ausgegeben. Dabei kamen teure Partys, Yachten und eine Vielzahl an persönlichen Wertgegenständen zustande. Auch Goldman Sachs verdiente kräftig an dem Fonds: 600 Millionen Dollar soll die Bank an Gebühren für die Verwaltung der Finanzen erhalten haben.

Inzwischen zieht der Skandal auch in Malaysia seine Kreise. Nach Protesten der Bevölkerung musste Ministerpräsident Najib sein Amt räumen. Sein Nachfolger ließ Ermittlungen gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten einleiten, da er nach Angaben der Staatsanwaltschaft wohl nicht nur von der Veruntreuung wusste, sondern persönlich geschmiert wurde. Als man Najib verhaftete, fand man Wertgegenstände im Wert von über 220 Millionen Euro in seinem Haus. Während also gegen ihn ein Verfahren eingleitet wird, sieht es bei den anderen Verdächtigen unterschiedlich aus: Einige der Banker von Goldman Sachs sind bereits entlassen, wieder andere wenigstens beurlaubt. Das Unternehmen bemüht sich in der Zwischenzeit das gesamte Ausmaß herunterzuspielen.

Tatsache ist aber, dass Malaysia wenigstens die Gebühren in Höhe von 600 Millionen Euro von Goldman Sachs zurückfordert. Darüber hinaus müssen sich verschiedene leitende Angestellte die Frage gefallen lassen, wie es zu einem solchen Fall kommen kann und an welchen Punkten die Aufsicht über die Mitarbeiter versagt hat. Seitdem der Fall an der Öffentlichkeit ist, sinkt der Börsenkurs deutlich, man rechnet damit, dass andere Großkunden abspringen könnten. Die Behörden sind also auf der Suche nach dem Haupttäter - währenddessen hat sein ehemaliger Arbeitgeber aber das Problem, dass die Rolle der Bank vielleicht doch größer war als angenommen.